Wohltätigkeit aus Selbstliebe

Am Freitag, den 27. Juli 2007, konnte man im Bonner Generalanzeiger unter der Überschrift „Geld ist nur eine Illusion“ erfahren, daß der kanadische Multimillionär Frank Giustra, der mit Goldminen und Filmverleih zum Multimillionär geworden ist, 100 Millionen an eine gemeinnützige Stiftung spendet. „Geld ist nur eine Illusion, wenn man zu viel davon hat, versicherte er: es sei völlig nutzlos und zwecklos – außer man tue mit dem vielen Geld viel Gutes. Deshalb hat er jetzt 100 Millionen US-Dollar (rund 73,5 Millionen Euro) an die William J. Clinton-Stiftung des früheren amerikanischen Präsidenten gespendet, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Armut der Welt zu bekämpfen.“

Kommen uns da nicht die Tränen vor Gerührtheit, wenn wir von so viel Selbstlosigkeit erfahren? Ein Reicher, der an die Armen denkt und einen Teil seiner Beute für ihr Wohl zur Verfügung stellt. Die Welt ist noch nicht verloren, solange es solche Menschen gibt, sind wir in Versuchung auszurufen. Nur hat die Sache Haken. Nicht nur einen, sondern mehrere. Auf moralisch ehrliche Weise kommt niemand zu einem solchen Vermögen. Juristisch ist die rücksichtslose Art, Geld auf Kosten der Allgemeinheit zu erbeuten, natürlich nicht zu belangen, unser Recht ist eine Hure, die in der Regel dem dient, der am meisten bezahlt und die Macht hat. Man will also den Anschein erwecken, für die Menschen etwas zu tun, denen man in Wirklichkeit das geraubt hat, was man ihnen scheinbar gibt. Obwohl wir im Zeitalter der materialistischen Hochkultur, die längst überfällig ist und deswegen sich ahrimanisch verfestigt hat, leben, spukt doch noch im Unterbewußtsein vieler Menschen das tief wahre Bibelwort herum: Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher in den Himmel. Da muß man doch auch einmal etwas für sein Seelenheil tun, zumal man dadurch nicht nur dem Himmel, sondern auch sich selbst und den Mitmenschen gegenüber besser dasteht und sich im Rampenlicht bewundern lassen kann. Außerdem darf nicht vergessen werden, was eine solche Aktion an steuerlichen Vorteilen bringt, das reduziert die Selbstlosigkeit um viele Millionen.

Darüber hinaus müßten bei jedem wachen Zeitgenossen alle Alarmglocken angehen, wenn er den Namen Clinton im Zusammenhang mit einem Projekt zur Bekämpfung der Armut hört. Bill Clinton, Spitzname „Slick“ Willy, ist zusammen mit seiner Frau einer der emsigsten und skrupellosesten Vertreter derer, die möglichst große Teile der Menschheit in die Diktatur der Hochfinanz, sprich Globalisierung, hineintreiben wollen. Er ist Mitglied des „Council on Foreign Relations“ und der „Trilateralen Kommission“, beides Zirkel, in denen die wichtigsten Politiker ihre Weihen und Anweisungen der Hochfinanz erhalten, und er ist De-Molay Freimaurer. Im Jahre 2000 wurde er mit dem Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet, den schon viele der großen Schurken dieser Welt bekommen haben, zum Beispiel: GRAF COUDENHOVE-KALERGIE, WINSTON CHURCHILL, KONRAD ADENAUER, GEORGE C.MARSHALL, HENRY KISSINGER, HELMUT KOHL und TONY BLAIR. Anzunehmen, daß eine Stiftung die unter seinem Namen steht, tatsächlich etwas zum Wohl der Nichtelite tun würde, bedeutet, daß man so naiv wie ein Gänseblümchen sein müßte. Das Problem mit der „Wohltätigkeit“ scheint allerdings genau so wenig neu zu sein wie das mit der Naivität. Schon am 12. Dezember 1918 spricht dies Rudolf Steiner in einem anderen Zusammenhang mit den Worten an: „Gar mancher unterstützt von dem, was er erst erbeutet, in patriarchalischer Weise (so funktioniert übrigens auch die Mafia) seine Mitmenschen, um sich dadurch ein Objekt zu schaffen für seine Selbstliebe, weil er sich da recht innerlich wärmen kann in dem Gedanken: Du tust das, du tust das. Man kommt nicht darauf, wie ein großer Teil der sogenannten Wohltätigkeitsliebe maskierte Selbstliebe ist.“ Abgedruckt in „Die soziale Grundforderung unserer Zeit“ GA 186.

In diesem Zusammenhang ist jedoch Frank Guistra fast ein kleiner Fisch zu nennen. Das US-Nachrichtenmagazin „Time“ kürte im Jahre 2005 den Milliardär Bill Gates (Microsoft) und sein Frau Melinda, zusammen mit dem Rockmusiker Bono, zu „Menschen des Jahres“, weil sie mit ihrem Geld eine Stiftung ins Leben gerufen hatten, die mit 29 Milliarden Dollar ausgestattet, zu den Größten der Welt zählt und Impfkampagnen auf der ganzen Welt fördert. Diese Stiftung hätte schon 700 000 Menschen das Leben gerettet. Und wie vielen hat sie dadurch das Leben genommen oder sie zum Krüppel geimpft, fürs Leben die Gesundheit ruiniert? Wie viel Menschenleben kann man für 29 Milliarden zerstören? Das gilt übrigens auch für den irischen Sänger Bono, der unter anderem für sein Engagement gegen Aids ausgezeichnet wurde. Bei Aids stellt nicht die Immunschwäche das Problem dar, sondern die chemischen Mittel, mit denen die Menschen zu Tode kuriert werden. Unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit kann man eben sehr vieles in die Wege leiten, zum Schaden der Menschheit, um auf diesem Wege der Überbevölkerung entgegenzuwirken.

An den beschriebenen Phänomenen kann sich uns eine Frage auftun, eine Frage, deren Beantwortung für das wache Durchschauen der gegenwärtigen politisch-gesellschaftlichen Weltzusammenhänge nicht unerheblich ist. Die Frage: Was sind das eigentlich für Menschen, die heute verehrt, bejubelt und als Vorbild betrachtet werden? Welche Menschen zeichnet die Gesellschaft heute in der Regel aus und hängt ihnen das Bundesverdienstkreuz um den Zervix? „Ich habe vor langer Zeit zu Ihnen hier gesprochen davon, daß wir heute leiden unter der Selektion der Schlechtesten, die immer obenauf kommen. Das ist auch etwas, was zum gesunden Wirklichkeitssinn und damit auch zum gesunden Menschenverstand gehört: eben einsehen diese Selektion der Schlechtesten.“ Diese wirklichkeitserhellenden Worte Rudolf Steiners finden wir in dem Zyklus „Entwicklungsgeschichtliche Unterlagen zur Bildung eines sozialen Urteils“ GA 185a, Seite 221. Prüfen sie die Kultur der Gegenwart auf diese Worte hin! (Fast) Jede Schule, jedes Amt, jeder politische Posten, jede Kultureinrichtung, jede wissenschaftliche Fakultät, jede Zeitung etc. wird geleitet von dem fachlich, menschlich und moralisch Unfähigsten, jedenfalls in der Regel. Und dazu werden sie durch die staatliche Erziehung im ahrimanischen Sinne, durch eine „Bildung“, die sich nur noch in einem abstrakt-intellektuell-inhaltsleerem Sinne vollzieht, „befähigt“. Deswegen gibt es keine freie Bildung in Deutschland und nicht nur hier, damit die Heranwachsenden im Sinne dieser Unfähigkeit erzogen, besser gesagt geprägt, werden können. Die abschließende Krönung dieser Zerstörung geschieht dann auf der Universität. Dort bekommen sie dann den Stempel, die Eichung, nicht Eignung, den Magister, den Doktor und wenn sie ganz tot sind, den Professor. Diesem Schicksal kann nur derjenige entgehen, der durch seine innere Kraftentfaltung sich zur realen Verbindung mit dem Geistigen aufschwingen kann. In diesem Zusammenhang empfehle ich Ihnen den Vortrag von Rudolf Steiner „Wie kann die seelische Not der Gegenwart überwunden werden?“ in GA 168 zu lesen. Diejenigen Menschen, die dieses „Spiel“ nicht mitmachen wollen, die sich nicht an diese Regel halten, die sich ehrlich um Menschlichkeit und Können, nicht jonglieren mit leeren Worten, bemühen, sind die Parias dieser Gesellschaft. Ahriman riecht sie und stellt sie kalt. Sie gehen einen schweren Weg, immer am Rande der existenziellen Vernichtung entlang. Das muß jedoch der Mensch der Gegenwart lernen, dem Abgrund gegenüberzustehen und trotzdem den Halt in sich selbst zu finden. „Das ist es, was wir in unserer Zeit lernen müssen: aus reinen Vertrauen leben, ohne jede Daseinssicherung, aus dem Vertrauen in die immer gegenwärtige Hilfe der geistigen Welt“. Den Quellennachweis muß ich Ihnen diesmal leider schuldig bleiben, in dem Buch von Herbert Witzemann „Die Tugenden“, dem dieses Zitat entnommen ist, wird nur angegeben, daß es einem Vortrag aus dem Jahre 1919 entstammt. Vielleicht kann uns einer der Leser aus der Verlegenheit helfen, dann reiche ich die Quellenangabe im nächsten Heft nach.

Nur dort wo es uns Menschen gelingen wird, das Tote, das Abstrakte im Denken und in der Erziehung zu überwinden, kann eine Weiterentwicklung der Menschheit stattfinden. Aber dazu müßte von den Menschen erst einmal bemerkt werden, wie tot ihr Denken geworden ist und wie sehr wir in der Erziehung die Kinder, durch dieses Denken, zum geistig-seelischen Leichnam machen.

 

Rüdiger Keuler, September 2007



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