Die Bedeutung des Bösen für die Entwicklung des Menschen

Das Phänomen, das Mysterium des Bösen müßte für die Menschen mit Fragen verbunden sein, die sie über das Sinnliche ins Übersinnliche hineinführen, denn aus dem Sinnlichen lassen sich die Fragen, die uns das Böse aufgibt gar nicht beantworten. Wer sich in das Rätsel des Bösen vertieft, findet darin einen mächtigen Antrieb für seine weitere Entwicklung. Die Beschäftigung mit diesem Mysterium wird ganz offenkundig von einem Zeitalter verlangt, in dem das Böse unglaublich übermächtig geworden ist, in dem dieses droht die Menschheit und ihre weitere Entwicklung zu erdrücken, in dem ganze Staaten sich diesem Bösen verschrieben haben, in dem das Böse eine Größe erreicht hat, die den Menschen bis in seine Fundamente hinein erschüttert, in dem wir Menschen mit so grauenhafter Bösartigkeit finden, daß sie mit dem Maßstab der Menschlichkeit gar nicht mehr gemessen werden können. Nicht zuletzt muß bei dieser Aufzählung der Übermacht die Bundeskanzlerin Angela Merkel erwähnt werden, die bereit ist ihr eigenes Volk zu vernichten.

Laut Adelheid Petersen äußerte sich Rudolf Steiner im Februar 1915 zum Bösen und zu dem was dieses Zeitalter uns abverlangt folgendermaßen: „Ja“, sagte er endlich „wenn das dort“, er wies nach Westen, „wenn das dort einmal zu Ende sein wird, dann wird alles so völlig anders werden, als es bisher war, daß Sie mich nicht verstehen würden, wenn ich Ihnen sagen wollte, wie alles wird. Aber Sie werden es erleben! Wenn das vorüber sein wird, was man Krieg nennt – ja, dann wird es so sein, daß alles Konventionelle versagt; daß alle Tünche von den Lebensverhältnissen abfällt! Die Menschheit ist in ein Stadium ihrer Entwicklung eingetreten, wo das Böse und die Lüge sichtbar werden müssen! Es ist alles schon da: das Böse, Grauenhafte, das Verlogene, der Verfall – es ist alles da, aber es ist noch übertüncht! Und es muß offenbar werden! Das wird sich in den Lebensverhältnissen des einzelnen zeigen – in den Ehen, den Familien, den Freundschaften und vor allem in den Feindschaften – wie im Gesamtleben der Völker, der Staaten! Es wird für gewisse Dinge keine Hemmungen mehr geben. Durchstehen, ohne seelisch zugrunde zu gehen, ohne seelisch Schaden zu nehmen, werden alles das, was kommt, nur die Menschen, welche draußen und vor allem im eigenen Inneren, das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden können! Das ist sehr schwer! Sehr schwer!“ wiederholte er, „das erfordert unablässige, mühevolle Übung. Denn hier liegt die furchtbarste Verführung! Die Menschheit wird den Kampf gegen die Lüge zu führen haben – das Urböse!> Aus „Erinnerung an Rudolf Steiner“ Adelheid Petersen, Seite 190. Wie soll der Mensch einen Kampf führen können gegen etwas das er nicht kennt? Was ist die Bedeutung des Bösen, welche Aufgaben sind damit verbunden, warum müssen wir uns diesem Kampf stellen, in welchem Verhältnis steht das Böse zu uns Menschen? Für unsere weitere Entwicklung ist die Beantwortung dieser Frage von entscheidender Bedeutung.

„Es ist der Gang der Entwicklung, daß alles, was heute in den höheren Welten ist, heruntersteigt in die physische Welt. Indem der Mensch berufen ist, selbst mitzuschaffen an der äußeren Welt, muß er mit seinen Gedanken heruntersteigen in die physische Welt. Er bildet die Welt rings um sich herum, er bildet auch das, was in seiner eigenen Körperlichkeit ist. Gerade durch die Theosophie (Anthroposophie) muß der Mensch ein Gefühl dafür bekommen, daß alles, was er tut, fühlt und denkt in einer Zeit, fortwirkt in eine andere Zeit, in die Zukunft. Wenn der Mensch Tempel baut, Werke der Schönheit, oder wenn er für das soziale Zusammenleben der Menschen Werke der Staatskunst schafft, so sind das alles Dinge, die für die Zukunft Bedeutung haben. Was der Mensch heute mit Hilfe der Naturkräfte baut, dadurch formt er die Naturprodukte der Zukunft. Wenn der Mensch zum Beispiel einen gotischen Dom aufbaut, so setzt er ihn nach mineralischen Gesetzen zusammen. Es ist wahr, die Substanz, die Stofflichkeit, die Ziegel und Steine, aus denen der Dom zusammengesetzt ist, sie zerfallen. Daß aber die Form einmal da war, ist nicht bedeutungslos. Die Form, die durch die Menschen der Materie eingeprägt wurde, bleibt, sie wird dem Äther- und Astralleib der Erde eingegliedert und entwickelt sich als eine Kraft mit der Erde fort. Und wenn die Erde durch die jetzige Entwicklungsstufe und das Pralaya hindurchgegangen sein wird und wiedererscheinen wird als Jupiter, dann wächst diese Form als eine Art Pflanzenwesen aus der Erde heraus. Wir bauen heute die Werke der Kunst und Schönheit, wir formen die Werke der Weisheit nicht umsonst auf unserer Erde. Wir formen sie, damit sie später als Naturprodukte der Erde aufgehen. Und wie wir heute Dome und Häuser bauen, deren Formen bleibend sind, die sich mit der Erde verknüpfen und in der Zukunft als eine Art Pflanzen wieder hervorkommen werden, ebenso haben sich unsere heutigen Pflanzen und Kristalle nach dem geformt, was uns vorangegangene Götter und Geister in der Vorwelt auferbaut hatten. Alles, was der Mensch der Erde einverleibt unter dem Gesichtspunkt der Erkenntnis, der Weisheit und Schönheit und des wahren sozialen Lebens, alles, was er an Symbolen in die äußere Welt hineinwirkt, selbst wenn er es nur in Gedanken bildet, wird zu einer großen erfreulichen fortschrittlichen Gewalt für die Fortentwickelung der Erde; es werden reale Kräfte und Formen der Zukunft sein. Unsere Maschinen und unsere Fabriken aber, alles, was wir nur machen, um der äußeren Nützlichkeit zu dienen, dem Utilitätsprinzip, wird in der nächsten Verkörperung unserer Erde ein schädliches Element sein. Wenn wir der Materie Symbole einprägen, die Ausdruck höherer Welten sind, werden sie fortschrittlich wirken; unsere Maschinen und Fabriken dagegen, die nur dem äußeren Nutzen dienen, werden zu einer Art dämonischer, verderblicher Wirkung in der nächsten Verkörperung unserer Erde. Wir formen uns also selbst unsere guten Kräfte und ebenso die dämonischen Gewalten für das nächste Zeitalter der Menschheit.
Heute, in der fünften nachatlantischen Kulturepoche, sind wir am tiefsten in der Materie und schaffen die schlimmsten dämonischen Gewalten für die nächste Zeitepoche. Wo wir Uralt-Heiliges in physisch-mechanische Dinge umgestalten, da arbeiten wir unter den physischen Plan hinunter. Unterwelt wird das sein, was der Mensch so gestaltet. Man muß sich darüber im klaren sein, daß auch die bösen Mächte der Erdenentwickelung eingefügt werden müssen. In der Zeit, wo sie überwunden werden müssen, wird der Mensch eine gewaltige Kraft aufzuwenden haben, um das Böse und das Dämonische wiederum in das Gute umzuwandeln. Aber seine Kraft wird dadurch wachsen, denn das Böse ist dazu da, die Kraft des Menschen zu stählen durch dessen Überwindung. Alles Böse muß wiederum umgeschmolzen werden in das Gute, und es ist geradezu im Blicke der Vorsehung gelegen, damit starke energische Wirkungen im Menschen zu entwickeln, viel höhere, als wenn er niemals Böses in Gutes zu verwandeln hätte.“
Das lange Zitat von Rudolf Steiner findet sich in „Mythen und Sagen – Okkulte Zeichen und Symbole“ GA 101, Seite 236 ff in der Ausgabe von 1987.

Stellen Sie sich einmal einen Menschen vor, der mit einem gutdotiertem Gehalt hinter seinem Schreibtisch sein Leben verbringt, also sein gutes Auskommen hat, womöglich noch als Beamter, wo einem das Denken vollständig abgenommen wird,  der in Glück und Harmonie lebt, Frau und Kinder, Eigenheim und Auto hat, Urlaub und Versicherungen, den das Leben nicht mit Fragen, Anforderungen und Schicksalsschlägen traktiert. Er wird schwach und immer schwächer, zuletzt so schwach, daß ihm die Kraft abhanden kommt, sich noch einmal auf der Erde zu inkarnieren. Nicht umsonst werden Churchill die Worte zugesprochen: Machen wir die Deutschen fett, dann machen wir sie blöde. Am Widerstand wächst der Mensch, wird stark und immer stärker, aber der Widerstand kommt vom Bösen. Ahriman ist der Geist des Widerstandes und der Hemmnisse. An deren Überwindung entwickelt der Mensch die Kräfte, die ihn in die Zukunft hineintragen, die ihn zum Ich, zur Individualseele werden lassen. Deswegen muß sich der Mensch mit dem Urbösen auseinandersetzen. Und wenn wir uns an dem Bösen entwickeln wollen, so müssen wir zuerst einmal die Kraft haben ihm ins Gesicht zu schauen, ihm uns gegenüberzustellen. Wir Menschen, besonders wir Deutschen, haben uns davor gedrückt uns mit dem Bösen zu messen, denn dazu muß man wach sein und mutig und sich anstrengen. Bisher haben wir ein Leben geführt, in dem das Unwesentliche zum Wesentlichen aufgebauscht und aufgebläht wurde, wir sind eine Nation der Rasenmäher, der Autowäscher und Häuslebauer. Dabei wurden wir immer schwächer, blöder und fetter. Und nun wird alles das in kurzer Zeit von uns verlangt, wozu wir zu bequem waren und nun können wir es auch nicht mehr abweisen, denn sonst werden wir vernichtet. Und auch das können wir diesem Zitat entnehmen, wir sind es selbst, die das Böse zu seiner Wirksamkeit bringen. Wir müssen uns also entscheiden, es ist die Entscheidung zwischen Wurm und Engel. Der erste Schritt zum Wurm ist das Gutmenschentum, das nicht die Kraft aufbringt dem Bösen bewußt zu begegnen, welches das Menschsein aufgibt, weil es zu schwach ist das Böse zu erkennen und damit sich auch weigert an dessen Verwandlung und Erlösung mitzuarbeiten.

 Rüdiger Keuler, Februar 2016

 



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