Egoismus

Als ich mich heute in der Stadt Bonn aufhielt, fiel mir ein Plakat in die Augen, auf dem ein moderner Sänger zu einer seiner musikalischen Darbietungen einlud, die er unter das Motto "Ich & Ich" stellte. In derselben Stadt veranstaltete der Promilleanthroposoph und Zeilenschinder von "Info 3", Sebastian Gronbach, vor zwei Jahren im Rudolf Steiner Haus der anthroposophischen Gesellschaft ein Seminar zum Thema: "Ich liebe mich". Das sind nur zwei Beispiele, die uns belegen können, daß wir heute in einer Hochflut der Selbstliebe leben. Diese Leute haben ja noch nicht einmal ein Unrechtsbewußtsein von ihrer Selbstsucht, sondern finden diese durchaus berechtigt, da sie ja auch etwas Besonderes sind. (Ein Alkohol konsumierender Anthroposoph ist ja tatsächlich etwas Besonderes, nämlich die Quadratur des Kreises). Welche geisteswissenschaftlichen Hintergründe für den Egoismus können wir anführen? "Im Erdenleben führt die Gewalt Ahrimans dazu, das sinnlich-physische Dasein als das einzige anzusehen und sich dadurch jeden Ausblick auf eine geistige Welt zu versperren. In der geistigen Welt bringt diese Gewalt den Menschen zur völligen Vereinsamung, zur Hinlenkung aller Interessen nur auf sich. Menschen, welche beim Tode in Ahrimans Gewalt sind, werden als Egoisten wiedergeboren." ." Dieses Zitat von Rudolf Steiner findet sich in dem Buch "Die Geheimwissenschaft im Umriss" GA 13, Seite 287, in der Ausgabe von 1977. Wichtig in diesem Zusammenhang ist es einzusehen, daß die Selbstsucht niemals Stärke, sondern immer Schwäche ist, die aus einem karmischen Irrtum, einem ebensolchen Versagen hervorgeht. Und das der Egoismus eine nahe Verwandtschaft hat zur Dumpf- und Dummheit, da man über die Welt nichts erfährt, solange man mit sich beschäftigt ist und sein Eigensein erlebt. Nun kann man ja sagen. Was soll´s, alle anderen denken halt an sich und ich denk an mich, vielleicht wird sich das ja in meinem nächsten Leben gebessert haben. Es besteht jedoch kein Anlaß, diese Selbstliebe auf die leichte Schulter zu nehmen, denn mit dieser ahrimanischen Selbstliebe ist eine immer größer werdende Vermaterialisierung des Menschen verbunden. Man kann durchaus sagen, der Materialismus und Ahriman sind in der heutigen Zeit identisch geworden. Das wirkliche Verständnis der Geisteswissenschaft wird jedoch durch diese Selbstliebe ausgeschlossen. Das bedeutet jedoch nicht, daß man nicht mit anthroposophischer Terminologie jonglieren kann, das kann jedoch ein Jesuit wie Helmut Zander auch, es ist aber etwas anderes wie erlebtes Verständnis. Dem naturwissenschaftlichen Denken des Materialismus muß die Anthroposophie ihrer Realität nach verschlossen bleiben, deshalb braucht ja auch jeder Anthroposoph laut Dornach inzwischen seine eigene Anthroposophie, weil er die reale Geistigkeit nicht (mehr) verstehen und erleben kann. Zu schwierig zu unbequem. "Ja, die wollen mit dem Gehirn denken; aber diese Gedanken der Geisteswissenschaft sind mit dem Geistig-Seelischen gedacht, das sich erst losgerissen hat vom Gehirn. Daher müssen die Menschen streben, daß sie durch die Gedanken, die so entstanden sind, selber wieder losreißen ihr Geistig-Seelisches vom Gehirn, indem sie diese Gedanken nachdenken. Die Menschen müssen sich bemühen, die Gedanken nachzudenken, die heute noch bestehende Möglichkeit zu benützen, das Geistig-Seelische loszureißen von dem Materiellen des Gehirns. Denn es ist auf dem Wege, sich an das Materielle des Gehirns zu ketten. Die Menschen müssen sich davon losreißen. Also wir haben es nicht mit einer falschen und richtigen Anschauung zu tun (nämlich dem Materialismus, R.K.) sondern mit einem Vorgang. Indem die Gedanken der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft der Welt übergeben werden, rechnet man darauf, daß die Menschen, die noch fähig sind, die alten Möglichkeiten des Losreißens in sich zu handhaben, sie wirklich handhaben und die leibfreien Gedanken zu verstehen suchen, damit ihre Seelen leibfrei werden. Also es ist eine Willensache, Anthroposophie zu verstehen; es ist etwas, was losreißen soll das Geistig-Seelische von dem Physisch-Leiblichen. Daher stehen wir nicht bloß vor der Aufgabe, eine falsche Weltanschauung zu widerlegen, sondern vor der Tatsache, daß ein großer Teil der Menschheit hineinsegeln will, bloß Materie zu werden und aus ihr heraus zu denken, zu wollen und zu empfinden, und daß wir der Welt als Realität übergeben wollen die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, damit Geist und Seele losgerissen werden von der Materie. Die Menschen sollen vor der Möglichkeit bewahrt werden, ihr Geistig-Seelisches zu verlieren, denn dieses Geistig-Seelische steht vor der Gefahr, ganz und gar in das Ahrimanische hineinzusegeln. Die Menschen stehen vor der Gefahr, das Geistig-Seelische zu verlieren und mit dem Materiellen sich zu verlieren als Menschen, wie ich es Ihnen früher schon geschildert habe, daß das Materielle verschwindet. Also es handelt sich nicht um die Ersetzung einer alten Erkenntnis durch eine neue, sondern darum, Taterkenntnis zu gewinnen, durch welche die Seele bewahrt wird vor dem Hineinsegeln in die bloße Materialität, vor dem Hineinsegeln des Geistig-Seelischen - wodurch das Ich aufgehoben würde - in das Ahrimanische. Also nicht darum handelt es sich, den Materialismus zu widerlegen, sondern darum, die Menschheit zu bewahren davor, daß der Materialismus richtig werde; denn er ist auf dem Wege, eine Richtigkeit, nicht eine Falschheit zu sein. Wenn man von falschem Materialismus spricht, so spricht man heute gar nicht von dem, worauf es ankommt, sondern man muß sprechen davon, daß der Materialismus richtig und richtiger wird und heute in der Kultur mit jedem Tag immer richtiger und richtiger wird. Wir können es schon mit dem Beginn des 3. Jahrtausends erleben, daß die Menschheit sich so entwickelt haben wird, daß der Materialismus die richtige Anschauung ist. Nicht darum handelt es sich, den Materialismus zu widerlegen; denn er ist auf dem Marsche, richtig zu werden, sondern darum, ihn unrichtig zu machen, weil er auf dem Wege ist, eine Tatsache zu werden, weil er nicht eine falsche Theorie bloß ist." Dieses Zitat von Rudolf Steiner ist aus dem Zyklus "Gegensätze in der Menschheitsentwicklung" GA 197, Seite 126 ff. Den Materialismus kann nur der Mensch unrichtig machen und nur dadurch, daß er die Gedanken der Materie des Gehirns entreißt. Diese Aufgabe kann der Mensch nur vollbringen durch die anthroposophische Geisteswissenschaft. Und diese Möglichkeit besteht noch. Wie lange noch? Können wir diese Aufgabe auf die leichte Schulter nehmen, vor uns herschieben, noch ein paar Inkarnationen Seminare zum Thema "Ich liebe mich" veranstalten?

