Bildungspolitik aus menschenkundlicher Inhaltsleere

Frühes Einschulen der Kinder

Als Reaktion auf die Pisastudie, bei der die Lesefähigkeit der Fünftklässler untersucht und bei der die Schüler Deutschlands im internationalen Vergleich schlecht abschnitten, sollen die Kinder jetzt früher eingeschult werden. Das konnte man dem Kölner Stadtanzeiger entnehmen. Am 10.6.2005 erschien ein Artikel unter der Überschrift „Kinder sollen ein Jahr früher zur Schule“, dort lasen wir, dass die Wahlsieger der Landtagswahl 2005, nämlich CDU und FDP, diese Korrektur der Schulpolitik vornehmen werden. Nichts kann uns das hilflose Ausprobieren und den inhaltsleeren Aktionismus unserer Politiker deutlicher vor Augen führen als diese Maßnahme. Nichts zeigt uns so klar, dass jetzt wieder bedeutende Politiker an die Macht kommen (die vorigen waren nicht besser und die folgenden werden noch schlechter sein, egal welche Partei die Wahl gewinnt), die vor allem bedeutend in ihrer Unfähigkeit sind. In den siebziger Jahren gab es in NRW bereits, vom Land in Auftrag gegeben, eine große Untersuchung zum früheren Einschulen. Dabei wurde festgestellt, je später die Kinder eingeschult werden, umso besser sind ihre schulischen Leistungen über die ganze Schulzeit betrachtet, umso geringer ist die Gefahr des Sitzenbleibens. Daraufhin wurden die damaligen Pläne, die Kinder früher einzuschulen, fallengelassen. Anscheinend verfügen unsere Machthaber nur über ein Kurzzeitgedächtnis. Weil sie unfähig sind an den tatsächlichen Ursachen für das Schwinden der Bildungsresultate etwas zu ändern, ja man kennt diese Ursachen nicht einmal, greift man zu solchen nicht nur kurzsichtigen, sondern blinden Maßnahmen. Mit dem Erfolg, die kommende Generation noch mehr ins Abseits zu stellen als die jetzige. Schon jetzt kann aus der geisteswissenschaftlichen Menschenkunde heraus gesagt werden, zu welchen „Erfolgen“ diese Wühltischaktion führen wird. 1. Der Gesundheit der Kinder, bleibend bis ins Greisenalter hinein, wird noch mehr Schaden zugefügt. 2. Die Reifedefizite der einzelnen Personen in der Bevölkerung werden zunehmen. 3. Die Freude am Lernen bei den Kindern wird noch weniger, dadurch steigt die Zahl der Schulverweigerer und Schulabgänger ohne Schulabschluss, schon jetzt ist es jeder elfte. 4. Die schulischen Leistungen der Schüler und damit die allgemeine Bildung des Volkes wird noch mehr abnehmen. 5. Der soziale Sprengsatz (z.B. Kriminalität und Drogensucht) wird anschwellen. Im weiteren Verlauf dieses Artikels werde ich versuchen, diese Zukunftsprognose aus dem menschenkundlichen Zusammenhang heraus zu begründen.



Die Bedeutung der Nachahmung im ersten Jahrsiebt

Nach den pädagogisch-politisch geschaffenen Gesellschaftsstrukturen betrachtet, scheint die Kindergartenzeit, die frühe Kindheit bis zur Einschulung, unbedeutend zu sein. Das kann man daraus entnehmen, dass die Schulzeit jetzt vorverlegt wird auf Kosten dieser frühen Kindheit, dieser ersten sieben Jahre, die zwanglose Kindheit per Staatsverordnung beendet wird. Auch daran kann man erkennen, dass es keinen ernsthaften pädagogischen Entwurf für dieses Alter gibt, dass der Staat durch sein Kindergartenkonzept, 25 Kinder in einer Gruppe, eine reine Verwahranstalt mit enormem Lärmpegel aus dem Kindergarten gemacht hat. - Auf diese Weise hat er das Geld, das es ihn gekostet hat, jedem Kind einen Kindergartenplatz zu garantieren, beim Kind selbst wieder eingespart. Auf diese Weise werden die Bürger vom Staat hereingelegt. Wer dient hier eigentlich wem, der Staat den Bürgern oder die Bürger dem Staat? – Die angenommene relative Bedeutungslosigkeit der Kindergartenzeit kann man auch an den Gehältern ablesen. Was verdient ein Hochschulprofessor im Vergleich zu einer Kindergärtnerin, geschweige denn was eine Mutter für ihre Mühen verdient? Dabei kann der Professor nur erfolgreich unterrichten, wenn in der frühen Kindheit der richtige Grundstock gelegt worden ist. Dass die Ausbildung zur Kindergärtnerin vergleichsweise simpler ist, zeigt schon die entwicklungspsychologische Unbedarftheit dem ersten Jahrsiebt gegenüber, das menschenkundliche Wissen der Erzieherin und der Mutter müsste ein ungeheuer großes sein. Dass dieses nicht vorhanden ist schmälert ja immer mehr die Ergebnisse der Bemühungen der Lehrer und Hochschulprofessoren, denn die Schüler und Studenten bringen immer schlechtere Voraussetzungen mit. Aber ist dieses gesellschaftliche Hintergrunddenken auch gerechtfertigt? Was geschieht in diesem Lebensalter in der Entwicklung und was braucht das Kind? Mit der Geburt verlässt der physische Leib des Kindes die physische Mutterhülle, die bis dahin der Schutz und Hort des physischen Leibes war. Die physische Umwelt konnte bis zu der Geburt nicht unmittelbar auf die Physis des Kindes einwirken, sondern nur auf dem Umwege über die Mutter. Von der Geburt an wirkt die Umwelt direkt auf das Kind ein. Durch die Atmung, die Ernährung, den Sinnesorganismus, steht das Kind von nun an in einer unmittelbaren Beziehung zur äußeren Welt. Die Aufgabe des Kindes im ersten Jahrsiebt besteht in der Ausgestaltung dieses physischen Leibes und diese Ausgestaltung vollzieht sich durch die Nachahmung, die Nachahmung dessen, was das Kind in seiner Umgebung vorfindet. Nie wieder vollzieht der Mensch eine größere und gewaltigere Aufgabe, wie diese Arbeit am physischen Leib in den ersten sieben Jahren und nie wieder kann dieses Geschehen leichter gestört, negativ beeinflusst werden, deshalb ist die Kenntnis des inneren Geschehens, das sich da vollzieht, für den Erziehenden eine ungemein wichtige Voraussetzung. Für die weitere Entwicklung des Kindes ist entscheidend die Qualität, aber auch die Quantität der Dinge und Geschehnisse, die das Kind nachahmen kann. Alles was das Kind in seiner Umgebung vorfindet wird nachgeahmt, die Farben, Formen, Gerüche, die Geschmackseindrücke, Geräusche, Töne, das was getastet werden kann, kurz das ganze Spektrum dessen, was durch den Sinnesorganismus wahrgenommen werden kann. Auch die Handlungen der Menschen werden nachgeahmt, dabei sind besonders wichtig die Erwachsenen der unmittelbaren Umgebung, also die Eltern und die Erzieher. Diese Handlungen werden aber nicht nur oberflächlich nachgeahmt, sondern bis in den Bereich der Gefühle, der Gedanken, der Moralität hinein. Rudolf Steiner hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns in Gegenwart der kleinen Kinder keine bösen oder schlechten Gedanken und Gefühle erlauben sollten. Das ist natürlich ein hoher Anspruch, dem wir niemals ganz gerecht werden können, aber wir können daran arbeiten und uns damit in unserer eigenen Entwicklung weiterbringen. Durch die Nachahmung arbeitet das Kind gestaltend, plastizierend, an seinem eigenen Organismus und dieser physische Leib wird im späteren Leben das Instrument der Seele, wirkt also wieder auf das künftige Seelenleben zurück. Wir veranlagen so das spätere Seelenleben des Menschen. Ein Kind, das törichte, alberne Handlungen in seiner Umgebung vorfindet und nachahmt, wird sich dementsprechend seine Körperlichkeit ausbilden und damit im weiteren Leben selbst zu albernem und törichtem Verhalten veranlagt sein. Das gilt natürlich auch für cholerische, für liebevolle, für melancholische, für freudige und lebensernste etc. Handlungen.


Bildung des physischen Leibes als Ich-Organisation

Aus dem Vererbungsstrom heraus bekommt das Kind durch seine Eltern einen Modelleib. Diesen Erbstrom hat sich das Kind zwar selbst im Leben zwischen Tod und neuer Geburt ausgesucht, an diesem Erbstrom wirkt es seit vielen Generationen mit, trotzdem ist dieser Leib bei der Geburt noch nicht individualisiert. Diese Individualisierung ist nun die Aufgabe des Kindes im ersten Jahrsiebt. Man kann zur besseren Erklärung dessen was da geschieht das Haus als Bild gebrauchen. Der Leib ist ja tatsächlich das Haus, das durch die Seele bewohnt wird. Gelingt es nun dem Kinde, diesen Modelleib dem eigenen Ich gemäß zu gestalten, so lässt sich dies damit vergleichen: Ein Mensch erwirbt ein Haus, dann beginnt er damit dieses Haus umzubauen. Er baut vielleicht einen Anbau daran, Wände werden eingefügt oder herausgenommen, Fenster vergrößert, die sanitären Anlagen erneuert, die Küche modernisiert, es wird neu tapeziert oder gestrichen und die Möbel werden sowieso gegen eigene ausgetauscht. Unter Umständen vergehen Jahre bis der Besitzer zufrieden ist und sagen kann, jetzt fühle ich mich wohl, jetzt ist es mein Zuhause. Gelingt dieser Prozess der Verwandlung des Modelleibes in den Ich-Organismus durch die Nachahmung nicht, so ist es so, als müsste der Mensch ein Leben lang in einem Haus wohnen, das bis auf die Möbel, die Bilder und die Tapeten von anderen Menschen gestaltet worden ist. Er wird sich niemals richtig wohl und zuhause fühlen. Alle möglichen Stufen zwischen diesen beiden Zuständen sind natürlich möglich. Gelingt diese Ausgestaltung des Leibes zu einem persönlichen nicht, so findet die Individualität nicht, oder nur ungenügend an seinen Schicksalsimpuls heran, denn zu diesem Hinfinden wird der physische Leib ausgestaltet. Auf die Hemmnisse bei diesem Individualisierungsprozess werde ich später noch zurückkommen.

