Zur Notwendigkeit der Anthroposophischen Gesellschaft

Das Virus in der Gesellschaft

Im Herbst 2004 verschickte die Anthroposophische Gesellschaft Deutschland an ihre Mitglieder einen Bettelbrief, darin war zu lesen: „Wie es bei einer geistigen Bewegung nicht anders sein kann, finden spirituelle Versäumnisse gravierenden Ausdruck in äußeren Folgen. Die wirtschaftliche Lage der Anthroposophischen Gesellschaft ist äußerst angespannt.“ Dies wird damit in Zusammenhang gebracht, dass „statt der brennenden Gegenwartsfragen“ „…nur allzu oft die Anthroposophische Gesellschaft selbst Gegenstand der Beschäftigung für ihre Mitglieder geworden“ ist. „Satzungs- und Konstitutionsfragen haben begonnen das Leben zu lähmen, anstatt in dienender Zurückhaltung (Unterstreichung d.V.) Begegnung und spirituelle Arbeit in der Gesellschaft zu fördern.“

Es ist schon eigenartig, wenn eine Gesellschaft, die für ein freies Geistesleben sich einsetzten sollte, ihre Mitglieder zu dienender Zurückhaltung und damit auf den Verzicht des Denkens, auffordert. Das hat den Geruch der Sekte.

Hinter der „Beschäftigung mit Satzungs- und Konstitutionsfragen“ verbirgt sich die jahrelang von der Gesellschaft, vom Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft verhinderte Aufklärung der Vorgänge um den 8.Februar 1925. Damals wurde der „Verein des Goetheanum der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft“ in „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ umbenannt. Zu Weihnachten 1925/26 lud dieser Verein als „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ die Mitglieder der ursprünglichen Gesellschaft von 1923/24 zur Weihnachtstagung ein und beließ die Mitglieder in dem Glauben, weiterhin in der von Rudolf Steiner gegründeten Anthroposophischen Gesellschaft Mitglied zu sein. Bei diesem raffinierten Täuschungsmanöver ging es vordergründig um Macht- und Geldfragen, in Wirklichkeit aber um die Zerstörung des ursprünglichen, des geistigen Impulses. Alle Mitglieder, die bemerkten, dass in diesem Zusammenhang etwas im Unklaren war und ein Aufklärungsbedarf bestand, wurden aus der Gesellschaft eliminiert. Bis heute wird vorgegeben, in der Anthroposophischen Gesellschaft würde die von Rudolf Steiner hergestellte Verbindung zwischen Gesellschaft und geistiger Bewegung weiter bestehen. Das ist die furchtbarste und schwerwiegendste Lüge in der ganzen Geschichte der Menschheitsentwicklung.

Minuziös hat das damalige Geschehen Rudolf Menzer in seinem Buch „Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft 1923 und ihr Schicksal“ aufgearbeitet. Es ist zu beziehen über Rudolf Menzer, Josef Greber Str.2, D-77955 Ettenheim, Tel. 07822/789762, Fax.07822/789764 oder im Buchhandel: ISBN 3-9522720-0-0, Verlag Tidata.net SA.

Als vor ein paar Jahren sich der Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft nicht mehr in der Lage sah diese Lüge vollumfänglich aufrechtzuerhalten, wollte man flugs mit der seit 1923 nicht mehr einberufenen und deshalb im Irdischen nicht mehr existenten Gesellschaft von 1923 fusionieren, um sich weiterhin den Anstrich der Rechtmäßigkeit zu erhalten, um weiterhin die Zerstörung der Anthroposophie als irdische Erscheinung, unter dem Deckmäntelchen der esoterischen Gesellschaft, betreiben zu können.

Dem gegenüber sollen sich die Mitglieder in dienender Zurückhaltung üben, statt dass diese Tatsache endlich aufgeklärt wird und die betreffenden Personen, die bis heute darin verstrickt sind, sich endlich das Blut von den Händen waschen. Damit ist natürlich ein geistiges Bild gemeint. Aber physisches Blut, das im äußeren Weltgeschehen vergossen wurde steht tatsächlich damit in Zusammenhang ( Karl Buchleitner: „Das Schicksal der anthroposophischen Bewegung und die Katastrophe Mitteleuropas“ Novalis Verlag Schaffhausen).

 

Das Gift der Unwahrhaftigkeit

„Zugleich schauen wir auf eine vertrauensvolle und freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Vorstand in Dornach“ entnehmen wir dem Brief, der bis in die Gegenwart die Aufklärung dieser Geschehnisse verhindert. Anscheinend werden die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft vom Vorstand nicht zu Unrecht für eine Herde Schafe gehalten.

„Und wo die Gesinnung der Lügenhaftigkeit herrscht, da dehnt sich die Saat, da dehnt sich der Keim des Lügens aus, da schleicht er in die anderen Lebensverhältnisse hinein.“ GA 199 Seite 292. „Eine Unwahrheit, auch wenn sie nicht zutage tritt, wenn sie sich nicht offenbaren kann, wenn sie auch nur im Unbewußten bleibt, wirkt zerstörend auf das Leben.“ GA 303, Seite 32. Was aber noch schlimmer ist, ist die Tatsache, dass die Wahrhaftigkeit die wichtigste Voraussetzung für eine Verbindung mit dem Geistigen, für eine Offenbarung des Geistigen, darstellt. In einer Gesellschaft, in der die Lüge von den Wänden tropft, ist zwar Geist zu finden, aber nur Geist der Widersachermächte. Warum sollten wir Interesse daran haben, dass eine Gesellschaft weiterexistiert, deren Gruppenseele schon lange Ahriman ist?

Wie hoch das Defizit insgesamt ist, das der Anthroposophischen Gesellschaft Deutschlands fehlt, erfahren wir in diesem Brief nicht, aber „25 000,-€“ fehlen, so lesen wir „für die Auseinandersetzung mit Angriffen auf die Anthroposophie und die Person Rudolf Steiners.“

Diese Angriffe kommen vor allem von Innen und ihnen entgegenzutreten würde keinen Cent kosten. Sergei Prokofieff, Bodo von Plato, Paul Mackay, Virginia Sease sind Namen die genannte werden müssen, wenn von diesen inneren Angriffen gegen die Anthroposophie und gegen Rudolf Steiner die Rede ist. Das Pelagius Heft berichtete darüber in seinen bisherigen Ausgaben. Der Name Nana Göbel, eine Unterzeichnerin des Briefes, muss ebenfalls genannt werden (siehe der Artikel von Karen Swassjan in Pelagius Heft IV). Die innere Unwahrhaftigkeit hat inzwischen schon so stark das geprägt, was die Anthroposophen als Anthroposophie kennen, dass jeder mit Unrat beworfen wird, der sich für die Wahrheit einsetzt.

 

Zur Frage des Versäumnisses

In dem Brief wird auch darauf hingewiesen, Rudolf Steiner soll gesagt haben (es befindet sich kein Nachweis des Zitates in dem Brief), dass „ein geistiger Impuls seine in ihm von der Gründung her veranlagte Kraft nach drei Generationen, d.h. 100 Jahre erschöpft, wenn er sich bis dahin nicht vollständig erneuert und mit ebenso großer aktualisierter geistiger Kraft ins Leben stellt wie bei seiner Gründung wirksam gewesen ist.“ Auf diese Tatsache Bezug nehmend wird dann von „manchem Versäumnis“ gesprochen.