Die Kostbarkeit der Gegenwart

"Es werden sich aber nur jene Menschen den neu gestalteten Verhältnissen der Erde gewachsen zeigen, welche in sich solche Seelen verkörpert haben, wie sie werden können durch die Einflüsse des griechisch-lateinischen, des darauffolgenden fünften, sechsten und siebenten Zeitraumes der nachatlantischen Entwicklung. Das Innere solcher Seelen wird dem entsprechen, was aus der Erde bis dahin geworden ist. Die anderen Seelen werden dann zurückbleiben müssen, während es vorher in ihrer Wahl gestanden hätte, sich die Bedingungen zum Mitkommen zu schaffen. Reif für die entsprechenden Verhältnisse nach der nächsten großen Umwälzung werden diejenigen Seelen sein, welche sich gerade beim Hinüberleben vom fünften in den sechsten nachatlantischen Zeitraum die Möglichkeiten geschaffen haben werden, die übersinnlichen Erkenntnisse mit den Verstandes- und Gefühlskräften zu durchdringen. Der fünfte und der sechste Zeitraum sind gewissermaßen die entscheidenden. In dem siebenten werden die Seelen, welche das Ziel des sechsten erreicht haben, sich zwar entsprechend weiter entwickeln; die anderen werden aber unter den veränderten Verhältnissen der Umgebung nur mehr wenig Gelegenheit finden, das Versäumte nachzuholen. Erst in einer späteren Zukunft werden wieder Bedingungen eintreten, welche dies gestatten. - So schreitet die Entwicklung von Zeitraum zu Zeitraum fort. …… Es kommt eine Zeit, in welcher die Erden- und Menschheitsentwicklung so weit fortgeschritten sein wird, daß die Kräfte und Wesenheiten, welche sich während der lemurischen Zeit von der Erde loslösen mußten, um den weiteren Fortgang der Erdenwesen möglich zu machen, sich wieder mit der Erde vereinigen können. Der Mond wird sich dann wieder mit der Erde verbinden. Es wird dies geschehen, weil dann eine genügend große Anzahl von Menschenseelen so viel innere Kraft haben wird, daß sie diese Mondenkräfte zur weiteren Entwickelung fruchtbar machen wird. Das wird in einer Zeit sein, in welcher neben der hohen Entwickelung, die eine entsprechende Anzahl von Menschenseelen erreicht haben wird, eine andere einhergehen wird, welche die Richtung nach dem Bösen genommen hat. Die zurückgebliebenen Seelen werden in ihrem Karma so viel Irrtum, Häßlichkeit und Böses angehäuft haben, daß sie zunächst eine besondere, der guten Gemeinschaft der Menschen scharf entgegstrebene Vereinigung der Bösen und Verirrten bilden werden." "Geheinwissenschaft im Umriss" GA 13, Seite 410 ff. Der fünfte nachatlantische Zeitraum beginnt im Jahre 1413 n. Chr. Er dauert 2160 Jahre, also bis zum Jahre 3573 n. Chr. Wenn man von einer regulären Verweildauer in der geistigen Welt von 1080 Jahren ausgeht, so hat jeder der jetzt lebenden Menschen noch eine Inkarnation vor sich, bevor der Wechsel vom fünften zum sechsten Zeitraum erfolgt. In dieser Zeit muß er das erarbeitet haben was er braucht, um nicht zurückbleiben zu müssen. In Pforzheim hatte ich einmal ein Gespräch mit einem bekennenden Zweig-Anthroposophen, der mir erzählte, daß er zwar immer am Mittwochabend nüchtern in den Zweig gehen würde, ansonsten gehöre der Alkohol aber zu seinem Feierabend. Als ich ihn darauf hinwies, was Rudolf Steiner über den Alkohol im Zusammenhang mit der Anthroposophie gesagt habe, erwiderte er, er würde das sehr gelassen betrachten, er könne ja das in seinem nächsten Leben in Angriff nehmen, was er in diesem nicht schaffe. Dieser Mensch kann sicher sein, daß er sich in diesem so viele Barrikaden schafft, daß es ihm im nächsten Leben unmöglich sein wird, diese zu überwinden. Aber auch das kann man ja ganz locker sehen, wenn man will. "Man sieht, daß sich aus der "Erkenntnis des Grales" (gemeint ist die Anthroposophie, R.K.) das höchste Ideal menschlicher Entwickelung ergibt, welches für den Menschen denkbar ist: die Vergeistigung, welche der Mensch durch seine eigene Arbeit erlangt. Denn diese Vergeistigung erscheint zuletzt als ein Ergebnis der Harmonie, welche er im fünften und sechsten Zeitraum der gegenwärtigen Entwicklung zwischen den erlangten Verstandes- und Gefühlskräften und den Erkenntnissen der übersinnlichen Welten herstellt. Was er da im Innern seiner Seele erarbeitet, soll zuletzt selbst Außenwelt werden." Ebenda, Seite 413. Die Trennung der Menschheit in den fortschreitenden Teil, der sich zum Guten, Schönen und Wahren hin entwickelt, ist in der Gegenwart bereits im vollen Gange. Der andere, weitaus größere Teil, wird zurück bleiben müssen und ein Naturreich unterhalb des dann fortgeschrittenen Menschenreiches bilden. Ein Naturreich, das dem Hässlichen, der Lüge, dem Bösen und der Gewalt verfallen sein wird. Eine Entwicklung, die mit viel Elend und Leid verbunden sein wird. Die Vorstufe des dann Bösen ist der heutige, immer wuchtiger auftretende Egoismus. Wobei sich die Verwandtschaft des Egoismus mit dem Bösen auch heute schon zeigt. Ebenfalls am heutigen Tag begegnete mir ein Mann, der sich den Strichcode, den wir auf unseren Waren finden, auf seine rasierte Glatze tätowieren hat lassen. Deswegen die enorme Ernsthaftigkeit, die mit der Geisteswissenschaft verbunden sein muß. Jene Ernsthaftigkeit, die nicht mit der Humorlosigkeit zu verwechseln ist, die mit jedem unserer Schritte und unseren Handlungen, und geistige Erkenntnis ist eine Handlung, eine Tat, verbunden sein sollte. Alles was ich in diesem Leben an aufwärtsstrebender Entwicklung zum Geistigen nicht schaffe, wird mir in meinem nächsten Leben umso schwerer fallen. Der Verlust an billigem Vergnügen, der damit verbunden ist, wird durch große Freuden mehr als ausgeglichen, die die Gefühle mit sich bringen, die aus der Anstrengung und den Mühen entstehen und den seelischen Reichtum unseres Lebens schier ins uferlose vervielfältigen können. Der Mensch qualifiziert sich in der Gegenwart selbst und der, der kein Bewußtsein davon hat, wird das Ziel der Erdenverkörperung unseres Planeten, das Menschsein, nicht erreichen können.

Rüdiger Keuler, April 2008



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