Buddhismus

Im Pelagius Heft XIV, in dem Artikel „Eine Gesellschaft der Analphabeten und Cerebralparetiker“, habe ich im Zusammenhang mit dem Buddhisten György Szekely alias Georg Kühlewind schon einmal über den Buddhismus und seine Erscheinungen im mitteleuropäischen Geistesleben geschrieben. Ich habe dabei darauf hingewiesen, daß der Buddhismus in der vorchristlichen und Ich-losen Zeit stehen bleiben mußte, da die Möglichkeit zum individuellen Ich zu kommen, erst mit dem Erscheinen des Christus Jesus für die Menschheit gegeben ist. Der Buddhismus, in seinem Bezug auf die letzte Inkarnation des Buddhas, muß also für einen Europäer und schon gar für einen Menschen der mit der Anthroposophie in Berührung kam, als eine krankhafte Form der menschlichen Geistesentwicklung angesehen werden. Da es sich dabei um eine wichtige Frage des Christentums und des Entwicklungsgangs der Menschheit handelt, komme ich wieder auf dieses Thema zu sprechen.

In dem oben erwähnten Artikel stand das Zitat von Rudolf Steiner: „Das Wichtigste, was die europäische Menschheit heute von dem Buddha empfangen kann, darf eben nicht herrühren aus der Überlieferung dessen, was der Buddha ein halbes Jahrtausend vor der christlichen Zeitrechnung den Menschen gegeben hat, sondern von dem, was er seither geworden ist.“ „Von Jesus zu Christus“ GA 131, Seite 176 ff. Daran schließt sich für uns die Frage, was ist er seither geworden und was kann er uns Menschen in der Gegenwart geben?

In den Zyklen „Das Markus-Evangelium“ GA139 und „Das Leben zwischen Tod und neuer Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen“ GA 141 spricht Rudolf Steiner immer wieder über den Buddha und seine Lehre im Verhältnis zum Mysterium von Golgatha und dem Entwicklungsgang der Menschheit. Die ganze fortlaufende Darstellung gipfelt in dem Vortrag vom 22. Dezember 1912, abgedruckt in dem oben erwähnten Zyklus GA 141. Zusammenfassend kann es in der folgenden Art dargestellt werden.

Der Buddha kann als Abschluß der alten atavistischen Epoche der Menschheit verstanden werden, genau so gut jedoch als Vorläufer des Christus-Impulses. Er verband sich mit diesem Impuls auf zweifache Art, indem er sich mit dem astralischen Leib des Jesu vereinigte und in dem er in einem geistigen Gespräch dem Jesus erschien, nachdem dieser den Irrweg der Essäer erkannt hatte und zu diesem sagte: “Wenn meine Lehre so, wie ich sie gelehrt habe, völlig in Erfüllung gehen würde, dann müßten alle Menschen den Essäern gleich werden. Das aber kann nicht sein. Das war der Irrtum in meiner Lehre. Auch die Essäer können sich nur weiter fortbringen, indem sie sich aussondern von der übrigen Menschheit; für sie müssen übrige Menschenseelen da sein. Durch die Erfüllung meiner Lehre müßten lauter Essäer entstehen.“  GA 148 „Aus der Akasha-Forschung - Das fünfte Evangelium“ Seite 69. Das Gespräch fand statt, nachdem Jesus erkannt hatte, daß die Essäer durch ihre Lebensweise sich vor Luzifer und Ahriman retten, auf Kosten der anderen Menschen. Von diesem Moment an war der Buddhismus in dem Strom des Christus-Impulses aufgegangen.

