Nikotin

 

 

 

Über die Wirkung des Alkohols, speziell was die Fähigkeit betrifft, in die Erkenntnis des Geistigen einzudringen, haben wir wiederholt geschrieben. Aber auch durch den Konsum von anderen Drogen wird ein ernstzunehmendes Hindernis geschaffen, das uns von dem Geistigen abschließt. Zu diesen müssen wir auch das Nikotin zählen. Rudolf Steiner spricht darüber in den Vorträgen vor den Arbeitern, die am ersten Goetheanum gearbeitet haben, abgedruckt im zweiten Band dieser Vorträge, die den Titel „Über Gesundheit und Krankheit“, GA 348, tragen, im 14. Vortrag, der am 13 Januar 1923 gehalten wurde.

Er beginnt damit, auszuführen, wie das Nikotin auf den Kreislauf wirkt und über die Blutzirkulation das Herz zu einer schnelleren Tätigkeit angeregt wird. In dem durchschnittlichen Verhältnis von 72 Pulsschlägen zu 18 Atemzüge in der Minute, entsteht auf diese Art ein Ungleichgewicht zu Gunsten der Herzschläge. „Die Folge davon ist, daß, während sich mit jedem Pulschlag eine bestimmte Menge Sauerstoff mit dem Blut verbinden sollte, das Blut nicht genügend Sauerstoff erhält. Die Folge der Nikotinvergiftung ist also, daß das Blut zu große Mengen Sauerstoff aufnehmen will, das heißt, daß das Blut zu viel Sauerstoff beansprucht. Die Atmung gibt nicht so viel Sauerstoff her. Daher kommt es, daß eine ganz geringe Atemnot eintritt. Natürlich ist die Atemnot so gering, daß sie im einzelnen nicht bemerkt wird, denn ich habe Ihnen schon gesagt, der menschliche Körper kann im ganzen viel aushalten. Aber dasjenige, was durch den Nikotingenuß hervorgerufen wird, das ist immer eine bestimmte, ganz kleine Atemnot. Diese ganz kleine Atemnot verursacht nämlich bei jedem Atemzug ein Angstgefühl. Jede Atemnot verursacht Angstgefühl. Wenn man nun Angst hat und man trägt diese Angst mit sich herum, dann beherrscht man sie eher, als diese furchtbar kleine Angst, die man da bekommt, die ganz unbewußt bleibt. Das sind ja gerade die Krankheitsursachen, daß so etwas wie Angst oder Furcht oder Schreck unbemerkt bleibt.

Nun bleibt bei dem, der fortwährend raucht, fortwährend die Ursache da, daß er immer, ohne daß er es merkt, ganz ausgefüllt ist von einer gewissen Angst. Nun wissen Sie aber, wenn Sie Angst kriegen, daß dann Ihr Herz pumpert. Nun, das wird Sie zu der Erkenntnis führen, daß bei einem, der sich durch Nikotin fortwährend vergiftet, das Herz eigentlich fortwährend etwas zu schnell geht. Aber wenn es etwas zu schnell geht, dann wird es auch verdickt, geradeso wie mein Bizeps, mein Oberarmmuskel dick wird, wenn ich ihn fortwährend anstrenge. Das ist unter Umständen nicht so schlimm, wenn es nicht zu einem Reißen der inneren Gewebe kommt. Aber wenn einmal der Herzmuskel – das ist auch ein Muskel – durch seine Tätigkeit zu dick wird, dann drückt er überall auf die anderen Organe. Und die Folge davon ist in der Regel, daß dann vom Herzen aus wiederum die Blutzirkulation gestört wird. Die Blutzirkulation kann nicht vom Herzen eingeleitet werden, aber gestört werden kann sie, wenn das Blut ein verdicktes Herz findet.

Wenn nun das Herz verdickt wird, dann ist die nächste Folge davon, daß nämlich die Nieren krank werden, weil durch das Zusammenstimmen wiederum von Herz- und Nierentätigkeit die ganze menschliche Leibesorganisation in Ordnung gehalten ist. Das Herz und die Nieren müssen immer zusammenstimmen. Es muß natürlich alles im Menschen zusammenstimmen, aber Herz und Niere sind in unmittelbarer Verbindung. Man merkt gleich, wenn im Herzen etwas nicht richtig ist, kommt die Niere auch nicht mehr in der richtigen Weise in Ordnung, und dann wird nicht mehr in der richtigen Weise abgesondert. Dann kommt Unrichtiges in die Urinabsonderung hinein, und die Folge davon ist, daß der Mensch ein viel zu schnelles Lebenstempo einschlägt und sich deshalb furchtbar rasch abnutzt. Und so wird derjenige, der eben für seine Leibesverhältnisse zu viel Nikotin in seinen Leib hineinkriegt, daran langsam zugrundegehen. Er geht eigentlich langsam zugrunde an allerlei inneren, das Herz beeinflussenden Angstzuständen.

