„Waldorfpädagogik“ aus Ignoranz oder die Unfähigkeit zu denken

In Hamburg-Wilhelmsburg gibt es eine Initiative für eine „Interkulturelle“ Waldorfschule. Diese hat sich nun mit dem Kollegium einer staatlichen Ganztagsschule verbunden, um eine staatliche Waldorfschule zu gründen. Ab dem Sommer 2014 sollen „dann alle Kinder nach waldorfpädagogischen Gesichtspunkten unterrichtet werden“. Das ist dasselbe wie ein Wald ohne Bäume, ein Meer ohne Wasser oder eine Demokratie ohne Wahlen. Waldorfpädagogik ohne ein freies Geistesleben kann es nicht geben und wo bitte schön gibt es in der staatlichen Pädagogik Freiheit?

Eine solche Nachricht zeigt uns, in welch verkommenem Zustand die Waldorfpädagogik sich befindet. Wer von den Lehrern dieser Schulen kennt heute noch folgendes Zitat von Rudolf Steiner? „Denn nicht darauf kann es ankommen, innerhalb des gegenwärtigen Systems Schulen zu gründen, in denen man Surrogate des Unterrichtes schafft, indem man einfach glaubt, den Kurs befolgen zu können, den ich gegeben habe, sondern darauf kommt es an, daß man das Prinzip verfolgt auf diesem Gebiete: Freiheit im Geistesleben. – Dann ist mit einer solchen Schule ein Anfang der Dreigliederung gemacht. Rufen Sie daher in den Leuten nicht falsche Vorstellungen hervor, indem Sie ihnen den Glauben beibringen, man könnte brav in den alten Verhältnissen bleiben und trotzdem Waldorfschulen gründen, sondern rufen Sie die Vorstellung hervor, daß in der Schule in Stuttgart wirklich freies Geistesleben ist. Denn da gibt es kein Programm und keinen Lehrplan, sondern da gibt es den Lehrer mit seinem realen Können, nicht mit der Verordnung, wieviel er können soll.“ Das Zitat stammt aus dem Zyklus „Wie wirkt man für den Impuls der Dreigliederung des sozialen Organismus“ GA 338, Seite 126 in der Ausgabe von 1986. Kein Programm und keinen Lehrplan? Steht da nicht deutlich, daß es heute gar keine Waldorfschulen mehr gibt? Aber bei den Waldorflehrern ist es wie bei den „Anthroposophen“, jedem Clown seinen Luftballon, jedem „Anthroposophen“ seine Anthroposophie und jedem Waldorflehrer seine Waldorfpädagogik, die nur leider schon lange keine mehr ist, denn so wie man die Gesetze der Schwerkraft auf der Erde nicht ignorieren kann, so kann man auch nicht die Gesetze der Waldorfpädagogik ignorieren und dennoch meinen, es wäre noch eine solche. Nein, das ist eine Rosinenpädagogik! Jeder pickt sich aus dem Kuchen der Waldorfpädagogik die Rosinen heraus, die seinem Egoismus entsprechen und erklärt es für das Ganze. Ein solcher Lehrer müßte dann auch der Meinung sein, daß er selbst ein großer Eingeweihter ist, der die geistigen Inhalte selbst erforschen kann und deshalb Rudolf Steiner nicht mehr nötig hat. Dies müßten wir allerdings als eine Form des beginnenden Größenwahnsinns bezeichnen.

Auf Seite 186 desselben Zyklus wird Rudolf Steiner dann noch deutlicher: „Ebenso würden wir niemals in Wirklichkeit freie Schulen wie die Waldorfschule errichten, wenn wir zugeben würden, daß aus den staatlichen Einrichtungen heraus die Lehrer genommen würden, daß also mit den Lehrern die staatliche Approbation der Lehrer mitgenommen werden müßte. Wenn man sagt, wir könnten eine freie Schule errichten, könnten das aber nur erreichen, wenn wir staatlich abgestempelte Lehrer finden, so bezeugt das, daß man von der Sache nichts versteht. Denn das bedeutet nichts anderes als dieses, daß man stehenbleibt bei dem Alten und es nur im modernen Sinne auffrisiert, also den Leuten Sand in die Augen streut. Und dazu ist die Zeit zu ernst.“ Es wird nicht lange dauern und die Zeilenschinder des Anthrosumpfes, die „Journalisten“ von Info3 werden diese Missgeburt von Schule in Hamburg feiern.

