Wie die Fliege an der Wand

Zum aktuellen Zustand der anthroposophischen Kunst


Foto eines Plakates der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft. Draufklicken um zu vergrößern.

 

Vor einiger Zeit hat die Alanus Hochschule in Alfter bundesweit mit einer Plakataktion auf sich aufmerksam gemacht. Auf großen Plakatwänden waren verschiedene Motive mit Menschen abgebildet, die mit breiten roten Klebebändern an die Wand geklebt dargestellt wurden.

In "Trigonal", in der Ausgabe vom Mai 2004, konnte man zu dieser "provokanten Kunstaktion" folgendes lesen: "Verbindendes Element ist das rote Klebeband, das stellvertretend für die Kunst, Menschen in ungewöhnliche und durchaus unbequeme Positionen bringt..". Bevor ich die Gelegenheit hatte das Plakat aus der Nähe zu betrachten, und damit die dazugehörende Schrift zu entziffern, fiel es mir im Straßenverkehr auf, beispielhaft für menschenfeindliche Werbung und wirklichkeitsfremdes Denken. Als ich dann die Schrift "Alanus" darunter lesen konnte, war es wie ein Schock. Schock darüber, in welchem fortgeschrittenen Verfallsprozess sich diese anthroposophische Institution, und nicht nur diese, bereits befindet. Immer wieder hat man das Erlebnis, noch schlimmer kann es nicht kommen, immer wieder wird man von der Wirklichkeit korrigiert.

Der Mensch wie eine Fliege an die Wand geklebt. Das ist wahrlich ein Ausdruck der Situation, in der die Menschheit sich heute befindet. Die staatliche Pädagogik richtet das Menschliche im Kinde zugrunde, erzieht im Kindergartenalter schon, noch mehr in der Schule und an der Universität, den gedankenlos funktionierenden Beamten. Das Gesundheitsmodernisierungsgesetz (welche Phrase, wer kann denn die Gesundheit modernisieren und welchen Nutzen soll das den Menschen bringen) zwingt uns die chemischen Gifte der pharmazeutischen Industrie auf, obwohl bekannt ist, dass in Deutschland jährlich 58000 Menschen an den Nebenwirkungen der allopathischen Medikamente sterben. Die Landwirtschaft ist so zugrunde gerichtet und die Ph-Werte der Böden so hoch, dass der Mensch an den "Lebensmitteln" krank wird. Außerdem haben die Pflanzen nur noch einen Bruchteil der Inhaltsstoffe, die den Menschen ernähren sollen, immer mehr teure Nahrungsergänzungsmittel zum Nutzen der Pharmaindustrie müssen gekauft werden. Am Firmament experimentieren die US Amerikaner weltweit mit dem Wetter, um der Erwärmung der Erdatmosphäre entgegen zu wirken, damit man der Wirtschaft keine Einschränkungen auferlegen muss und somit um das Kyoto Abkommen herumkommt. Auch das mit negativen Auswirkungen für die Gesundheit der gesamten Weltbevölkerung. Von den umweltzerstörenden Auswirkungen der radioaktiven Strahlungen und des sauren Regens wird ja kaum noch berichtet. Diese Aufzählung könnte noch lange fortgesetzt werden. Der Mensch ist verloren gegangen, er hat sich der Wirtschaft (unsere "Bildungs"politiker reden von Humanressourcen, wenn sie von Erziehung sprechen), dem Mammon, der Technik, der Globalisierung, der Illusion unterzuordnen.

Genau das kommt in dieser Plakataktion zum Ausdruck, der Mensch wie eine Mücke, in zwanghafter Pose an die Wand der Menschenfeindlichkeit geklatscht.

Ist das die Aufgabe der Kunst, die Dekadenz zu verherrlichen, den Sumpf zu bewässern? Diese Plakataktion ist tatsächlich provokant, provokant unkünstlerisch und kam wohl unter "selbstlosem" Verzicht eines geistgetragenen Denkens zustande. .." aber im ganzen wird nur das ein Kunstwerk sein können, das dem Menschen wirklich etwas ist, was in der menschlichen Empfindung den Eindruck hervorruft, dass vom Kunstwerke aus sich die Seele öffnen kann für die Geheimnisse des Weltenalls." GA 229, Seite 23.

