Vorsicht Witz!

Ronja Räubertochter und der Bundesgrenzschutz
Oder: was soll bloß aus den Kindern werden?

Michel aus Lönneberga ist Verkehrsminister geworden und in einem Buch über Salutogenese wurde Bezug auf die Spiele von Pippi Lang­strumpf, Huckleberry Finn und Tom Sawyer genommen. Da ist es doch schon längst an der Zeit, dass ich noch ein paar bedeutende literari­sche Persönlichkeiten hinzufüge. Um ganz an die Gegenwart anzu­knüpfen sei als erstes Momo genannt. Wie ich aus mir heraushörte, ist sie maßgeblich an der Schaffung der 1-€-Jobs und diversen Kurz­ar­beitszeitmodellen beteiligt.

Auf eine weitere bedeutende Frau möchte ich hier ein wenig genauer eingehen: Ronja Räubertochter ist, so hörte ich ebenfalls aus mir her­aus, die erste Frau, die in leitender Funktion und sehr erfolgreich den schwedischen Grenzschutz leitet. Sie nutzt dazu ihre Erfahrungen, die sie als Kind spielerisch auf der Mattisburg erlangte. Als wesentliche Erfahrung kann das Überspringen des Grabens, der die Mattisburg in zwei Teile teilte, angesehen werden. Diese Grenzerfahrung kann als horizonterweiternd im Sinne zu bewältigender, drohender Hindernisse gesehen werden.

Eine weitere wesentliche Komponente ist der erweiterte Familienbegriff, der hier im Sinne einer Wahlverwandschaft in moderner Weise verwirk­licht wurde. Dieser Zusammenhalt, den sie unter den Räubern und ihrem Vater tagtäglich erlebte und der für alle das Überleben sicherte, förderte insbesondere ihre Sozialkompetenz. Dies wurde unterstützt von der sozialen Gesinnung des Räubervaters, der nur die Reichen aus­raubte und auch diese niemals tötete.

Birk hingegen, ihr Jugendfreund und Sohn des ursprünglich gegne­rischen Räuberhauptmanns (hier fließen biographische Elemente von „Romeo und Julia“ ein), den Ronja in jungen Jahren heiratete, schlug eine andere Lebenslaufbahn ein. Während Ronja sich von der verbre­cherischen Lebensweise des Vaters lossagen konnte, gelang dies Birk nicht. Er erlag im Kampf gegen seine Vergangenheit, saß mehrfach we­gen verschiedener Delikte im Gefängnis und verstarb schließlich früh in der Drogenszene, nachdem sich Ronja von ihm scheiden ließ.

Wie kann es sein, dass diese beiden Biografien, die unter so ähnlichen Bedingungen begannen so verschieden weiter verlaufen? Man muss davon ausgehen, dass in dem bekannten Buch „ Ronja Räubertochter“ nicht alles steht, was man über die Biografie von Birk wissen müsste. Vermutlich wurde er wesentlich häufiger als bekannt aus disziplinari­schen Gründen in die Katakomben der Mattisburg gesperrt, was später den Drang förderte, sich wieder einsperren zu lassen.

Wesentlich grundlegender müssen wir uns aber Gedanken darüber ma­chen, ob wir unsere Kinder zu „ Ronjas “ oder „ Birks “ erziehen wollen und vor allem wie das geht .

Anscheinend reicht es nicht mehr aus, die Kinder nur noch zu erzie­hen. Nein, so einfach ist das nicht, zumal es sich bei Birk vermutlich um ein verkanntes Sternenkind handelte, oder noch schlimmer: um ein Kristallkind. Normale Kinder wie Ronja , die man einfach mal so erzie­hen kann gibt es ja gar nicht mehr, daran sollten wir uns mal gewöh­nen.

Was ist also zu tun? Als erstes sollten von jedem, der mit Kindern zu tun hat sämtliche Biographien (nach Möglichkeit Autobiographien) der berühmten Persönlichkeiten P. Langstrumpf, H. Finn, T. Sawyer, R. Räubertochter und ähnliche gelesen werden. Beachtet man die ver­steckten Hinweise in diesen Büchern und wendet sie für seine Kinder an, so kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Natürlich darf die Li­monade im hohlen Baum nicht fehlen, sie symbolisiert, dass auch Zer­fallsprozesse (in diesem Fall des Baumes) noch Leckeres hervorbringen können. Auch bedenken Sie bitte, dass Affen und Pferde (s. P. Lang­strumpf) sowie böse Tanten (s. T. Sawyer) nicht fehlen dürfen. Auch allein erziehende Väter, die sich meist weit weg befinden und dazu un­bekannte Mütter können u. U. von Vorteil sein. Achten Sie des Weiteren darauf, dass ihr Kind öfter mal „Unfug“ im Landläufigen sinne treibt. Um dem Gerede der Nachbarn zu entgehen, sie könnten ihre Kinder nicht erziehen, bauen sie als erstes die Garage zum Tischlerschuppen um und bringen einen von innen nicht zu öffnenden Riegel an. Hier wird ihr Spross pro forma bestraft. Achten Sie aber darauf, dass dieses Mittel nicht überstrapaziert wird und nicht das „Phänomen Birk “ ein­tritt.

Mit diesen Methoden sollten sie schon nach ca. 20 - 30 Jahren stolz auf erfolgreiche Kinder schauen können, die sicherlich wohlwollend aus ihrer Kindheit erzählen werden.

Viel Erfolg!

Frieder Mann



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