Fastelovend (Karneval)

Jetzt ist sie wieder da, die närrische Zeit, die fünfte Jahreszeit, die besonders im Rheinland so eine große Bedeutung als sogenanntes Volksbrauchtum hat.
Warum befällt doch auch viele Menschen ein ungutes Gefühl, wenn sie wieder erleben müssen, wie die uniformierte „Fröhlichkeit“, die Spießbürgerlichkeit, getarnt unter der Maske der Albernheit, die durch den Alkohol hervorgerufene Hemmungslosigkeit, die Herrschaft übernehmen? Einem Nichtrheinländer fällt das Verständnis dieser hohlen Art der „Unterhaltung“ noch viel schwerer. Viele Menschen im Rheinland flüchten in einen Kurzurlaub und kehren erst wieder, wenn das Reinigungspersonal dass ihre getan hat und sich der Verstand langsam wiedereinstellt.
Finden wir eine Möglichkeit, dieses unangenehme Gefühl, dass sich, diesem Treiben gegenüber einstellt, zu verstehen? Sind diese Gefühle aus einer persönlich anderen Art der Fröhlichkeit veranlagt? Oder sind wir humorlos, gar intolerant? Gibt es objektive Gründe die unsere innere Ablehnung rechtfertigen?
Am 18. September 1917 spricht Rudolf Steiner in Berlin, in einem Nebensatz aus, was wir zum Verständnis Karneval brauchen. „Wird das Bewußtsein auf die Materie beschränkt, wird es ganz ins Unternormale hinuntergedrängt, wird ein organisch-dämmerhaftes Bewußtsein erzeugt, oder ein aufgeregtes, wo der Mensch ganz der Materie hingegeben ist, oder ein närrisches Bewußtsein, dann hat Ahriman erst recht den Zugang zu ihm.“ GA 176, Seite 345. Das ist die Begrifflichkeit, die uns zum Phänomen Karneval fehlt, damit wird unser Gefühl der inneren Ablehnung erklärbar.
In der Epoche der Bewusstseinsseele muss der Mensch solche Erscheinungen mit dem bewussten Denken durchdringen, denn „Wenn man Ahriman sieht - lesen sie nach, was in meinen Mysteriendramen darüber enthalten ist -, dann ist das gerade die Befreiung von ihm; wenn man ihn nicht sieht, ist das das Schlimme.“ Ebd., Seite 327. Bevor man Ahriman aber sehen kann, muss man ihn und sein Wirken in der Welt und im Menschen erst einmal in den Blickwinkel seiner Aufmerksamkeit bekommen. Erst dann, wenn wir ihn durchschauen, werden wir seinem Treiben nicht mehr ausgeliefert sein. „Und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Heute glaubt (fast) niemand mehr an den Teufel, deswegen verfallen die Menschen ihm so widerstandslos. Wie selbstverständlich und „schick“ ist inzwischen, vor allem in Amerika, der Satansgruß geworden. Damit begibt sich der betreffende Mensch, ohne es zu wissen in seine Gewalt.

Rüdiger Keuler
Januar 2005



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