Das wären die Aufgaben einer anthroposophischen Kunst! An diesem Zitat von Rudolf Steiner wird uns deutlich klar, dass wir es bei dieser Plakataktion mit Antikunst zu tun haben. Kein Wunder, dass sich immer weniger Menschen für die Anthroposophie interessieren, die Anthroposophen immer mehr als Sekte belächelt werden, wenn auf so unglaubliche Art und Weise das Geistig-Inhaltliche verloren geht und das Formale zum Leichnam erstarrt, aber gut geschminkt, übrig bleibt. Auch in der Kunst sind die Maßstäbe verloren gegangen, wer heute eine intellektuelle Theorie dazuliefert, kann seine mit Goldbronze angesprühten Ausscheidungen als Kunst verkaufen und die Masse feiert ihn als großen Künstler, aber dazu braucht man keine Anthroposophie, das kann H.A. Schult (der Millowitsch der rheinischen Kunstszene) besser. Ein wirkliches Kunstwerk spricht durch sich selbst und wird nicht durch einen theoretischen Überbau zur Kunst. Eine Fettecke bleibt eine Fettecke und wird nicht durch die Theorie zum Kunstwerk. Diesbezüglich hat schon Josef Beuys das Kunstempfinden der Menschen verbogen , wobei die Putzfrau, die damals die Fettecke entsorgte, mehr künstlerisches Verständnis zeigte.

Allen diesen genannten Phänomenen gegenüber sollte man sich nicht des eigenen Denkens entheben lassen und fragen, welcher Geist bedient sich dieser Ausdrucksform, welchen Wirkungen setze ich mich dabei aus, wenn ich diese Kunstform auf mich wirken lasse ohne durch eigenes Denken diese geistig entstellten Ausdrucksformen zurechtrücken zu können.

Bundesweit hat Alanus durch diese Aktion dargestellt, in welchem geistleeren und traurigen Zustand sie sich befindet. Das dokumentiert sich auch darin, dass es an der Alanus-Hochschule die erste Professur für Eurythmie gibt. Die Anthroposophen hätten die Aufgabe, das Geistesleben zu befreien, den Klauen des Staates zu entreißen und damit die unabdingbare Voraussetzung für eine Entwicklung der Menschheit und der Welt aus der Dekadenz, dem Niedergang heraus zu schaffen. Statt dessen sucht man die staatliche Bevormundung, um sich an dieser "Stütze" die Kraft und die Sicherheit zu holen, die man nicht in der eigenen Geistigkeit finden kann. Auch so stellt Alanus in dieser Plakataktion die eigene Situation dar, an die staatliche, untermenschliche Wand geklebt, weil der eigene Halt verloren gegangen ist. Wie hohl muss der geistige Inhalt geworden sein, wenn man den Normen des minderwertigen geistigen Niveaus des Staates so entspricht, dass dieser bereit ist, eine Einrichtung durch seinen Eichungsstempel zu demütigen. "..dass das Menschliche des Menschen untergeht in Amt und Würde. Denn jedes Amt zieht dem Menschen eine luziferische Uniform an. Wer diese Dinge durchschauen kann in der Realität, der sieht insbesondere dann, wenn er die beamteten Lehrer, die beamteten Professoren einherwandeln sieht, die armen Menschen, die in luziferischer Kleidung stecken und die den Kampf führen müssen als Menschen gegen die luziferischen Kleider. Dieser Kampf fordert in der Gegenwart, dass der Mensch auf geistigem Gebiete entluziferisiert wird, dass er zurückgegegeben wird der ganzen Menschlichkeit. Das kann nur in einem befreiten Geistesleben sein. Rudolf Steiner in GA 192, Seite 182.

Über die Eitelkeit wird der Mensch Beute des Luzifers! Das ist auch in der Eurythmie zu erleben, die von der Alanus Schule ausgehend zur Darstellung kommt. Nur ein Mensch, dem es trotz Anthroposophie an einem Denken, das dem Bewusstseinsseelenzeitalter angemessen ist, mangelt, wird in dieser Eurythmie noch eine Ähnlichkeit mit dem erblicken, was ursprünglich von Rudolf Steiner damit ins Leben gerufen wurde. Ob die Eurythmie damit am Scheitelpunkt angekommen ist? Ob eine noch größere Profanisierung in ästhetischer Inhaltslosigkeit möglich ist? Gibt es noch irgendwo Kräfte, die eine Auferstehung zum Geistigen bewirken können? Bestimmt nicht in der Sektion der redenden und musikalischen Künste an der Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach, dort beklatscht man das Verschwinden der Anthroposophie aus ihren irdischen Ausdrucksformen mit stolzgeschwellter Brust.

Kennen Sie das Märchen "Des Kaisers neue Kleider"?

Gesponsert wurde diese Plakataktion der Alanus Hochschule von den Firmen Stroer und dm.


Rüdiger Keuler, Heilpädagoge
Pfingsten 2004


Lesen Sie hier zu dem Artikel "Wie die Fliege an der Wand", meinen Brief an die Alanus Hochschule



  • Wenn Sie diesen Artikel weiterempfehlen wollen, tragen Sie unten Ihren Namen und die EMailadresse des Empfängers ein. Optional können Sie der EMail auch eine Bemerkung hinzufügen.
    Ihr Name:
    EMailadresse des Empfängers:
    Bemerkung: