Gender-Mainstreaming in der „Erziehungskunst“

Eine Antwort aus der Anthroposophie

 

Wenn man ein tierisches Wesen, sagen wir ein Insekt betrachtet in seinem Leben während eines Jahreslaufes, so kann man erkennen, dass dieses Tier in gewisser Weise den Jahreslauf miterlebt. Dieses Insekt hat sich z.B. zu einer Zeit verpuppt, entwickelt sich zum vollwertigen Tier und legt zu einer anderen Zeit wieder seine Eier ab und verendet dann im Herbst oder Winter. Man kann also den Lebenslauf eines solchen Insektes im Jahreslauf verfolgen und kann sagen, das Tier richtet sich in seinem eigenen Leben nach seiner natürlichen Umgebung ein. Wenn man den Menschen irgendeiner Menschengemeinschaft in älteren Zeiten der Erdenentwicklung betrachtet, so findet man, dass er auch mehr oder weniger instinktiv das Äußerlich-Natürliche miterlebt hat. Im Vorwärtsschreiten der Menschheitsentwicklung jedoch hörten jene Instinkte mehr und mehr auf, die den Menschen dazu brachten, seine unmittelbare natürliche äußere Umgebung mitzuerleben. So findet man bei der fortschreitenden Menschheit nicht mehr ein solches äußeres Zusammenstimmen mit der natürlichen und unmittelbaren Umgebung und dem, was im Menschen selber auftritt. Das hängt damit zusammen, dass der Mensch einer Entwicklung unterliegt, welche die Geschichte der Menschheit ausmacht und welches ein Ganzes innerhalb der langen planetarischen Entwicklungsepoche der Erde selbst bildet.

Heute leben wir in einer Zeit, in der das bewusste Innenleben an die Stelle des alten instinktiven Lebens treten musste. Lebt der Mensch nun nur so, dass er sich einer zufälligen, rein materialistischen Lebensweise übergibt, also dem Zufall übergibt und er keine wertigen Gesetzmäßigkeiten übernimmt, wird er keine innere Orientierung in seinem Leben erhalten. Er würde, obwohl er ein höher entwickeltes Seelenleben haben könnte und ja auch in sich veranlagt hat, unter die Tierheit heruntersinken. Anders gesagt, ein Tier erfüllt seine Aufgabe, hat eine Richtung in seinem Leben im Jahreslauf. Es überlässt sich nicht dem Zufall des Werdens. Es stellt sich in Regelmäßigkeit in der Aufeinanderfolge der Lebensstadien in die Welt hinein. Der Mensch jedoch hat die neuere bewusstere Form angenommen und doch hat er das Richtunggebende seines Lebens verloren. Er müsste sich sagen, dass er nicht wirklich ein Mensch ist, wenn er sich dem Zufall überlässt. Dadurch würde er sich mehr und mehr mit seinen Instinkten in ein chaotisches Leben hineinbegeben und unter das Tierische heruntersinken. Er müsste sich mit seiner jetzt möglichen Selbsterkenntnis sagen: Das volle Menschentum fordert von dir, dass du als Mensch immer vollkommener und vollkommener wirst. Du musst daher die Schwierigkeit auf dich nehmen, erst richtig Mensch zu werden auf der Erde. Dazu gehört auch die Entwicklung eines religiösen Bewusstseins. Wer den Christus-Impuls in sich lebendig erhält, kann sich mit innerer Kraft, Licht, Wärme und Liebe erfüllen. Man kann erkennen, dass der Christus-Impuls inniglich zusammenhängt mit dem Erlangen des menschlichen Freiheitsbewusstseins, das auch imstande ist, das Denken, das sonst tot und abstrakt wird, mit innerem Leben und Wärme zu durchpulsen (nach GA 221, 1. Vortrag).

Wenn man nun diese Zusammenhänge aus der anthroposophischen Geisteswissenschaft Rudolf Steiners nicht kennt und sich dadurch dem Zufall überlässt – das sind die meisten Menschen in der Politik, den Medien, der Wirtschaft und dem alles beherrschenden Bankenwesen –, dann kann es einleuchten, dass die Frühsexualisierung, also der „Genderwahnsinn“ sich derartig ausbreitet und für die Menschheit dadurch die Gefahr besteht, unter das „Tierische“ herunter zu sinken, was meiner Meinung nach schon längst geschehen ist (siehe auch meinen Artikel über den Bildungsplan in Baden-Württemberg). Glücklicherweise haben sich noch viele Menschen das Gefühl für Recht und Unrecht erhalten, was in den vielen Demonstrationen gegen die „Frühsexualisierung“ zu erkennen ist. Leider sind es in der Regel nur betroffene Eltern, die auf die Straße gehen und dagegen demonstrieren. Die Betroffenheit müsste jedoch viel größer sein und einen bundesweiten Aufschrei erzeugen.