Nun kann man ja eigentlich gerade Angstzustände in ihrer Wirkung auf die seelischen Tätigkeiten sehr leicht beurteilen. Man wird bei denjenigen Leuten, die zu viel Nikotin in ihren Körper hineinbringen, eben merken, daß allmählich auch ihre Gedankenkraft beeinträchtigt wird. Die Gedankenkraft wird dadurch beeinträchtigt, daß der Mensch, wenn er durch irgend etwas in Angst herumgeht, ja nicht mehr ordentlich denken kann. So daß also bei solchen Menschen gewöhnlich die Nikotinvergiftung auch dadurch erkannt werden kann, daß man findet, ihre Gedanken kommen nicht mehr ganz in Ordnung. Sie urteilen gewöhnlich viel zu rasch. Sie steigern dann dieses viel zu rasche Urteilen manchmal bis zu Verfolgungswahngedanken. So also kann man sagen, daß tatsächlich der Nikotingenuß, wenn er als Genuß figuriert, die menschliche Gesundheit untergräbt.“ Seite 248.

Für unser Thema kommt das in Betracht, was ich fett gedruckt habe. Die Gedankenkraft wird korrumpiert, die Gedanken kommen in Unordnung, das Urteil vollzieht sich zu rasch, bis zum Verfolgungswahn. Als ich vor vielen Jahren diese Stelle las, ließ es mich nicht mehr in Ruhe, bis ich mir das Rauchen abgewöhnt hatte. Im Nachhinein, nachdem ich einen anderen Zustand kennengelernt hatte, konnte ich diese Ausführungen aus dem eigenen Erleben nur bestätigen. Ich prüfte daraufhin meine Umgebung, um festzustellen, daß es die Raucher waren, die in einem Kollegium als die Ersten auftraten, die zu einem Urteil kamen, bevor die Dinge als genügend geprüft und erwogen dastanden und daß es auch sie waren, die am schwersten ihr Urteil wieder revidieren konnten, sondern auf ihrem ersten Urteil beharrten. Dies trat oft als Besserwisserei ohne ausreichend Urteilsgrundlage in Erscheinung. Die Angst und die mangelnde Gedankenkraft zeigen sich dann im Umgang oft als ausgeprägter Egoismus, dem das Bewußtsein fehlt, die Atemluft, die von allen Menschen gemeinsam benutzt wird, zu verpesten. Provokativ äußerte sich einmal ein Raucher mir gegenüber, als er beim Essen darauf angesprochen wurde: Es stört mich ja auch nicht, daß du noch ißt, während ich rauche. In dem gegenwärtigen Kampf der Raucher gegen das Nichtrauchergesetz, der diese aus ihrem ausgeprägten Egoismus heraus bis nach Karlsruhe vors Bundesverfassungsgericht führt, zeigt sich dies überdeutlich.

Aus dem obigen Zitat von Rudolf Steiner geht auch hervor, daß die permanente Nikotinvergiftung mit einem Reifedefizit des Rauchers verbunden ist, denn ab der Pubertät spielt das Denkvermögen bei der Reifung des Menschen eine entscheidende Rolle.

Das Denken spielt jedoch vor allem eine nicht zu ersetzende Rolle beim Erringen der geistigen Inhalte, schließlich handelt es sich um eine Geisteswissenschaft und nicht um einen Glauben, obgleich doch viele Menschen meinen, sich ihr auf dem Wege des Gefühls nähern zu können. Der Gedanke sollte sich schon wiederum zum Empfinden, zum Gefühl steigern, diese Letzteren dürfen aber nicht der Ausgangspunkt sein, durch die ich mich dem Gedankeninhalt nähere, sonst verbaue ich mir durch die Subjektivität den Weg zur Erkenntnis.

Abgesehen von all den schädlichen gesundheitlichen Auswirkungen, die ja auch ihre Erwähnung finden, schafft sich der Mensch im Nikotinmißbrauch ein schwerwiegendes Hindernis auf dem Wege zur Geisteswissenschaft und damit auf dem Wege zum fortschreitenden Menschentum der Zukunft. In der Gestik, der Mimik und dem Verhalten der Raucher kann dies auf sehr anschauliche Weise studiert werden.

 

 

Rüdiger Keuler, August 2008



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