Der Buddha, der sich nachdem er vom Bodhisattva zum Buddha aufgestiegen war und sich deswegen auf der Erde nicht mehr verkörperte, ließ gleichwohl sein Wirken von außen in die Menschheit einfließen. Dies geschah im 7./8. Jahrhundert n. Chr. in einer Mysterienstätte, die in der Gegend des Schwarzen Meeres existierte. Dort unterrichtete der Buddha Schüler, die in ihrer Initiation so weit gekommen waren, daß sie seine Lehre im leibfreien Zustand empfangen konnten. Damals lehrte der Buddha an dieser Stätte einen christlichen Buddhismus oder ein buddhistisches Christentum. Als einer der Hervorragendsten der damaligen Schüler in seinem nächsten Leben wiedergeboren wurde, war er die uns bekannte Gestalt des Franz von Assisi, der heilig war, aber ein Leben führte „so weltfremd und so fern von allem unmittelbar sinnlich Erlebten“ GA 141, Seite 95. Es bestand die Gefahr, daß im weiteren Verlauf der Menschheitsentwicklung eine Spaltung stattfand, die auf der einen Seite dazu geführt hätte, daß der eine Teil der Menschheit einer materiellen, kommerziellen und industriellen Kultur angehörte, geistreich, aber immer tierischer und materialistischer und auf der anderen Seite ein Teil der Menschheit, der den Zugang zum Geistigen durch ein mönchisches, weltfremdes Leben gepflegt hätte. Um dies zu verhindern wurde der Buddha von Christian Rosenkreuz mit seiner Lehre auf den Mars geschickt mit der Aufgabe, von dort aus auf die Entwicklung der Menschheit einzuwirken, um es möglich zu machen, daß jeder Mensch die Aussicht hatte den Weg zum Spirituellen zu finden. Wenn er denn der Mühe sich unterziehen will.

Wie die Erde sich bis zum Mysterium von Golgatha in einem Niedergang befand, der durch die Tat des Christus in einen Aufstieg verwandelt wurde, so war der Verfall des Mars eine kosmische Tatsache bis ins 16. Jahrhundert hinein. Dadurch war es den Menschen nicht mehr möglich, auf ihrem Durchgang durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt aus der Marsregion, - Rudolf Steiner schildert in dem ganzen Zyklus, was der Mensch nach dem Tode, in der geistigen Welt, bei seinem Durchgang durch die verschiedenen Regionen erleben muß und welche Auswirkungen sein Leben zwischen Geburt und Tod auf diese Erlebnisse und ihre Folgen hat, - die Kraft mitzubringen die sie brauchen, um sich in ihrem Leben auf der Erde zum Spirituellen erheben zu können. Rudolf Steiner illustriert dies an Hand des Kardinals Nikolaus von Kues, der im 15. Jahrhundert ganz den spirituellen Welten hingegeben war und dann in seiner nächsten Inkarnation als Nikolaus Kopernikus der Begründer der mechanischen Astronomie wurde und damit den Grundstock für unseren gegenwärtigen Materialismus schuf.

Durch die Mission des Buddha auf dem Mars wurde nun der Niedergang des Mars in einen Aufschwung verwandelt, mit dem Erfolg, daß jeder Mensch aus der Marsregion ins Leben sich die Möglichkeit mitbringt, aus dem vollen tätigen Leben heraus zum Spirituellen zu finden, ohne ein mönchisches, weltfremdes Leben führen zu müssen, er muß sie nur ergreifen. Rudolf Steiner nennt den Buddha in diesem Vortrag den Heiland des Mars, er spricht von dessen Kreuzigung, die natürlich im übertragenen Sinne verstanden werden muß. Der Mars war seit Alters her der Gott des Krieges und des Streites, nun fand durch die Tat des Buddha eine Verwandlung statt. „…so hat allerdings der Buddha nach und nach die Aufgabe, diese kriegerischen Tugenden so im Menschen zu verwandeln, daß sie freien, unabhängigen Sinn in der heute notwendig gewordenen Art begründen.“ Ebenda, Seite 132.

Wir sollten also alle Buddhisten sein, nur nicht hier auf der Erde, sondern im Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Der ganze Zusammenhang kulminiert in den Worten: Hier auf der Erde können die Menschen nur Schüler des Buddha sein, wenn sie nicht mitwollen mit dem fortgeschrittenen Teil der Erdbevölkerung. Aber zwischen Tod und neuer Geburt entfaltet der Buddha das, was aus seiner Lehre geworden ist, was er hier geltend gemach hat – daß der Mensch frei werden soll von den Verkörperungen -, als eine Lehre, die nicht dem Leben auf der Erde dient, welches von Verkörperung zu Verkörperung fortgehen soll. Was er damals gab, war mit der Anlage versehen für den Menschen im entkörperten Zustand. Die fortgeschrittene Buddha-Lehre ist die richtige für die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt.“ Ebenda, Seite 131 ff. (Betonung vom Verfasser) Wenn man sich fragen will, warum man sich als Buddhist vom Fortschritt der Menschheit ausschließt, so muß darauf hingewiesen werden, daß der Mensch hier auf der Erde sich das Verständnis des Spirituellen erwerben muß, das für alle Menschen eine allgemeine Gültigkeit hat, das aber ist die Geisteswissenschaft, das Christentum der Erkenntnis. Dadurch erwirbt der Mensch dasjenige, das er mitbringen muß, damit der Christus ihn dorthin führen kann, wo er an der Lehre des Buddha in der Marsregion teilnehmen kann, um sich von dort die Kraft, im Irdischen zum Spirituellen zu finden, mitzubringen. Versäumt er dies, so wird er in seinen zukünftigen Inkarnationen immer mehr veröden, verhärten, vertrocknen, vom Entwicklungsstrom der Menschheit abfallen, bildend ein zukünftiges Naturreich des Bösen, des Irrtums und des Häßlichen. Wer hier Buddhist ist kann dort, wo dieser hingehört und wo er ihn braucht, nicht an Buddhas Lehre teilhaben.

Im Fortgang der Ausführungen spricht Rudolf Steiner davon, daß zurückgebliebene Engelwesen, also luziferische Wesen, ihr Wirken in dem entfalten, was man die „öffentliche Meinung“ nennt. Diese prägt den Menschen unbewußt, wenn er die öffentliche Meinung, die ungreifbare Autorität, nicht hinterfragt, wie das zum Beispiel in Bezug auf die Verfälschungen der deutschen Geschichte der Fall ist, die wir den Alliierten verdanken, und hemmt ihn ebenfalls am fortschreitenden Geschehen der Menschheitsentwicklung teilzunehmen, da er sich dadurch den luziferischen Wesenheiten überantwortet. Auch diese hemmende Hülle wird in der Region des Mars, durch die Lehre des Buddha, abgestreift, so, daß der Mensch in seiner zukünftigen Inkarnation dieser öffentlichen Meinung nicht mehr unterliegen muß.

Wenn wir unter diesem Gesichtpunkt uns fragen, wie wir das Wirken des Herrn Kühlewind und alle die in dieser Sache so handeln und denken wie er, beurteilen müssen, so müssen wir sagen, es war Verrat an den neuen, den modernen, den für die gegenwärtige Menschheitsepoche gültigen Mysterien, es war ein Handeln aus dem schwarzen Okkultismus heraus, selbst dann, wenn es „nur“ aus einer dann bodenlosen Dummheit heraus geschah. Dem Vorstand der anthroposophischen Gesellschaft in Dornach muß der Vorwurf gemacht werden, daß er diesen schwarzmagischen Verrat geschehen ließ. Oder wollen Sie den Vorständen den Vorwurf machen, daß sie den Inhalt dessen, was sie als Gesellschaft vertreten nicht kennen? Cerebralparese?

 

Wenn also jemand auf die Idee kommt, Herrn Kühlewind zu verteidigen, so kann dies nur aus der Blindheit der Sachlage gegenüber geschehen. Im Pelagius Heft XV druckten wir den Brief von Michael Hufschmidt (Seite 34) ab, der diesen kläglichen Versuch unternahm. Käme nun jemand auf den Gedanken, den Urheber dieses Briefes als einen Hohlkopf zu bezeichnen, man könnte ihm aus einem ehrlichen Herzen heraus schwerlich widersprechen.

 

Muß es vor diesem geisteswissenschaftlichen Hintergrund nicht als dilettantisch und deplaziert betrachtet werden, wenn es seit einiger Zeit in Neunkirchen-Seelscheid in Nordrhein-Westfalen eine heilpädagogische Waldorfschule gibt, die den Namen des Franziskus trägt? In der Heilpädagogik sollen die Kinder trotz ihrer Behinderung ins Leben hineingeführt und nicht zur Weltfremde erzogen werden. Interessant wiederum ist, daß diese Schule aus der Johannes Schule in Bonn hervorgegangen ist. In dieser findet sich eine Lehrerschaft, die, aus der Unkenntnis der Geisteswissenschaft heraus, zu den Anhängern von Georg Kühlewind gehört.

 

R.Keuler,  Mai 2009

 



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