Schon im Jahre 2005, in Pelagius Heft VI, druckten wir nachfolgenden Text von Rudolf Steiner ab. Aus aktuellem Anlaß tun wir das wieder.

Tagebuchnotiz Rudolf Steiner, circa Ende 1917, über den Ersten Weltkrieg:

Was steht sich in diesem Kriege gegenüber und um was wird er geführt?

„Tonangebend ist eine Gruppe von Menschen, welche die Erde beherrschen wollen mit dem Mittel der beweglichen kapitalistischen Wirtschaftsimpulse. Zu ihnen gehören alle diejenigen Menschenkreise, welche diese Gruppe imstande ist, durch Wirtschaftsmittel zu binden und zu organisieren. Das wesentliche ist, daß diese Gruppe weiß, in dem Bereich des russischen Territoriums liegt eine im Sinne der Zukunft unorganisierte Menschenansammlung, die den Keim einer sozialistischen Organisation in sich trägt. Diesen sozialistischen Keimimpuls unter den Machtbereich der antisozialen Gruppe zu bringen ist das wohlberechnete Ziel. Dieses Ziel kann nicht erreicht werden, wenn von Mitteleuropa mit Verständnis eine Vereinigung gesucht wird mit dem östlichen Keimimpuls. Nur weil jene Gruppe innerhalb der anglo-amerikanischen Welt zu finden ist, ist als untergeordnetes Moment die jetzige Mächte-Konstellation entstanden, welche alle wirklichen Gegensätze und Interessen verdeckt. Sie verdeckt vor allem die wahre Tatsache, daß um den russischen Kulturkeim zwischen den anglo-amerikanischen Pluto-Autokraten und dem mitteleuropäischen Volke gekämpft wird. In dem Augenblicke, in dem von Mittel-Europa diese Tatsache der Welt enthüllt wird, wird eine unwahre Konstellation durch eine wahre ersetzt. Der Krieg wird deshalb so lange in irgendeiner Form dauern, bis Deutschtum und Slawentum sich zu dem gemeinsamen Ziele der Menschen-Befreiung vom Joche des Westens zusammengefunden haben.

Es gibt nur die Alternative: Entweder man entlarvt die Lüge, mit der der Westen arbeiten muß, wenn er reüssieren will, man sagt: die Macher der anglo-amerikanischen Sache sind die Träger einer Strömung, die ihre Wurzeln in den Impulsen hat, die vor der französischen Revolution liegen und in der Realisierung einer Welt-Herrschaft mit Kapitalistenmitteln besteht, die sich nur der Revolutions-Impulse als Phrase bedient, um sich dahinter zu verstecken; oder man tritt an eine okkulte Gruppe innerhalb der anglo-amerikanischen Welt die Welt-Herrschaft ab, bis aus dem geknechteten deutsch-slawischen Gebiet durch zukünftige Ströme von Blut das wahre geistige Ziel der Erde gerettet wird.“

(Veröffentlicht in "Stimme des Gewissens", 32. Jahrgang Nr. 6, Nov./Dez. 2001, Seite 8)