 

Das Gender-Thema in der „Erziehungskunst“

Wenn jedoch, wie jetzt in der „Erziehungskunst“, dem offiziellen Organ der Waldorfschulen im Dezemberheft 2014 geschehen, ein Waldorfklassenlehrer davon spricht, dass „der Leib seelische Erlebnisse vermittelt, die in der psycho-sexuellen  Entwicklung beachtet und wertgeschätzt werden wollen“, kann schon in diesem ersten Satz des Artikels von Sönke Bohn die Frage entstehen, weiß der Mann eigentlich wovon er da spricht? Wenn der Leib seelische Erlebnisse vermittelt wie Herr Bohn sagt, sollte doch die Frage erlaubt sein, wo haben diese Erlebnisse ihren Ursprung? Denn genau da haben Luzifer über den Astralleib und Ahriman über den phys. Leib ihren Platz gefunden und sie sorgen dafür, dass die niederen Triebe des Menschen (Leidenschaften und Begierden) wirken. Soll also etwa Luzifer das Seelische leiten und beherrschen? Rudolf Steiner sagt uns, dass die Seele der Mittler zwischen Geist und physischem Leib ist. Der Geist sollte der Führer für den Menschen sein! Sollte er das nicht sein, sinkt der Mensch, wie oben von Rudolf Steiner gezeigt, unter das Tier hinunter. Wenn der Geist der Führer in einem jugendlichen Alter noch nicht ganz sein kann, so sollte er durch Erzieher wie Herr Bohn dazu hingebracht werden. Das Erwachsenen-Ich des Erziehers hat so zu wirken, dass durch die Vermittlung von Idealen mit dem entsprechenden Stoff (dazu gehört auch der Rhythmische Teil und der Erzählteil, welche sträflicherweise gerade in der heutigen Zeit immer mehr vernachlässigt werden) die Seele des Jugendlichen abgelenkt wird, so lange, bis der Geist (Ich) des Menschen die Führung mehr und mehr selber übernehmen kann. Herr Bohn stellt die Tatsachen einfach nur fest und scheint sie auch als gegeben hinzunehmen. Damit unterstützt er die „Gender-Umtriebe“, denn jene Menschen, die ganz bestimmte Ziele damit verfolgen (manche dieser Gruppen haben die Pädophilie in ihrem Parteiprogramm), wissen auch ganz genau, dass das Kind oder der Jugendliche sich noch nicht aus seinem Ich heraus alleine führen kann und somit diesen Umtrieben schutzlos ausgeliefert ist.

In dem eingeschlagenen Kontext gehen die Aussagen von Herrn Bohn weiter. Erst im Weiterlesen, wenn er von den Bezeichnungen der Geschlechtsteile in anderen Kulturen spricht, wird klar, dass er auch schon die Aussage von „Atiq Rahimi“ in der Überschrift über die Liebe nur auf die sexuelle Ebene herunterzieht. Ihm als Waldorflehrer müsste bei dem Begriff Liebe nicht nur ein sexueller Bezug einfallen. Weiter unten spricht er davon, dass sich weder sexuelle Orientierung noch die sexuelle Identität planen lassen. Wenn das so wäre, warum stellt er dann in dem nächsten Satz fest, dass Gender-Mainstreaming zunächst nicht mehr bedeute, als eingefahrene Rollenbilder und Typisierungen in Frage zu stellen? Also genau das, was man nicht planen kann, soll in Frage gestellt werden. Dann jedoch kommt er auf den Punkt seiner Überlegungen wenn er sagt, dass es um das Verlernen geht, das in gewisser Weise in jeder Art von Beziehung eine hilfreiche Fähigkeit sei. Ach so! Was soll denn verlernt werden? Etwa das, was er zuvor sagte, dass sich weder sexuelle Orientierung noch die sexuelle Identität planen lassen? Oder soll die Treue zu einem Menschen in einer sozialen Gemeinschaft verlernt werden? Oder soll der Mensch verlernen, dass er sich als soziales Wesen von seinem Ich leiten lassen soll und nicht von seinen, aus dem Leib auftauchenden Trieben, um nicht unter das Tier hinunter zu sinken?