Wer nun an dieser Stelle wieder damit argumentiert, die Waldorfschule müßte doch nach bald hundert Jahren weiterentwickelt und der Zeit angepaßt werden, der zeigt schon von vornherein, daß er von Waldorfpädagogik nichts, aber auch gar nichts versteht. Waldorfpädagogik kann nicht unmodern werden, jedenfalls nicht in den nächsten Hunderten von Jahren. Sie besteht eben nicht aus Lehrplänen und Programmen. Nur in der Form, in der sie heute besteht, in einer festgelegten und tradierten Form, kann sie unmodern sein, muß sie unzeitgemäß sein. Ansonsten dienen die Vorträge und Anregungen, die Rudolf Steiner hinterlassen hat dazu, daß sich der Lehrer an den Inhalten dieser Vorträge selbst so zubereitet, so erzieht, daß er seinen Unterricht originär aus sich selbst heraus hervorbringt. Dazu braucht er aber die Freiheit, die der Staat dem Lehrer nicht gewährt, weil er in den bestehenden Formen nichts kann, aber alles besser weiß. Weiterentwickelt wird diese Pädagogik in jedem Lehrer selbst, der sich mit den geistigen Inhalten und den menschlichen Entwicklungsgesetzmäßigkeiten, die die Anthroposophie beschreibt, in innerlicher intensiver Arbeit verbinden kann. Denn dieser anthroposophische Lehrer nimmt an dem Zeitgeschehen teil oder sollte es zumindest. Und er sollte niemals einen Kompromiß der Wahrheit gegenüber eingehen. Tut er das, muß er den Maßstab, den er seiner Pädagogik gibt, aus dem eigenen Egoismus heraus nehmen und nicht mehr aus dem Geistigen, diesen Weg hat er sich selbst versperrt. Damit keinen Kompromiß mit der Wahrheit einzugehen, sind heute schon 99,99 Prozent der Waldorflehrer überfordert oder kennen sie eine solche Schule, die den Kindern die Wahrheit über die deutsche Geschichte unterrichtet oder sich darüber wenigstens ernsthaft Gedanken macht, unter den gegebenen Verhältnissen leidet? Damit verwandelt sich diese Pädagogik, die aus Mitteleuropa in die ganze Welt hinausströmen müßte in ein Gift, welches das Geistesleben der anderen Völker vergiftet, damit wird die Anthroposophie vom Segen zum Fluch für die ganze Welt.

Das hängt damit zusammen, daß man unter „Anthroposophen“ vieles gelernt hat, nur nicht das Denken. Und dies wiederum, weil man das zentrale Buch der Anthroposophie „Die Philosophie der Freiheit“ nicht ernst genug genommen hat. „Meine <Philosophie der Freiheit> ist so gemeint, daß man zur unmittelbaren eigenen Denktätigkeit Seite für Seite greifen muß, daß gewissermaßen das Buch selbst nur eine Art Partitur ist und man in innerer Denktätigkeit diese Partitur lesen muß, um fortwährend aus dem Eigenen heraus von Gedanke zu Gedanke fortzuschreiten. So daß bei diesem Buch durchaus immer mit der gedanklichen Mitarbeit des Lesers gerechnet ist. Und es ist ferner gerechnet mit demjenigen, was aus der Seele wird, wenn sie eine solche Gedankenarbeit mitmacht. Derjenige, der sich nicht gesteht, daß, wenn er dieses Buch nun wirklich in eigener seelischer Gedankenarbeit absolviert hat, er dann gewissermaßen sich in einem Elemente des Seelenlebens erfaßt hat, in dem er sich früher nicht erfaßt hat; derjenige, der nicht spürt, daß er gewissermaßen herausgehoben ist aus seinem gewöhnlichen Vorstellen in ein sinnlichkeitsfreies Denken, in dem man sich ganz bewegt, so daß man erfühlt, wie man in diesem Denken frei geworden ist von den Bedingungen der Leiblichkeit, der liest eigentlich diese <Philosophie der Freiheit> nicht im richtigen Sinne. Und der versteht sie im Grunde genommen nicht richtig, der sich dies nicht gestehen kann. Man muß gewissermaßen sich sagen können: Jetzt weiß ich durch diese seelische Gedankenarbeit, die ich verrichtet habe, was eigentlich reines Denken ist.“ Diese Worte von Rudolf Steiner sind dem Band „Grenzen der Naturerkenntnis“ GA 322 entnommen. Sie finden sich auf Seite 111, in der Ausgabe von 1981. An diesem Buch „Die Philosophie der Freiheit“ erlernt der Mensch das Denken, das er braucht, um geistige Inhalte verstehen zu können. Er muß nicht nur Neues denken, sondern das neue Denken lernen. Der Mensch kann die Anthroposophie nicht finden, solange er mit dem alten Denken versucht diese zu erlangen.