Der vorgeburtliche Anteil des Ich

Nun ahmt aber jedes Kind auf eine ihm eigene Art nach, es trifft eine Art Auswahl dessen was es nachahmen will und was nicht. Sonst wäre es ja so, wenn Herr und Frau Müller drei Kinder haben, dann wären alle drei ein getreues Abbild ihrer Eltern. Das ist aber nicht der Fall, jedes der Kinder entwickelt sich innerhalb gewisser Grenzen auf individuelle Art. Das hängt damit zusammen, dass diese Auswahl getroffen wird nach Maßgabe dessen, was das Kind aus dem Vorgeburtlichen mitbringt als Frucht der vorigen Leben, als dasjenige, was der Mensch als Entwicklungsstand, als Entwicklungsreife in seinen vorigen Leben erreicht hat. An dem arbeitet der Mensch in diesem Leben weiter, dem gemäß bildet er als Kind seinen Leib aus, damit er diesem persönlichen Entwicklungsstand und seinem weiteren Schicksalsweg dienen kann. Wir haben es also mit einem Dreifachen zu tun, mit dem aus dem Vererbungsstrom stammenden Modelleib, der in einen Ich-Leib verwandelt werden muss, mit dem was das Kind als Vorbild vorfindet und nachahmen kann, wobei die Qualität dessen entscheidend ist was das Kind nachahmen kann und mit der Individualität des Kindes, das den Vorgang der Nachahmung vollzieht auf Grund dessen, was es aus dem Vorgeburtlichen, aus der geistigen Welt mitbringt. Die Tatsache, dass das Kind eine gewisse Art hat wie es an die Nachahmung herangeht, entbindet uns nicht der großen Verantwortung, die mit der Erziehung verbunden ist. Man könnte ja sagen, das Kind sucht sich doch selbst heraus was es nachahmt, da muss es sich halt das Richtige heraussuchen. So ist das aber nicht, mit der Erziehung ist eine hohe Verantwortlichkeit verbunden. Weder auf das, was aus dem Vererbungsstrom heraus das Kind erhält, noch auf das, was es als Schicksal mitbringt haben wir im Nachhinein einen Einfluss, aber auf das, was das Kind nachahmen kann und damit ist die Möglichkeit gegeben, auch in den Bereich der beiden anderen, Vererbung und Schicksal, entweder harmonisierend und gesundend oder aber chaotisierend und krank machend hineinzuwirken. Es ist eine naturwissenschaftliche Fabel die behauptet, der Mensch und seine Entwicklung wären genetisch festgelegt, nicht veränderbar. Sie sind veränderbar, im ersten Jahrsiebt durch das Bemühen, die Qualität dessen, was vom Kind nachgeahmt werden kann, immer weiter zu verbessern. Dadurch gestalten wir an dem Fundament der weiteren Entwicklung des Kindes und von dieser Basis hängt sehr viel für den darauf aufbauenden folgenden Lebensweg ab. Je nach der Beschaffenheit dieses Fundamentes ist es dem erwachsenen Menschen dann möglich, durch Selbsterziehung seine Entwicklung aus eigener Kraft in die Hand zu nehmen und daran zu formen oder eben nicht.



Die Bedeutung der leblosen Umgebung für die Nachahmung

Nicht nur das, was durch andere Menschen, besonders wichtig sind da die Eltern und Erzieher, geschieht, hat für die Nachahmung des Kindes Bedeutung, sondern auch das, was als leblose Welt in der Umgebung des Kindes vorhanden ist. Die Gestaltung des Zimmers, der Kleidung, des Spielzeuges, das Maß der Sinneseindrücke, die wir dem Kind zumuten. In dieser Beziehung muss man sagen, dass heute fast alle Kinder an einer Reizüberflutung leiden. Für das Kind zu viele Reize und zu früh, gilt als oberste Erziehungsmaxime für fast alle Menschen und durch alle Bevölkerungsschichten und das ist so, weil das Wissen vom Wesen des Kindes und seinem Werden nicht vorhanden ist und die Tradition, der vererbte Erziehungsinstinkt, vollständig verloren gegangen ist. Durch Farben die grell oder leblos sind, die geschmacklos zusammengestellt werden, wird das ästhetische Empfinden der Kinder verdorben. An Beispielen soll die Wirkung der Sinneseindrücke verdeutlicht werden. Wenn Sie die Umgebung ihres Kindes mit Comics gestalten, es gibt sie ja inzwischen in allen erdenklichen Formen, als Zeichentrickfilm, als Hefte und Malbücher, auf Socken und T-Shirts, als Tapete, Möbel und Figuren, ja auf Zahnbürsten und Wundpflaster, dann muss es Sie nicht verwundern, wenn Sie das alberne, unästhetische dieser Figuren später im Wesen des Kindes oder des Erwachsenen als lächerliches Verhalten und geschmacklosen Lebensstil wiederfinden. Bei allen diesen Dingen gilt dieselbe Gesetzmäßigkeit, wie zum Beispiel beim Feuer, ob ich weiß dass es heiß ist oder nicht, ich verbrenne mir auf jeden Fall die Finger, wenn ich in die Flamme fasse, das gilt in diesem Fall leider für die Kinder. Als ein anderes Beispiel kann uns das "Spielzeug" der Lego Bausteine dienen. Bekommt das Kind solche zum Spielen, so werden diese toten, mechanischen, technisch-abstrakten Formen vom Kinde auch nachgeahmt. Bis in die Struktur des Gehirns hinein kommt es zu einem Plastizieren des Physischen auf Grund dieser Formen. Der Mensch wird dann im späteren Leben, da das Physische das Instrument des Seelischen ist, zu einem technisch-mechanischen, zu einem abstrakten und toten Denken veranlagt sein. Er wird dann sein ganzes Leben lang Probleme mit einem kreativ-lebendigen Denken haben, wenn es ihm nicht sogar völlig unmöglich ist so zu denken. Das ist ja die Ursache für viele Probleme, die die Menschheit heute hat, dass sie mit diesem toten und abstrakten Denken auch in Bereichen tätig sein muss, in Ermangelung eines anderen Denkens, in das dieses überhaupt nicht hineingehört und nur zerstörerisch wirken kann z. B. in der Medizin (viele Denkmodelle der Medizin sind der Technik entnommen z.B. der Vergleich des Herzens mit der Pumpe), in der Pädagogik, in der Psychologie, in der Politik, im sozialen Miteinander, überall da wo wir es mit Leben, Seele und Geist zu tun haben. Auf dieses Beispiel werde ich noch im Zusammenhang mit der Phantasie zurückkommen. Vom Aspekt der Nachahmung aus kann man ja auch einen Blick auf das Fernsehen werfen. Was gibt es denn nachzuahmen beim Fernsehen? Bei einem Kinofilm gibt es keine Bewegung, es entsteht nur die Illusion der Bewegung, in Wahrheit findet diese nicht statt. Beim Film erscheinen immer nur einzelne, starre Bilder, Dias und nur durch die zeitliche Abfolge der Bilder wird das Auge überlistet, so dass es meint eine Dynamik wahrzunehmen. Beim Fernsehen gibt es nicht einmal ein Bild, es gibt immer nur einen leuchtenden Punkt. Der Fernseher hat 625 Zeilen, in jeder Zeile gibt es 800 Punkte. Der Kathodenstrahl des Fernsehers tastet in einer 1/25 Sekunde alle diese Punkte ab. Es kommt immer nur ein Punkt zum Leuchten, aber das in einer Geschwindigkeit, die das Auge nicht verfolgen kann, so entsteht die Illusion des Bildes. 12,5 Millionen Punkte in einer Sekunde beim Schwarzweiß-Fernseher, 37,5 Millionen Punkte beim Farb-Fernseher leuchten vor dem Auge des Betrachters auf. Dieser rasende Wirbel leuchtender Punkte wird vom Kinde im Unterbewusstsein wahrgenommen und geht in die Nachahmung ein, wird zur physiologischen Bildung des Menschen benutzt. Kein Wunder, dass unsere Kinder immer unruhiger und aggressiver werden, so reagieren sie auf die Überforderung der Sinne. Nehmen Sie sich einmal die Zeit und setzen Sie sich mit der Stoppuhr vor den Fernseher und stoppen Sie die Zeitdauer, die eine Bildsequenz auf dem Bildschirm zu sehen ist, das ist selten noch 10 Sekunden oder darüber. Es ist ebenfalls nicht verwunderlich, dass die Konzentrationsfähigkeit der Kinder immer geringer wird, da man ihnen in so schneller Folge, besonders schnell bei Zeichentrickfilmen, Bilder zur Betrachtung anbietet.



Das Kind lernt über die Nachahmung nicht über die Belehrung

Das große Erziehungsprinzip der ersten sieben Jahre ist die Nachahmung und das Vorbild. Nichts was das Kind nicht nachahmen darf, sollte in Gegenwart des Kindes getan werden und der Erwachsene muss sich Gedanken darüber machen, wie er durch das Vorbild auf das Kind wirkt. Durch Beispiele möchte ich auch dies bildhaft und damit deutlicher darstellen. Auf dem Weg zu meiner Arbeit beobachte ich einen Vater, der einen Kinderwagen vor sich herschiebend durch die Straße geht. Dabei hat er wohl entdeckt, wie groß die Unordnung in dem Netz am Kinderwagen ist, nun beginnt er aufzuräumen. Was er an Papiertaschentücher und Verpackungen von Süßigkeiten findet fliegt über die Schulter in die Gegend. Was hat er seinem Kind vorgemacht? Einen großen Egoismus, er wollte Ordnung haben, aber für seinen Müll sind andere zuständig. Wie groß der Egoismus in Deutschland inzwischen ist, kann man an jeder Autobahnausfahrt sehen, wo die Menschen ihren Abfall zunehmend durchs Autofenster entsorgen. Vor zehn Jahren hatte NRW bereits 100 Millionen DM im Jahr für die Entsorgung des Mülls entlang der Autobahnen ausgegeben. Wenn das Kind seinen Egoismus, es muss ja nicht in derselben Art sein, dem Vater gegenüber auslebt, wird er unter Umständen das Kind für das bestrafen, was es von ihm gelernt hat. Ein anderes Beispiel: Ich stehe an einer roten Fußgängerampel. Es naht sich derselben Ampel eine Mutter die ihr ca. 5 Jahre altes Mädchen an der Hand hinter sich herzerrt. Das Kind weint und möchte sich losreißen, die Mutter schreit das Kind an, zwischendurch gibt’s ein paar hinten drauf. Ich entnehme dem aufgebrachten Wortschwall, dass das Kind gegen eine Regel verstoßen hat. Nun kommt die Mutter an die Ampel die immer noch Rot zeigt und schleift das Kind hinter sich her über die Ampel, ein Auto naht, muss scharf abbremsen, um Kind und Mutter nicht zu überfahren. Die Mutter hat vom Kind verlangt sich an Regeln zu halten, vorgemacht hat sie ihm aber, dass man sich nicht an Regeln halten muss. Das Kind lernt nicht durch Belehrungen oder Ermahnungen, sondern durch das Vorbild. So hat die Mutter alles dafür getan, dass es auch weiterhin zu solch üblen Zusammenstössen mit ihrem Kind kommen muss. Ein drittes Beispiel. Bei einer Monatsfeier an der Waldorfschule soll endlich Ruhe einkehren, damit die Veranstaltung beginnen kann. Der Lehrer ermahnt seine erste Klasse (auch in diesem Alter spielt die Nachahmung noch eine Rolle) ruhig zu sein. Zwischen den Ermahnungen unterhält er sich aber mit dem Kollegen der im Gang neben ihm steht. Auch da gilt, das Kind lernt vom Vorbild und nicht über die Ermahnungen. Es macht einfach keinen Sinn mit dem Kognakschwenker in der Hand und der Zigarre im Mund das Kind davor zu warnen, später bloß die Finger von den Drogen zu lassen. Das Vorbild macht durch sein Verhalten die Droge erst richtig interessant. In Parenthese: Das durchschnittliche Einstiegsalter für Nikotin liegt in der Großstadt Hamburg inzwischen bei 8 Jahren.



Hemmnisse der Nachahmung

Es ist in der Gegenwart zu beobachten, dass die Fähigkeit der Nachahmung stetig im Abnehmen ist. Das hat für die kindliche Entwicklung tiefgreifend negative Folgen. Auf dieses Abnehmen hat uns schon Rudolf Steiner hingewiesen. 1919 sprach er davon (in „Die Erziehungsfrage als soziale Frage“, GA 296, erster Vortrag), dass in der Zukunft die Kinder immer weniger nachahmen werden. Mit seinen Darstellungen in diesem Zyklus ist der Forschungsauftrag verbunden, warum das so ist, damit man an der Behebung dieses Entwicklungshemmnisses arbeiten kann. Daran wird innerhalb der Waldorfpädagogik viel zu wenig geforscht, obwohl das dadurch erlangte Wissen fundamental für die Pädagogik wäre. Wenn wir uns darüber Gedanken machen, werden wir auf verschiedene Ursachen verwiesen. Da ist der Fernseher als eine der Ursachen auszumachen. Durch das Fernsehen wird die Bewegungsfähigkeit des Auges abgelähmt. Diese Lähmung überträgt sich auf den gesamten Bewegungsorganismus als Passivität. Die beschriebene Fähigkeit des Ausplastizierens des physischen Leibes ist mit feinen Bewegungen verbunden, die vom Ätherischen* (dem Lebenskräfteorganismus) ausgehen. Diese Bewegungsfähigkeit, überhaupt der Lebenskräftezusammenhang des Auges und damit der ganze Ätherleib, wird dadurch geschädigt. Deshalb sagen wir zum Fernsehen „Glotze“, wegen der von ihm erzeugten Starre der Augenorganisation, die sich, wie gesagt, auf den ganzen Organismus überträgt. Um in positiver Art vom Erwachsenen über die Nachahmung lernen zu können, braucht das Kind diesen als Vorbild. Durch die zunehmend intellektuelle Erziehung, das Kind erlebt die fundamentale Lebensunsicherheit die hinter den vielen Worten des Erwachsenen steht unbewusst mit, durch das zu frühe Appellieren an das eigene Urteil des Kindes (welche Hose möchtest du denn heute anziehen?), wird das Kind aufgefordert, sich auf eine Stufe mit dem Erwachsenen zu stellen. Damit geht die für eine positive Nachahmung (negative Dinge können auch ohne dieses Verhältnis nachgeahmt werden) wichtige Voraussetzung des „Aufschauenkönnens“ vom Kind zum Erwachsenen verloren. Das zeigt sich schon daran, dass viele Kinder, auch in Waldorfkindergärten, die Erwachsenen, die sie zur Nachahmung brauchen, mit Vornamen ansprechen. Das ist ein Verstoß gegen ein elementares Bedürfnis des Kindes. Wenn das Kind seinen Vater Horst nennt entsteht eine Kumpelebene, die wichtige Voraussetzung für die Nachahmung ist nicht mehr vorhanden. Wichtig für das Kind ist auch, dass wir ihm die Möglichkeit der Nachahmung geben. Hierbei spielt die Bewegung, die Tätigkeit eine große Rolle. Welche Bewegungen können die Kinder denn heute noch nachahmen? Fast alles an Arbeit erledigt die Maschine, nicht einmal der Mülleimer wird noch von Menschen zum Wagen gebracht, das macht inzwischen ein Greifarm. Fast nur noch der Knopfdruck an der Maschine bleibt zum Nachahmen übrig. Und die Tätigkeit der Maschine selbst, sollte das ein gesundes Vorbild für die Nachahmung sein? Außerdem ahmen unsere Sprösslinge ja auch unsere Gefühle nach. Meistens wird die Arbeit nur noch als Last empfunden, die nur notwendig ist und der man sich möglichst schnell und bequem entledigen will. Für die Nachahmung hat die Freude und die Liebe zur Tätigkeit eine nicht unwichtige Bedeutung, die Freude und die Liebe an der Tätigkeit fordert das Kind zur Nachahmung auf, fördert diese, die Unlust wird auch nachgeahmt und macht das Kind selbst passiv, zu passiv und lustlos zur Nachahmung. Wichtig für die Nachahmung ist, dass das Kind in Liebe und Vertrauen zu dem Aufschauen kann, der sein Leben in Sicherheit lenkt und führt und sich nicht in endlose Diskussionen mit ihm einlassen muss, das ist erst später dran, mit der Pubertät. Wir sollten uns immer wieder vor Augen halten, dass wir, wenn wir das Kind beobachten, in einen Spiegel schauen, in dem wir unsere eigenen Fähigkeiten und Unfähigkeiten, unsere Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, Fehler und Mängel sehen müssen. Das sind nur einige Aspekte zum verschwinden der Nachahmungsfähigkeit, wahrscheinlich spielt auch das Impfen eine bedeutende Rolle, aber davon ein anderes Mal nach weiteren Forschungen.



Das Kind braucht Welterfahrung nicht Welterklärung

Was das Kind braucht ist die Erfahrung an der Welt und nicht intellektuelle Erklärungen der Welt, also alles andere als Vorschulerziehung und die heutige verkopfte Schulerziehung. Das Kind muss die Welt erfahren im Matsch, im Sand, in der Erde. Es braucht Steine, Bretter, Hölzer, Zweige, Tannenzapfen, Muscheln, dazu braucht es Werkzeug und Geräte, Hammer und Säge, Spaten und Schaufel, nicht die wirklichkeitsfremden und verlogenen Plagiate von „Toys a Us“, an denen es sich betätigen kann und an denen es im Spiel die Nachahmung ausleben, anwenden, erproben kann. Im Spiel lernt das Kind das Lernen, entwickelt es die Fähigkeiten, die Grundlagen auf denen das schulische Lernen erst entstehen kann Die Erklärungen wirken auf das Ätherische, auf den Lebenskräftezusammenhang, dieser aber wird erst frei, erst geboren mit der Schulreife, die sich tatsächlich organisch vollzogen haben muss und nicht willkürlich vorverlegt werden kann. Die heutige frühere „Reife“ des Gehirns der Kinder ist ein Ergebnis unserer entwicklungszerstörenden intellektuellen Erziehung und unserer Unfähigkeit, den Materialismus und seine illusorische Vorstellung, Seele = Gehirn, endlich zu überwinden. Das Kind muss klettern dürfen, bauen, klopfen, sägen und hämmern, selbst auf die Gefahr hin, dass es sich verletzen kann. Auch das ist eine Erfahrung, die fürs Leben notwendig ist. Unsere heutigen Spielplätze sind versicherungsgerecht, aber nicht kindgerecht. Was dabei herauskommt sind bewegungseingeschränkte, erfahrungsarme Menschen mit verminderten Reflexen, aber mit einem Wasserkopf an wirklichkeitsfremder, unpraktischer und unmoralischer Intellektualität. In Amerika werden inzwischen bei Hausstauballergien abgetötete Wurmeier injiziert, um das Immunsystem zu aktivieren. Dieses Beispiel zeigt uns am Anschaulichsten, wie weit sich der Mensch inzwischen von dem Natürlichen entfernt hat und wie wirklichkeitsfremd unsere Erziehung inzwischen geworden ist. Dieselben Wurmeier hat das Kind früher, ohne dass es deswegen zu einem Befall kommen musste, auf der Straße, im Sandkasten oder auf dem Acker aufgelesen. Auch das gehört zur Erfahrung der Welt, die Berührung mit der Erde, mit Schmutz und Dreck. Lassen wir das Kind die Welt erfahren, ohne dass wir diese Erlebnisse kommentieren und verintellektualisieren. Die Entwicklung unserer Kinder wird dann wesentlich einfacher und gesünder verlaufen. Sie werden es uns danken.



Die Rolle der Phantasie

Noch einmal zurück zu dem Beispiel mit den Lego Bausteinen. Diese toten, abstrakten Formen wirken durch die Nachahmung so, dass das Gehirn eine solche Struktur bekommt, dass es im späteren Leben auch nur zu einem solchen abstrakten Denken zu gebrauchen ist, wie ich bereits weiter oben ausführte. Durch die Nichtbeanspruchung der Phantasie des Kindes werden außerdem ablähmende Kräfte in diese Gehirnstruktur hineingetragen. Auch dann, wenn wir dem Kind fertig ausgestaltetes und geformtes Spielzeug geben, bei der der Phantasie nichts mehr zu tun bleibt wie z. B. bei Barbie Puppen oder Playmobil Figuren, findet dieser Prozess statt. Immer dann, wenn das Kind Spielzeug bekommt, das es durch seine Phantasie zur vollständigen Gestalt sich vorstellen muss, regen wir die Phantasiekräfte an und mit der Phantasie die Lebenskräfte*, die wir dadurch stärken und das Kind in den Modellierungsvorgang des physischen Leibes hineintragen lassen. Deswegen werden im Waldorfkindergarten hauptsächlich Naturmaterialien wie Steine, Hölzer, Rinden, Kerne, Zapfen, Muscheln etc. verwendet. Dadurch wird die Phantasie angeregt und in die Lebenskräftestruktur gesundend hineingewirkt. Das hat seine Auswirkungen bis ins hohe Alter. Durch die toten, abstrakten, fertigen Formen wird in ablähmender, verdorrender Art gewirkt und dadurch eine Veranlagung zur späteren Demenz, Alzheimer, Parkinson usw. gelegt. Auch als Drogenprophylaxe hat das phantasieanregende unfertige Spielzeug eine enorme Bedeutung. Die Kinder, die ihre Phantasie, ihre Kreativität an dem natürlichen Spielzeug entwickelt haben, werden im späteren Leben über genügend Kreativität verfügen, um aus den Elementen ihres Lebens etwas zu machen das sie befriedigt. Sie haben in der frühen Kindheit gelernt aktiv und kreativ zu gestalten und dadurch Befriedigung zu erlangen. Sie brauchen keine Drogen, um dem Leben Zufriedenheit, Spannung und Freude zu geben. Die innere und äußere Passivität verlangt nach der Lust, der Erfüllung, die auf bequeme Art von außen gereicht wird und dadurch wird der Heranwachsende anfällig für Drogen. Hier haben die Märchen einen wichtigen Stellenwert, die auch auf die Phantasie und damit die Lebenskräfte anregend und bereichernd wirken. Mit Phantasie ist keine ausgedachte Phantastik, Harry Potter, Herr der Ringe und ähnlich Ungesundes gemeint. Im Bereich der Phantasie wird heutzutage im Kindergartenalter schwer gesündigt, da erlebt man Schematismus und Intellektualität oder bestenfalls Phantastik a la Janosch, nicht kindlich sondern kindisch.



Die Bedeutung der Lebenskräfte im Zusammenhang mit der Nachahmung

Wenn wir uns nun fragen, was bewirkt nun dieses Ausplastizieren, dieses Modellieren des physischen Leibes, dann werden wir auf die Lebenskräftestruktur des Kindes verwiesen. Diese ist noch nicht geboren, sie steht noch nicht mit der Außenwelt im Austausch. Sie arbeitet im Physischen an dessen Ausgestaltung. Dabei ist sie eingebettet, und wird bei dieser Aufgabe unterstützt, in die vererbten Lebenskräfte vom Vater und hauptsächlich in die der Mutter. Das kann man sich ähnlich vorstellen wie die Einbettung des physischen Leibes während der Schwangerschaft in die physische Mutterhülle, von der er ernährt und geschützt wird, nur ist es diesmal ein geistiger Zusammenhang in den die Einbettung stattfindet. Dabei reifen diese Lebenskräfte des Kindes aus. Erst mit der Schulreife werden diese frei, dies wurde schon weiter oben dargestellt, besser gesagt, der Teil der Lebenskräfte, der an dieser Ausgestaltung des Leibes gearbeitet hat wird nun frei und ist jetzt für schulisches Lernen offen. Dann beginnt auch erst die Zeit, ab der das Kind für Ermahnungen, Belehrungen und Erklärungen im eigentlichen Sinne zugänglich ist. Bis dahin muss sich der Intellekt und das Gedächtnis von alleine entwickeln und dafür schaffen wir die besten Bedingungen, wenn wir das Kind die Welt in der richtigen Art und Weise erfahren lassen, ihm z. B. die Bedingungen schaffen, an der es seine Motorik entwickeln kann. Wir sagen nicht umsonst, das habe ich begriffen, das habe ich verstanden, daran sehen wir den Zusammenhang des Intellektes mit der Motorik.



Der schädigende Einfluss des frühen Einschulens und der Vorschulerziehung

Das Kind ist also, da die Lebenskräftestruktur* noch nicht frei, nicht selbständig geworden ist für Belehrungen und intellektuelle Erklärungen nicht zugänglich, sie prallen an ihm ab, erst im zweiten Jahrsiebt ist das Kind dafür offen. (Wohl aber ist das Kind für bildhaftes Lernen zugänglich. Die großartigen Bilder der Märchen hinter deren Symbole sich tiefe Geheimnisse der menschlichen Entwicklung verbergen, wirken, bis in das Unterbewusstsein des Kindes, erzieherisch.) Erfolgen diese intellektuellen Erklärungen jedoch immer wieder, so kommt es zu einer verfrühten Geburt, zu einer Frühgeburt der Lebenskräfte. Die Gehirnphysiologen stellen dann eine vorzeitige Verhärtung des Gehirns fest, interpretieren diese aus ihrem beschränkten, materialistischen Weltbild heraus als frühere Reife und verstärken dadurch den Trend zum Krankmachen der Kinder durch eine voreilige intellektuelle Erziehung. Selbst der Zahnwechsel, früher ein sicheres Zeichen für eine Schulreife, erfolgt heute, genauso wie die Menstruation der Mädchen, immer früher, das bedeutet aber nicht, dass wir die schulische Erziehung dann vorverlegen sollen, sondern wir können daran sehen, was wir durch unsere einseitig verstandesmäßige Erziehung beim Kind bereits zerstört haben und müssten uns Gedanken darüber machen, wie wir auf diese Zerrüttung wieder heilend einwirken können. Was sagt uns eine Physiologie, die von der Geisteswissenschaft befruchtet worden ist über diese verfrühte Geburt und was bedeutet sie für die Entwicklung des Kindes? Sie sagt uns, dass die Aufgabe des ersten Jahrsiebts, die Ausplastizierung des physischen Leibes durch die Lebenskräftestruktur nicht zu Ende geführt werden konnte. Der physische Leib ist das Fundament der folgenden Entwicklung, der weiteren Biographie. Dieses Fundament ist damit in einem bleibend unfertigen Zustand, also marode und Sie können einen ganzen Palast auf einem solchen erbauen, wenn das Fundament schadhaft ist, ist es der ganze Palast. Alle weiteren Entwicklungsstufen bauen aber auf diese Basis auf. Das ist das eine, die andere Seite ist die: Die jetzt frei werdenden Lebenskräfte konnten nicht lange genug ausreifen, damit nimmt das Kind eine labile Gesundheit mit durch das ganze Leben und sollte es 90 Jahre alt werden, denn der Zustand der Lebenskräfte steht mit der Gesundheit in ursächlichem Zusammenhang. Die Lebenskräfte sind dann nicht so stabil und kräftig wie sie sein könnten. Schauen Sie sich die Situation im Gesundheitswesen an, solange wir nicht diese geistig-seelischen Gesetzmäßigkeiten der kindlichen Entwicklung berücksichtigen, werden wir auch die Kosten nicht in den Griff bekommen. Noch einmal sei es deutlich ausgesprochen, jede Verfrühung, besonders die intellektuell-abstrakten Belehrungen wirken schädigend in den Bereich der Lebenskräfte hinein. Und noch ein Drittes kommt dazu. Je früher wir mit dem Intellektuellen, heute, zumindest an Staatschulen, sehr abstrakten Unterricht beginnen, umso schneller stellt sich bei den Schülern eine Abneigung gegen dieses Lernen ein. Fazit, die schulischen Leistungen werden immer geringer. Und warum sollten unsere Kinder früher eingeschult werden? Damit sie früher in die Arbeitslosigkeit, die vom Staat geschaffen wird, entlassen werden können?



Schluss

Es ist erschütternd zu beobachten, was der kommenden Generation, noch mehr als der vorigen, angetan wird. Dazu gehört auch die möglichst frühe Ganztagsbetreuung, die zu der Entindividualisierung, zum gehorsam funktionierenden Staatsbürger ohne selbständiges Denken, ihren großen Teil beitragen wird. Jede Reform in der Schulpolitik führt zu einer Verschlechterung und das seit Jahrzehnten, seit vielen Jahrzehnten sogar. Der erzieherische Instinkt ist vollständig verloren gegangen, am meisten bei der wirklichkeitsfremd denkenden Politiker- und Beamtenkaste. Ein neues Wissen, das der Realität der kindlichen Entwicklung entspricht, könnte nur auf der Grundlage der anthroposophischen Geisteswissenschaft erworben werden, aber das lässt das ungemein beschränkte naturwissenschaftlich-positivistisch herrschende abgetakelte Weltbild nicht zu. Das neue Denken das sich entwickeln muss liegt außerhalb des technisch-abtrakt-toten Denkens. Solange aber in Input-Output Kategorien gedacht wird, solange unsere Politiker von Humanressourcen sprechen, wenn sie von der Bildung unserer Kinder reden, werden wir aus der Bildungskatastrophe nicht herausfinden, damit aber auch nicht aus den gesellschaftlichen Verfalls- und Verrohungserscheinungen, aus der immer mehr um sich greifenden Dekadenz. Immer klarer stellt sich dar, dass weder ein Politiker noch ein Beamter am Wohl des Menschen Interesse hat, was diese interessiert sind die Finanzen, die Paragraphen und der Erhalt der eigenen Pfründe und Macht. Das muss ich in meinem Beruf täglich immer schmerzlicher erleben. Wenn wir mit wachem Bewusstsein die Zeitung aufschlagen, fällt uns die eigenartige Leere in den Physiognomien unserer politischen Machthaber auf. In ihren Bildungsprogrammen finden wir diese Leere wieder und nicht nur dort, das Gesundheitsmodernisierungsgesetz und Hartz IV haben sich als völlige, milliardenschwere Flops herausgestellt. Der Staat muss sich aus dem Bildungswesen zurückziehen, er hat es vollständig zugrunde gerichtet, niemand kann es schlechter machen. Veränderungen beginnen immer von unten, vom einzelnen Menschen, der sich auf sein geistiges Potential besinnt, sich freimacht von den einschläfernden Unwahrheiten der Medien und selbständig zu denken beginnt.


Rüdiger Keuler, Heilpädagoge Juni 2005

* Die Lebenskräftestruktur auch Ätherleib oder Lebensleib genannt, besteht aus den Lebenskräften. Er ist der Träger der sieben Lebensprozesse, der Erhaltung, der Ernährung, der Atmung, der Wärmung, der Ausscheidung, des Wachstum und der Fortpflanzung. Er ist der Architekt, Erbauer und Erhalter des physischen Leibes. Verlässt er den physischen Leib, so setzen sich die mineralischen Stoffe und Kräfte durch und er geht in Verwesung über. Der Lebensleib ist auch der Träger der Gedanken, nicht der, der denkt, das ist das Geistig-Seelische des Menschen, aber der, in dem die lebendigen Gedanken, die das Gestaltende der physischen Welt sind, enthält. Das menschliche Gedankenleben ist ein Spiegelbild, ein Schattenwurf dieser lebendigen Gedanken und deshalb wie der Schatten, wie der Spiegel ohne eigenes Leben, unwirklich. Seine Geburt erfolgt erst mit der Schulreife, um das siebente Lebensjahr herum, wo ein Teil, der Teil, der an der Ausgestaltung des physischen Leibes beteiligt war, frei wird von den organischen Prozessen und der Verbindung mit den vererbten Lebenskräften.



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