Es fiel mir zusehends schwerer, das wirre Durcheinander der Aussagen dieses Mannes zu ordnen und einen Zusammenhang darin zu erkennen. Die erste Aussage im nächsten Kapitel ist, dass es Kinder gäbe, die schon dadurch in Not kämen, wenn Gruppen in Jungen und Mädchen eingeteilt würden. Leider spricht er dabei nicht vom Alter dieser Kinder. Mit meiner Erfahrung mit vier achten Klassen ist diese Aussage in keinster Weise vereinbar. Grundsätzlich möchte ich sagen, dass Kinder in dem infrage kommenden Alter, ob Mädchen oder Buben, auf dem Gebiet, das umfassend mit Sexualität zusammenhängt, sehr scheu, sensibel und verletzlich sind und immer jeder Schüler individuell betrachtet werden will. Anders gesagt, Kinder und Jugendliche haben ein ausgeprägtes Schamgefühl, was oft nur durch ihre „coolen“ Sprüche übertüncht wird. Es ist ihnen direkt peinlich, wenn sie von Erwachsenen über dieses Thema überhaupt nur angesprochen werden. Flächendeckende sexuelle Betrachtungen in Gruppen sind nicht richtig und schaden den einzelnen Kindern mehr als diese in irgendeiner Weise nützlich sein können. Was in diesem Artikel von Herrn Bohn erreicht werden soll, ist so durchsichtig und unterstützt die Gender-Bestrebungen vollumfänglich, auch wenn er den hilflosen Versuch gemacht hat, Rudolf Steiner durch dessen Aussagen mit ins Boot zu holen. Er sagt ja auch diesbezüglich, dass man dabei querdenken muss. Die erste Aussage aus GA 315 ist aus dem ersten Vortrag entnommen, den Rudolf Steiner vor Ärzten und Eurythmisten gehalten hat und ist nur im Zusammenhang richtig zu verstehen. Das zweite Zitat ist aus GA 278 „Eurythmie als sichtbarer Gesang“  aus dem ersten Vortrag entnommen und kann ebenfalls nur im Zusammenhang richtig verstanden werden. Schon der Versuch, Rudolf Steiner im Querdenken für diese Zwecke zu missbrauchen, ist sehr fragwürdig. Diese Menschen, die  Rudolf Steiner da anspricht, sind erwachsene Menschen, die ihren ganzen Körper zu einem Instrument der Kunst machen wollen, wie er im Anschluss an eines dieser Zitate sagt. 

Herr Bohn verniedlicht das Gender-Bestreben in diesem Artikel, was der Satz zeigt: „Gender-Mainstreaming bedeutet zunächst nicht mehr, als eingefahrene Rollenbilder und Typisierungen in Frage zu stellen.“ Er scheint gar nicht zu wissen, dass dieses zu einer Frühsexualisierung der Kinder führen wird, wie im Parteiprogramm von Kultusminister Stoch (SPD) in Baden-Württemberg eindeutig nachzulesen ist (siehe meinen  oben erwähnten Artikel). Es sind inzwischen harte Fakten geschaffen. Da ist das Geschwafel von Herrn Bohn keineswegs zielführend. Dadurch wird nur die Realität für die Menschen verwaschen, welche endlich aufwachen sollten. Seine Aussage lautet: Es ist ja alles nicht so schlimm. Gegen sexuelle Aufklärung sind nur die ewig Gestrigen und Verklemmten. Es sei „nur das Problem der (V)Erwachsenen“. Als Erwachsener, der annimmt, dass ein anderer Erwachsener diesen Artikel geschrieben hat, kann man sich über dieses (V) in dem Satz nur wundern, da man so etwas in der Regel von unreifen Jugendlichen zu lesen bekommt.

Um dem Thema des Gender-Wahnsinns und der Frühsexualisierung noch etwas mehr Gewicht zu verleihen und um zu zeigen, welche Bedeutungen und Dimensionen diesem Thema sonst auch noch zugeschrieben werden kann, möchte ich ein Zitat anfügen, welches Friedrich Engels zugeschrieben wird, das zeigen kann, wie weit ein gewisses sozialistisches Programm in Europa schon fortgeschritten ist: „Die Durchsetzung der sozialistischen Diktatur erfordert die Beseitigung des Mittelstandes, Zerstörung der Familie und Ausschaltung der christlichen Religion durch allgemeine Sexualisierung.“

Unmittelbar zum Thema dieses Artikels gehört eine Aussage von Siegmund Freud: Schon 1905 weist er uns  auf eine Gefahr der Frühsexualisierung hin. In seinem Gesamtwerk VII, Seite 149, sagt er folgendes: „Kinder, die sexuell stimuliert werden, sind nicht mehr erziehungsfähig.“ Zwar ist bei dieser Aussage nicht ganz klar, was er unter Stimulans in diesem Zusammenhang versteht, die Richtung ist jedoch auch in dieser Beziehung ganz deutlich angegeben und zeigt auf die Gefahr für die Entwicklung der gesamten Menschheit durch Frühsexualisierung hin. Wem dieser Satz zu dramatisch formuliert erscheint, möge sich doch bitte durch die alterativen Medien informieren, wie viele Meldungen über Misshandlungen von Frauen und Kindern berichten, von unzähligen für die Zwecke der Misshandlung entführten Kindern, Massenvergewaltigungen auf der ganzen Welt, um nur einige Dinge zu nennen, die unmittelbar mit der Sexualisierung zu tun haben. Man muss diese Tatsachen nur ertragen wollen und nicht schon bei einem Parteiprogramm - wie im künftigen Bildungsplan für Baden-Württemberg jetzt geschehen - die Augen verschließen. Gehen Sie einfach zu den Demos, viele interessante Erfahrungen sind garantiert.

Meine tiefe Betroffenheit möchte ich noch darüber aussprechen, dass ein solcher Artikel in der „Erziehungskunst“ erscheinen konnte. Das dem Artikel beigefügte Bild zeigt die erotische Schulter einer jungen Frau. Wer auch immer dieses Bild dem Artikel beigefügt hat, will damit die Tendenzen, die hier zum Ausdruck kommen, noch einmal unterstreichen.

 Rolf Deiß, Dezember 2014

 



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