An einer anderen Stelle, in dem Zyklus „Anthroposophische Gemeinschaftsbildung“ GA 257, finden sich auf Seite 58 in der Ausgabe von 1983 folgende Worte über die „Philosophie der Freiheit“: „Man hätte sie in der Seelenhaltung lesen müssen, durch die man aufmerksam wird darauf, daß man in eine ganz andere Art des Denkens, des Anschauens und des Wollens hineinkommt. Dann aber würde man gewußt haben: Man erhebt sich mit dieser andern Bewußtseinshaltung von der Erde in eine andere Welt hinein, und dann entspringt aus dem Bewußtsein einer solchen Seelenhaltung eben jene innere Festigkeit, welche mit Überzeugung reden darf von demjenigen, was die Geistesforschung ergründen kann. Liest man die „Philosophie der Freiheit“ in richtigem Sinne, dann redet man über das, was der Geistesforscher zu sagen hat, der eben mehr ergründen kann als dasjenige, was der Anfänger kann, mit Sicherheit, mit innerer Überzeugung. Aber ein solcher Anfänger, wie ich ihn jetzt charakterisiert habe, kann eben schon durch das richtige Lesen der <Philosophie der Freiheit> jeder werden. Dieser Anfänger kann dann von dem Ausführlicheren, das der entwickelte Geistesforscher sagen kann, so reden wie derjenige, der Chemie gelernt hat, von Forschungsresultaten redet, die er auch nicht angesehen hat, von denen er aber weiß aus dem, was er gelernt hat, aus dem, wie man über die Sachen redet und wie sie der realen Sphäre des Lebens angehören. Immer kommt es darauf an, wenn es sich um Anthroposophie handelt, daß eine gewisse Seelenhaltung eintritt, nicht bloß das Behaupten eines anderen Weltbildes, als man es im gewöhnlichen Bewußtsein hat. Das hat man eben nicht mitgemacht, die <Philosophie der Freiheit> anders zu lesen, als andere Bücher gelesen werden. Und das ist es, worauf es ankommt, und das ist es, worauf jetzt mit aller Schärfe hingewiesen werden muß, weil sonst eben einfach die Entwickelung der Anthroposophischen Gesellschaft ganz und gar zurückbleibt hinter der Entwickelung der Anthroposophie. Dann muß die Anthroposophie auf dem Umwege durch die Anthroposophische Gesellschaft von der Welt ja gänzlich mißverstanden werden, und dann kann nichts anderes herauskommen als Konflikt über Konflikt!“ Nichts anderes herauskommen als staatliche Waldorfschulen, materialistische Anthroposophen, intelligente Dummheiten oder wässriges Eisen.

Bei all der Selbstsucht, aus der heraus man heute Waldorfpädagogik oder anthroposophische Medizin oder Heilpädagogik so treibt, daß man von der Anthroposophie lebt und nicht für die Anthroposophie, hat man eines vergessen. „Das ist es aber, um was es sich handelt: daß doch alle die einzelnen Unternehmungen herausgewachsen sind aus dem Mutterboden der Anthroposophie und man dessen eingedenk bleiben muß, daß man vor allen Dingen wirklich Anthroposoph bleiben muß, daß man dieses Zentrum nicht verleugnen darf, nicht verleugnen darf als Waldorfschul-Lehrer, nicht verleugnen darf als Mitarbeiter des Kommenden Tages, nicht verleugnen darf als Forscher, nicht verleugnen darf als Mediziner, daß man niemals auch nur im Entferntesten auf die Gesinnung kommen soll, zu sagen: Ich habe für die allgemeinen anthroposophischen Angelegenheiten keine Zeit. Sonst könnte zwar eine Zeitlang in jeder dieser Unternehmungen Leben sein, weil die Anthroposophie als solche wirklich Leben enthält und geben kann, aber es könnte dieses Leben nicht auf die Dauer unterhalten werden. Es würde versiegen auch für die einzelnen Unternehmungen.“ Ebenda, Seite 84.

Nun könnte man jetzt sagen, es gibt die Waldorfschulen ja noch immer, trotz deiner Unkenrufe, so schlecht kann es also um diese nicht bestellt sein. Darauf möchte ich mit dem antworten, was ein Pfarrer der Christengemeinschaft vor einigen Jahren schon zu diesem speziellen Thema gesagt hat: „Eine Leiche kann nicht sterben.“ Aber inzwischen ist es nicht mehr die Anthroposophie, der Christus, der die Waldorfschulen am Leben erhält, sondern Ahriman, das kann man schon daran erkennen, daß die UNESCO, also Ahriman, die „Interkulturelle“ Waldorfschule Mannheim ausgezeichnet hat. Die UNESCO ist ein Arm der Krake Weltdiktatur und sie zeichnet nur die aus, die in ihrem Sinne tätig sind. Und in der Heilpädagogik oder der Medizin ist es nicht anders: Schulmedizin mit anthroposophischen Sahnehäppchen garniert. Wiederum könnte man erwidern: Das geht mir zu weit, erst neulich sah ich eine durchaus ansprechende Monatsfeier, so etwas Schönes kann aus dem Bösen nicht hervorgehen. Da sollte man, was die meisten Menschen nicht tun und auch nicht können, unterscheiden zwischen dem Seelischen und dem Geistigen. Auch am Goetheanum gibt es durchaus nette Menschen, auch Prokofieff ist durchaus ein solcher, solange man beim oberflächlichen Seelischen stehen bleibt, dies besagt nichts darüber, welche Geistigkeit durch ihn wirkt. Es muß uns doch zu großen Fragen führen, wenn wir bemerken, daß die anthroposophische Pädagogik zwar auf einem Menschenbild aufgebaut ist, welches wir dem Christus verdanken, aber an der Tür zu den Waldorfschulen uns als erstes eine Lüge empfängt: Freie Schule. Der Staat bestimmt bis zu einem gewissen Grad, was in diesen Schulen möglich ist, welche Lehrer eingestellt werden dürfen etc., ist das frei? Und wer ist der Herr der Lüge? In den Lehrer-
ausbildungen haben sich die „Anthroposophen“ eine staatliche Norm zueigen gemacht, den Bachelor. Weil man aus der Eitelkeit nach der staatlichen Anerkennung gierte. Damit ist genau das eingetreten, was Rudolf Steiner in dem obigen Zitat für die Waldorfschulen verneint. Und die Oberstufenlehrer? Welche Schule kommt heute noch ohne Lehrer aus, die den staatlichen Fleischbeschauerstempel an sich tragen? Und streut damit den Menschen Sand, den ahrimanischen Sand in die Augen. Und noch eine Frage muß sich hier ernsthaft einstellen: Inwiefern kann der einzelne Lehrer eine Pädagogik verwirklichen die aus dem Geiste stammt, wenn der Ungeist eine solche Schule beherrscht?

Damit muß man aber sagen, daß das Karma einer Prostituierten oder eines Mörders sich weniger leidvoll entwickelt, als das eines solchen „Waldorfschule-Lehrers“. Denn diese haben sich nicht an den göttlichen Lehren vergriffen und das Erwachen des Ichs des Kindes verhindert, das Geschenk der Götter an die Menschen in den Dreck getreten. Es werden alle Sünden verziehen, nur nicht die wider den heiligen Geist.

Solange der Staat die Pädagogik so zwingt, daß sie seinen Machtinteressen dienen muß, wird sich auf dem Gebiet der Erziehung nichts zum Besseren wenden. Solange muß abgewartet werden, bis das unfreie staatliche Geistesleben den Karren der Erziehung vollständig an die Wand gefahren hat. Das ist im Grunde genommen schon eingetreten, nur die Menschen weigern sich es zur Kenntnis zu nehmen. Wie lange kann man das noch?

Rüdiger Keuler, Juli 2013

 



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