Was kann die nach wie vor ungebrochene Aktualität Rudolf Steiners mehr beweisen als dieses Zitat. Ich möchte aber noch andere dazustellen, deren Kenntnis für uns und das zukunftsweisende Denken wichtig ist. Ich zitiere aus einer Ansprache die Rudolf Steiner am 5.Juni 1913 in Helsinki vor russischen Anthroposophen gehalten hat. „Ihr seid gewissermaßen in der gegenteiligen Lage von einem Volke, das in einer gewissen Beziehung zu einem kurzen Glanze auch aufsteigender Art die Erde bevölkert. Ihr seid in einer gegenteiligen Lage wie das nordamerikanische Volk. Bedenkt, meine lieben Freunde, daß dieses nordamerikanische Volk, das Euer Gegenpol ist, von der Zeit ab begonnen hat, vom Westen allmählich gegen den Osten vorzurücken, in der in Europa das Zeitalter des Materialismus begonnen hat, und ihn weiter ausgebaut hat. Bedenkt, daß in den Wurzeln des Amerikanertums der Materialismus waltet. Bedenkt einmal, daß diejenigen Menschen, die Amerika kultiviert haben, dies getan haben mit den Vorstellungen des kultivierten Europäers vor Jahrhunderten, die so wenig weit hinter uns liegen. Was haben denn diese Menschen gemacht? Diese Menschen haben mit den materialistischen Vorstellungen der modernen Parlamente, mit den Vorstellungen der modernen Naturwissenschaft, der modernen Gesellschaftsordnung dasjenige getan, was sonst ungebildete Menschen machen, wenn sie Urwälder ausroden, Stück für Stück Ackerboden erobern, Land bereiten der Kultur. Das ist alles aus Materialismus entsprungen. Und wenn man heute betrachtet den als ihren bedeutendsten Schriftsteller Anerkannten, den ja auch die Amerikaner durch Wahl zu ihrem Leiter bestimmt haben, Woodrow Wilson, der für die heutigen Verhältnisse wirklich ein bedeutender Schriftsteller ist, der Glänzendes an schriftstellerischer Leistungen für die soziale Anschauung geleistet hat, wenn man ihn anschaut, seine Begriffe und Ideen, alles, was er repräsentiert als Vertreter des amerikanischen Volkes, was ist es? Ein Kartenhaus. Ein Kartenhaus, von einem einzigen Hauch, wenn er einmal gehaucht würde aus den spirituellen Welten heraus, vernichtet. Dann würde diese ganze Kultur umfallen. Jede Einzelheit, aus der die amerikanische Kultur stammt, kann man nachweisen aus äußeren Geschichtsbüchern, aus der Kulturgeschichte der vorigen Jahrhunderte. Alles liegt offen da, alles ist Menschenwerk, woraus das entsprungen ist.
Fragt nach, woher Euer Volkstum kommt, woher Euer Geistesleben stammt, fragt nach, woher das Beste kommt, was Ihr in Euren Seelen hegen könnt. Ihr werdet es auf der Erde nicht finden! Das ist nicht in dieser Weise zu finden, das wurzelt in der geistigen Welt selber. Das ist Organismus, Lebewesen, das ist kein Kartenhaus.“
Das Zitat stammt aus dem Zyklus „Der Zusammenhang des Menschen mit der elementarischen Welt – Kalewala-Olaf Ǻsteson – Das russische Volkstum“ GA 158, Seite 216, in der Ausgabe von 1993 (Betonung vom Verfasser). Wir können nur hoffen für die weitere Entwicklung der Menschheit, daß dieser Zeitpunkt nun erreicht ist, wo das Kartenhaus des US-Imperialismus durch einen einzigen Hauch aus der geistigen Welt heraus vernichtet wird. Das Wirken derer, die die amerikanische Hegemonie, die Weltdiktatur erreichen wollen ist krank, pervers. Schon 1913 schildert Rudolf Steiner den amerikanischen Begriff von Freiheit wie folgt in demselben Vortrag.
„Was ist für den Amerikaner Freiheit? Dasjenige, was ihm das Leben am bequemsten einrichtet. Er nennt Freiheit dasjenige, was hineinverwoben werden soll in die soziale Ordnung, damit am besten ein jeder einzelne für die äußere Welt vorwärtskommt. … Der Amerikaner nimmt die Freiheit, weil sie praktisch ist dafür, was er braucht, weil er am besten damit die Ordnung herstellen kann, die ihm angenehm ist. Freiheit ist für den Amerikaner ein Nützlichkeitsprodukt, sie bringt ihm Nutzen. Meine lieben Freunde! Für den Westeuropäer war die Freiheit etwas anderes, war die Freiheit ein hohes Ideal, etwas, wozu er aufblickte. Man darf fast das Wort des Dichters auf die Freiheit anwenden. Dem Europäer ist sie die „hohe herrliche Göttin“, für den Amerikaner ist sie die nützliche Melkkuh, die ihn mit Milch und Butter versorgt. Ich sage das nicht, sondern derjenigen, der in den nächsten Jahren verantwortlich ist für die Leitung der Amerikanischen Vereinigten Staaten, hat das gesagt.“ Ebenda, Seite 217. Dabei nehmen die Amerikaner die Freiheit anderer Staaten, Völker und Menschen nicht wahr, für sie zählt nur der Egoismus, die eigene Macht, der eigene Wohlstand. Millionen Todesopfer und unsägliches Leid hat diese Egomanie der USA über die Menschheit gebracht. Aber die Völker beginnen zu erwachen und das Spiel zu durchschauen. Dabei spielt Russland derzeit eine entscheidende Rolle und in Rußland Wladimir Putin. Die Drahtzieher im Hintergrund des geostrategischen Mächtespiels wissen sehr gut, wie wichtig für die Zukunft der Menschheit die Verbindung Mitteleuropas mit Rußland ist, deswegen der Versuch der USA über ihre Handpuppen in der deutschen Politik, Deutschland über die Einbindung in die NATO in einen Krieg mit Rußland zu verwickeln. Europa zu isolieren, zu schwächen und an Amerika zu binden ist das weltpolitische Ziel der USA. Für Rußlands Entwicklung wäre das verheerend. „Es gibt ein Heil für Rußland und dieses Heil heißt: die Theosophie. (Die Worte sind 1913 gesprochen, die Trennung von der Theosophischen Gesellschaft vollzieht sich gerade, wir müssen also heute das Wort Theosophie durch das Wort Anthroposophie ersetzen) Für andere Gegenden der Erde wird Theosophie ein Vortreffliches, ein die Menschen Weiterbringendes sein. Für Rußland wird Theosophie das einzige Heil sein, dasjenige, was da sein muß, damit das russische Volkstum den Anschluß findet an seine Volksseele, damit diese Volksseele nicht zu anderen Aufgaben in der Welt berufen wird, als die, welche ihr vorbestimmt ist.“ Ebenda, Seite 219. Das ist die Aufgabe der mitteleuropäischen Völker, die Anthroposophie, welche von Dornach und den „Anthroposophen“ verraten und verkauft wurde und wird, zu entwickeln und an den slawischen Osten, das russische Volkstum weiterzureichen. „Versteht sich der Mensch in Deutschland zu durchgeistigen, dann ist er der Segen der Welt; versteht er es nicht, dann ist er der Fluch der Welt.“ GA 192, Seite 217. Es wäre für die Deutschen besser gewesen, sie hätten diese Verbrechen begangen, die ihnen geschichtlich angedichtet werden, um ihre Aufgabe vollends zu vereiteln, als die Perlen, die sie aus der geistigen Welt bekommen haben, in den Dreck zu treten, zu verachten, die Anthroposophie unbeachtet zu lassen.

Rüdiger Keuler

 

 

 

 

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