In der Tat müsste sich die Anthroposophie in jedem Anthroposophen, sofern er sich nicht nur als stilles Mitglied oder gar als äußere Dekoration anthroposophischer Versammlungen versteht, vollständig erneuern und mit ebenso großer Kraft ins Leben stellen wie bei ihrer Gründung wirksam war. Hören wir was Rudolf Steiner dazu sagt: „Dasjenige, was notwendig gewesen wäre, das ist, daß man abgekommen wäre davon, so etwas wie meine < Philosophie der Freiheit> mit derselben Seelenhaltung zu lesen, wie man etwa andere philosophische Darstellungen liest. Man hätte sie in der Seelenhaltung lesen müssen, durch die man aufmerksam wird darauf, daß man in eine ganz andere Art des Denkens, des Anschauens und des Wollens hineinkommt. Dann aber würde man gewußt haben: Man erhebt sich mit dieser anderen Bewußtseinshaltung von der Erde in eine andere Welt hinein, und dann entspringt aus dem Bewußtsein einer solchen Seelenhaltung eben jene innere Festigkeit, welche mit Überzeugung reden darf von demjenigen, was die Geistesforschung ergründen kann. Liest man die <Philosophie der Freiheit> in richtigem Sinne, dann redet man über das, was der Geistesforscher zu sagen hat, der eben mehr ergründen kann als dasjenige, was der Anfänger kann, mit Sicherheit, mit innerer Überzeugung. Aber ein solcher Anfänger, wie ich ihn jetzt charakterisiert habe, kann eben schon durch das richtige Lesen der <Philosophie der Freiheit> jeder werden. Dieser Anfänger kann dann von dem Ausführlicheren, das der entwickelte Geistesforscher sagen kann, so reden wie derjenige, der Chemie gelernt hat, von Forschungsresultaten redet, die er auch nicht angesehen hat, von denen er aber weiß aus dem, was er gelernt hat, aus dem, wie man über die Sachen redet und wie sie der realen Sphäre des Lebens angehören. Immer kommt es darauf an, wenn es sich um Anthroposophie handelt, daß eine gewisse Seelenhaltung eintritt, nicht bloß das Behaupten eines anderen Weltbildes, als man es im gewöhnlichen Bewußtsein hat. Das hat man eben nicht mitgemacht, die <Philosophie der Freiheit> anders zu lesen, als andere Bücher gelesen werden. Und das ist es, worauf es ankommt, und das ist es, worauf jetzt mit aller Schärfe hingewiesen werden muß, weil sonst eben einfach die Entwicklung der Anthroposophischen Gesellschaft ganz und gar zurückbleibt hinter der Entwicklung der Anthroposophie. Dann muß die Anthroposophie auf dem Umwege durch die Anthroposophische Gesellschaft von der Welt ja gänzlich mißverstanden werden, und dann kann nichts anderes herauskommen als Konflikt über Konflikt!“ Rudolf Steiner in „Anthroposophische Gemeinschaftsbildung“ GA 257, Seite 57. „…Das Wahre nimmt man eigentlich erst dann wahr, wenn es einem gelingt, die Urteile so zu erfassen, daß man sie losbekommt vom physischen Leibe, daß man den Ätherleib losbekommt vom physischen Leibe. Nun; erinnern Sie sich, wie ich immer den Standpunkt vertreten habe, den jeder Geisteswissenschafter vertreten muß: Das erste Hellsehen ist schon das wirklich reine Denken. Derjenige, der einen reinen Gedanken faßt, ist schon hellsehend.“ GA 176, Seite 116. Das reine Denken, das Denken mit dem Ätherleib ist das, was an der „Philosophie der Freiheit“ geübt werden kann. Dann ist der Wahrheitssucher zwar noch kein geistig Schauender, aber er kann die von Rudolf Steiner empfangenen geistigen Tatsachen vollständig in sich erneuern und, wandelt er diesen Weg konsequent genug, selbst irgendwann zu eigenen geistigen Wahrnehmungen gelangen.

In der Tat, die Versäumnisse der Anthroposophischen Gesellschaft sind immens groß und erst die Verantwortungen die mit diesen Versäumnissen verbunden sind. Aber das kann von den Menschen, die diesen Brief unterzeichnet haben, längst nicht mehr wahrgenommen werden, denn „Mit der Übernahme eines Amtes in der äußeren Lebensstruktur ziehen wir uns Luzifer heran.“ GA 192, Seite174. Schon gar wenn mit einem solchen Amt eine Unwahrhaftigkeit solchen welthistorischen Ausmaßes verbunden ist.

Die Aufgabe ist klar vorgezeichnet. Es werden Menschen gebraucht, die mit ihrer geistigen Trägheit und Bequemlichkeiten zu brechen imstande sind und den Mut zur Anthroposophie haben. Diese Aufgabe kann allerdings nicht innerhalb dieser Anthroposophischen Gesellschaft vollzogen werden. Ihr Tod wäre ein Segen für die Ganze Menschheit und würde den Weg für eine geistige Erneuerung der Wirklichkeit der Anthroposophie im Irdischen freimachen.

 

Rüdiger Keuler, Heilpädagoge, Herausgeber des Pelagius-Heftes, www.pelagius.de

Januar 2005



  • Wenn Sie diesen Artikel weiterempfehlen wollen, tragen Sie unten Ihren Namen und die EMailadresse des Empfängers ein. Optional können Sie der EMail auch eine Bemerkung hinzufügen.
    Ihr Name:
    EMailadresse des Empfängers:
    Bemerkung: