Zum Psycho-Pathologischen der Pubertät

Die Pubertät wird heute in einem zunehmenden Maße als eine psycho-pathologische Entwicklungsphase betrachtet. Daß die Probleme dieser Periode nicht als eine Lappalie betrachtet werden können, deren Ende gelassen abzuwarten ist, können auch Menschen, die nicht direkt in die Erziehung involviert sind, täglich den Nachrichten entnehmen. Da ist vom Komasaufen der Jugendlichen die Rede, von zunehmender Gewalt, die immer sinnloser wird, von Amokläufern an den Schulen, von deutschen Jugendlichen, die zum Beispiel mit einem gestohlenen Lastwagen einen Polizisten im Ausland töten, von Randale am 1. Mai mit vielen verletzten Ordnungshütern, von brennenden Autos, von Vergewaltigungen einzelner Frauen durch Gruppen etc. man könnte noch viel hinzufügen. Wer nicht beim pessimistischen Lamentieren stehen bleiben will, muß nach diesen Feststellungen den Blick wenden, von den Heranwachsenden zu der vorherigen Generation, den Erziehenden. Denn letztendlich ist dies, was sich uns so erschreckend darstellt, die Frucht dessen, was wir selbst gesät haben. Es ist das Ergebnis einer völlig unfähigen Pädagogik, die den Menschen als einen Haufen von Molekülen betrachten muß und seinen geistig-seelischen Wesenskern als eine Ausscheidung der Materie. Jeder Erkennende, der sich nicht in intellektuellen Abstraktionen versteigt, sondern eine lebenswirkliche Logik entwickeln kann, muß sehen, daß sich in dem Ergebnis unserer Erziehung der Materialismus längst ad absurdum geführt hat.

Dies liegt mit daran, daß an unseren Universitäten, die vom Staat kontrolliert und beherrscht werden, aus einem wirklichkeitsfremden, toten, abstrakten Denken heraus pädagogische Programme und Theorien quasi am Reißbrett ausgedacht werden, zu deren Verwirklichung dann die Pädagogen vor Ort per Erlaß gezwungen werden. Dadurch wird jeder Erziehende zur ahrimanischen Marionette des Staates, der gegenüber immer mehr Heranwachsende sich auflehnen werden. Jedes Wirtschaftsunternehmen, welches ähnlich miserable Ergebnisse liefern würde wie der Staat in der Erziehung, hätte längst bankrott anmelden müssen. Über 50 Prozent der Betriebe schulen die Auszubildenden nach, da sich das staatliche Erträgnis der Erziehung als mangelhaft herausstellt. Aber nicht genug damit, daß die staatlich kontrollierten Ausbildungsstätten immer minderwertigere Pädagogen aus ihrer „Bildung“ entlassen, nein diese Minderwertigkeit wird auch noch zum Maßstab erklärt, nach dem alle Pädagogen und Erziehungsansätze beurteilt werden. Die Minderwertigkeit wurde zum bestimmenden Wertmaßstab. Dabei darf nicht vergessen werden, daß gerade an den pädagogischen Fakultäten die Antifa das große, dekadente Wort führt.

Davon sind auch die Waldorfschulen nicht verschont geblieben. Dort gibt es jetzt den „Master“ in den pädagogischen Ausbildungen und jeder der sich für etwas Besonderes hält, und davon gibt es viele unter den „Anthroposophen“, rennt wie ein Hund hinter einem alten Knochen, hinter dem Doktor oder dem Professorentitel her. Der „Master“ ist nach anglo-amerikanischen Muster strukturiert, er ist Schablone, schließt ein freies Geistesleben aus und gilt unter nicht Umerzogenen als armselig. Es ist das eingetreten, auf das schon Rudolf Steiner hingewiesen hat, aber seine Jünger sind ja in der Gegenwart anscheinend nicht einmal mehr des Lesens mächtig. „Es wird schon eine Entscheidung kommen im Laufe der Erdentwickelung. Entweder geht unser Niedergang im Geistigen immer weiter und weiter vor sich, und eine Krankheit, von der ich seit Jahren spreche, auch in öffentlichen Vorträgen gesprochen habe, eine Krankheit wird sich immer mehr und mehr ausbreiten – es steht noch nicht viel von ihr in medizinischen Büchern, aber um so mehr im Leben: die „dementia professoralis“ -, oder aber der Mensch wird sich bequemen müssen, aufzunehmen in seinen Enthusiasmus die Erkenntnis des Übersinnlichen.“ Dieses Zitat ist aus dem Zyklus „Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge“ GA 240, Seite 133, in der Ausgabe von 1986. An einer anderen Stelle spricht Rudolf Steiner davon, daß das Doktorwissen überwunden werden muß. Alle diese staatlichen Titel, vom Abitur über den Bachelor, Master, Doktor, Professor und wie sie alle heißen, besagen nichts anderes als die Eichung, die der Staat mit einem Menschen vorgenommen hat, um ihn nach seinen toten ahrimanischen Maßstäben zu zerprägen. Rudolf Steiner spricht oft genug davon, daß ihm die Darstellung der Anthroposophie aus seinen geisteswissenschaftlichen Forschungen nur möglich war, weil er nie sein Brot in diesem staatlich zerstörten Geistesleben verdienen mußte. Die offiziellen Einrichtungen der „Anthroposophen“ haben sich für den Niedergang im Geistigen entschieden. Ist ja auch wesentlich bequemer. Inzwischen ist es schon so weit gekommen, daß ein Mitarbeiter einer Softwarefirma die Leitung einer Hochschule übernehmen kann. Professor Dr. Marcelo da Veiga an der Alanus Hochschule in Alfter. Mit dem Professorentitel hat es sich nach seinem Wechsel selbst geschmückt, aus der geisteswissenschaftlichen Wirklichkeit heraus muß man jedoch sagen, als Dementer stigmatisiert. Die „anthroposophischen“ Einrichtungen wirken inzwischen vielfältig nur noch wie ein Staubsauger, aus allen Ecken ziehen sie den Unrat an.

Aus der nicht umerzogenen geisteswissenschaftlichen Pädagogik heraus muß so gesprochen werden: Wenn wir ein Kind vor uns sehen, so muß uns deutlich sein, das Physische, welches wir vor uns sehen, kann nicht erzogen werden und dasjenige was wir als Physisches beim Erwachsenen vor uns sehen kann nicht erziehen. Was erzogen wird im Kind ist das Geistige, welches es durch das Tor der Geburt aus der geistigen Welt mitbringt und das was im Erwachsenen erziehen kann ist das Geistige, welches er sich bewußt in diesem Leben angeeignet hat, um es durch das Tor des Todes mitzunehmen als Frucht dieses Lebens in seine zukünftige geistige Fortentwicklung hinein. Wird das vom Kinde mitgebrachte Geistige nicht in der richtigen Art empfangen, geführt, geformt, so schlägt es spätestens in der Pubertät um in Aggressivität, Vandalismus, überbetonte Sexualität und Bandenbildung, die sich im Erwachsenenalter dann als Anhängerschaft zum Beispiel eines Fußballvereines äußern kann, was immer auf eine mißlungene Individualitätsbildung hinweist.

In dem Vortrag „Innere Evolution und äussere Entwicklungsmöglichkeiten“, den Rudolf Steiner am 30. Januar 1910 in Pforzheim hielt, abgedruckt in GA 118, spricht er von den beiden Strömungen, innerhalb derer die kindliche Entwicklung sich vollzieht. Wir haben drei große Abschnitte, in denen sich das vollziehen muß, was als Erziehung die Fundamente schafft, auf denen der ganze weitere Lebenslauf des Menschen aufbaut. Die Periode der ersten sieben Jahre bis zum Zahnwechsel, die des zweiten Jahrsiebtes bis zur Geschlechtsreife und die der Zeit vom 14. bis zum 21. Lebensjahr, approximativ selbstverständlich. Bei der Geburt vollzieht sich die Geburt des physischen Leibes, beim Zahnwechsel die des Ätherleibes, mit der Geschlechtsreife die des Astralleibes und um das 21. Lebensjahr die der Ich-Organisation. Erziehung wirkt im jeweiligen Jahrsiebt auf die Ausbildung des zur äußeren Erscheinung gekommenen Wesengliedes. Bis zum Zahnwechsel wird an der Gestaltung des physischen Leibes erzogen, dabei spielt die Nachahmung die wesentliche Rolle, die wir berücksichtigen müssen, wenn wir mit und für das Kind und nicht gegen dieses erziehen wollen. Was darf das Kind nachahmen, wie muß ich mich selbst erziehen, damit das Kind an mir dasjenige erfährt, was es nachahmen soll. Im zweiten Jahrsiebt, wenn das Kind in die Schule kommt, der Ätherleib geboren ist, handelt es sich um die Ausgestaltung dieser Lebenskräftestruktur. Dabei spielt die Autorität eine entscheidende Rolle. Was darunter zu verstehen ist, weiß man heute nicht einmal mehr in vielen Waldorfschulen. Der Erzieher bekommt die Autorität vom Kind, das an ihm erleben sollte, der Erwachsene ist derjenige, der mich ins Leben hineinführen kann, dem ich Vertrauen kann, ihm folge ich nach, von ihm lasse ich mir etwas sagen. Was man heute unter Autorität versteht ist das autoritäre Gebaren und tritt immer dort auf wo die Autorität fehlt, zu der sich der Mensch aber nur aufschwingen kann, wenn er die Selbsterziehung nicht versäumt, aus Bequemlichkeit heraus, oder weil er keine Vorstellungen davon hat, wie er wirksam an sich selbst arbeiten kann. Im dritten Jahrsiebt, wenn es zur Geburt des Astralleibes gekommen ist, spielt der Meister seines Faches eine große Rolle und die Erziehung zu den Idealen, zu denen, die ihn ein ganzes Leben lang tragen können.

Dasjenige, was wir durch die Regeln, die sich aus dem Wissen der jeweiligen Veränderung des Wesensgliedergefüges ergeben, am Kind erziehen, sind die Hüllen der Individualität, in die sich die Individualität kleidet, wenn sie ihre jeweilige Verkörperung antritt. Die Gestaltung dieser Hüllen ist dasjenige, was unserer Verantwortung als Erziehende unterliegt. „Diese Regeln sind richtig für die Erziehung eines Menschen in unserer Zeit, der wenig Talente, wenig Fähigkeiten hat, sie sind aber auch richtig für die Genies, für alle Menschen, weil das ein Gesetz ist, nach dem sich die Hüllen des Menschen entwickeln.“ Seite 56, in der Ausgabe von 1984. Schon an dieser Aussage können sie erleben, wie gegenstandslos das Gerede von der Hochbegabtenförderung ist. Wichtig an der Erziehung dieser Hüllen ist, daß wir es schaffen, den Ätherleib so zu gestalten, daß er die richtige Voraussetzung für die Geburt des Astralleibes sein kann.

An diesem Punkt spielt dann die andere Strömung der menschlichen Entwicklung eine wichtige Rolle, dasjenige was der Mensch mitbringt aus dem Vorgeburtlichen, seinen geistig-seelischen Wesenskern. Rudolf Steiner fährt an der oben zitierten Stelle folgendermaßen fort: „Das was in dieser Entwickelungslinie liegt, gilt also mehr oder weniger für alle Menschen, aber es ist doch nicht gleichgültig, was diese Menschen durchgemacht haben etwa in ihren früheren Verkörperungen. Der eine hat viel Gescheites, viel Schönes, viel Gutes erlebt. Darnach gestalten sich seine Fähigkeiten, darnach gestaltet sich sein Schicksal; der eigentliche innere Kern des Menschen gestaltet sich darnach, und das ist nun bei jedem Menschen individuell.“ Ebenda Seite 56. Wird der Erziehende nicht seinen Verantwortlichkeiten gerecht, erzieht er nicht so, daß er dem Wissen um die Wesensglieder des Menschen und der erzieherischen Maßnahmen, die aus diesem Wissen erwachsen müssen, gerecht wird, so kommt es zu einer Kollision dieser beiden Strömungen. „Also zwei Entwickelungslinien laufen nebeneinander, und daraus können wir jetzt auch sehen, wie sozusagen gewisse zwiespältige Seelenverfassungen im Menschen auftreten können. Man kann ja in bezug auf die äußere Entwickelung nicht anders denken, als – das ist durchaus im Sinne der Geisteswissenschaft – daß der Mensch bis zu seinem 14. Jahre, sagen wir, die Fähigkeiten seines Ätherleibes herausentwickelt. Mit seinem 14., 15. Jahre wird sein Astralleib eigentlich frei und geboren. Da nun kann es sein, daß wir es zu tun haben mit einer Individualität, das heißt mit dem, was aus den vorhergehenden Verkörperungen kommt, welche starke, große innere Seelenfähigkeiten hat. Wir setzen also voraus den Fall eines Menschen, der durch sein Karma, durch seine frühere Entwickelung in früheren Leben, starke innere Fähigkeiten hat. Um diese Fähigkeiten in der Welt auszuleben, braucht man die Kräfte, die Organe einer jeden menschlichen Hülle.“ Ebenda Seite 57. Etwas weiter unten spricht er von dem Fehler, der in der Gegenwart bereits allgemeiner Konsens in der Pädagogik ist, das zu frühe Bauen auf die noch nicht vorhandene Urteilsfähigkeit des Kindes. Er spricht vom zweiten Jahrsiebt. „Wir beginnen jetzt außer acht zu lassen diese Regeln, und wir begehen zum Beispiel den Fehler, daß wir bei einem solchen Menschen den materialistischen Vorurteilen erliegen und sagen, wir wollen hauptsächlich darauf sehen, daß das Kind möglichst früh zu einem verstandesmäßigen Urteilen kommt, daß es möglichst früh lernt, ein eigenes Urteil zu haben. das ist ja heute so Gebrauch aus unserer materialistischen Denkungsweise heraus. Ich habe das Beispiel schon öfters angeführt.

Während zwischen dem 7. und 14. Jahre namentlich darauf gesehen werden sollte, daß das Gedächtnis ausgebildet werde, stellt man Rechenmaschinen auf. Während man früher das Kind lernen ließ 2x2=4 und dergleichen, bevor es die Dinge verstanden hat, sagt man heute, man muß dem Kinde nichts beibringen, was es nur gedächtnismäßig lernt, das Kind soll nur das wissen, worüber es ein Urteil haben kann. Da wird mit roten und weißen Kugeln gearbeitet. Anstatt das Kind zu gewöhnen an Autorität, die für das Kind zwischen dem 7. und 14. Jahr die Quelle der Wahrheit sein soll, bringt man es dazu, das Kind frühreif zu machen im Urteilen. Während das Kind dieses Lebensalters fühlen soll: Ich muß das glauben, was die verehrte Autorität sagt -, vernachlässigt man, daß das Kind nötig hat, Eltern und Lehrer zu haben, zu denen es aufschaut mit inniger Verehrung und von denen es Wahrheiten annimmt aus dem Gefühl selbstverständlicher Autorität.“ Ebenda, Seite 57 ff. Das Beispiel mit der Rechenmaschine ist etwas veraltet, so etwas wird ja nicht mehr in den Schulen verwendet. Trotzdem ist das Problem heute ein viel größeres als zu Rudolf Steiners Zeiten. Der Verlust der Autorität findet einen seiner eklatantesten Ausdrücke in der Abschaffung des Frontalunterrichtes. Den Lehrer, die verehrte Autorität, der den Mittelpunkt des ganzen Unterrichtsgeschehens darstellt, versucht man aus dem zentralen Geschehen zu entfernen, ihn quasi überflüssig zu machen. Damit wird der Unterricht des zweiten Jahrsiebtes an einer entscheidenden Stellen korrumpiert. Dies findet auch an Waldorfschulen statt. Das ist ein Verbrechen an der werdenden Generation. Man kann dann auch nicht mehr von Waldorfpädagogik sprechen. Das ist wie ein Bauernhof ohne Bauer, wie ein Auto ohne Zündkerzen, unter Umständen noch schön anzusehen, aber vom Funktionellen aus betrachtet bereits zerstört. Ein Lehrer, der nach dieser Methode arbeitet, kann nur ohne Kenntnis der Grundlagen der Waldorfpädagogik sein. Die Lehrerin meines Sohnes hat ab der vierten Klasse mit den Schülern über ihren Unterricht diskutiert. Die Schüler haben sie dafür gehaßt. In offiziellen pädagogischen Zeitschriften können Ausführungen von Pär Ahlbom gelesen werden, der davon spricht, wenn das Kind lieber in den Wald gehen will statt zur Schule, so wäre eben dann das an dem Tag die Schule. Also es wird dem Urteil des Kindes übergeben, was es zu tun gedenkt und ob und wann es zur Schule gehen will. Pär Ahlbom ist auch einer von denen, die von der Anthroposophie leben ohne sie zu kennen( wir berichteten darüber in Heft VI in dem Artikel „Beziehung statt Erziehung“), ein billiger pädagogischer Populist á la Henning Köhler, aber das verkauft sich gut in der heutigen dekadenten Zeit. Auch außerhalb der Schule können sie heute erleben, wie dreijährige Kinder im Schuhladen gefragt werden, welche Schuhe sie denn gerne hätten.

„Nehmen wir an, wir lassen dieses außer acht, daß das Wort Autorität ein heiliges sein muß für die Zeit zwischen dem 7. und 14. Jahre. Wenn wir so zwischen dem 7. und 14. Jahr solche wichtigen Gesetze außer acht lassen, dann kann auch nicht vom 14., 15. Jahr an aus einem unrichtig entwickelten Ätherleib heraus ein richtig sich entwickelnder Astralleib entstehen. Und nehmen wir nun an, wir haben es mit einem Menschen zu tun, der sich aus früheren Leben besondere Kräfte, gute starke Fähigkeiten mitgebracht hat, Anlagen aber, zu denen er einen Astralleib braucht, der sich entflammen kann für hohe Ideale. Es hängt zum Beispiel am Astralleib, daß man, wenn man eine Ungerechtigkeit sieht in seiner Umgebung, aufflammen kann in gerechtem Zorn, lange bevor man sie beurteilen kann im selbständigen klaren Denken. Solche Eigenschaften eines gesunden Astralleibes müßten nach der Natur des betreffenden Menschen gerade da sein, denn die brauchte er, damit das herauskommen kann, was nach seinen früheren Inkarnationen in ihm lebt. Nehmen wir nun an, wir haben die Grundsätze vernachlässigt, die beachtet werden müssen, damit der Astralleib hingebungsfähig, begeisterungsfähig geboren wird mit dem 14.,15. Jahre, dann fehlt, trotzdem bedeutende Anlagen, große Fähigkeiten, mitgebracht werden von früher, dennoch die Möglichkeit, diese Anlagen zu entwickeln, weil der Astralleib diese Anlagen nicht herauskommen läßt. Er hat jene Kräfte, jene Strömungen nicht, welcher sich jenes Ich, das von Verkörperung zu Verkörperung geht, bedienen muß, um seine Anlagen zu entfalten. Jetzt haben wir ein Ich, das hohe Fähigkeiten entwickeln könnte; die Organe des Astralleibes aber, durch die dieses Ich seine Fähigkeiten äußern könnte, sind verkrüppelt. Diejenige Entwickelungsströmung, welche den Fortgang der Hüllen regelt, ist nicht zu ihrer Geltung gekommen.

Wer das Leben betrachtet, wird insbesondere heute in unserer so furchtbar materialistischen Zeit finden, daß der Fall, den ich soeben geschildert habe, unzählige Male im Leben wirklich da ist. Unzählige Male im Leben tritt es ein, daß der, welcher das Leben durchschauen kann – geschult durch okkulte Entwickelung es durchschauen kann -, mit blutendem Herzen sieht: Da steckt etwas in der Individualität, aber es kann nicht heraus, weil die andere Entwickelungsströmung bis zum entsprechenden Zeitpunkt nicht richtig besorgt worden ist. Da treten dann gerade in jenem Zeitpunkte, wo die nicht vorhandenen Organe gebraucht werden würden, die charakteristischen Erscheinungen auf, welche man als das „Jugend-Irresein“ – Dementia praecox – bezeichnet. Allerlei böse, schlimme Leidenschaften treten auf, Verirrungen furchtbarster Art. Woher kommen sie, diese Verirrungen? Sie kommen nicht etwa bloß davon her, daß der Betreffende auch Anlagen hat, die zum Schlimmen neigen, sondern daher, daß er in der gegenwärtigen Inkarnation nicht die Organe hat, um gerade seine guten Anlagen zur Entwicklung zu bringen. Da ist es für ihn eine Wohltat vielleicht, daß diese Anlagen des Ich zerstören, zerreißen die Hülle, um sich in einer folgenden Verkörperung eine bessere Möglichkeit zu schaffen für seine Entwickelung.“ Ebenda Seite 58 ff.

Auch nach meiner Erfahrung sind es häufig die mit den besten Veranlagungen, die zu den schlimmsten Handlungen neigen. Aus diesen Ausführungen Rudolf Steiners läßt sich auch das sogenannte Ritzen, die Verletzungen des eigenen Fleisches durch Messer oder Rasierklingen erklären und die hohe Selbstmordrate, die im jugendlichen Alter die häufigste Todesursache ist. Sebastian Bosse, das war der Attentäter von Emsdetten, der vor einigen Jahren an seiner Schule bei einem Amoklauf 40 Schüler verletzte, bevor er sich selbst das Leben nahm, hinterließ im Internet einen Abschiedsbrief, der dort allerdings nur einige Tage zu finden war. Er sprach darin davon, daß die Schule ihm den Krieg erklärt hätte, daß sie ihm den Sinn des Lebens genommen hätte. Wenn man das, was etwas verworren war an diesem Brief wegließ, so mußte man ihm in entscheidenden Punkten recht geben. Die Schule nimmt dem Schüler heute den Sinn des Lebens: sinnloses Lernen, ohne geistige Inhalte, Dressur ohne Seele, Computerausdrucke, die in Menschen verpackt werden. Eine Psychiaterin, welche längere Zeit an einem Gymnasium den Unterricht begleitete, formulierte es einmal so: „Ausschneiden, ausfüllen, ausmalen, einkleben, mehr findet nicht statt“. Und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Der Staat erzieht die Kinder zu dem, was man als soziale Sprengsätze bezeichnen kann, immer mehr dieser Sprengsätze gehen wirklich hoch, andere, das sind die mit den weniger wertvollen Anlagen, resignieren und passen sich an und leben ein Leben, welches einem krassen Egoismus huldigt.

Nun gibt es sogar an NRW-Schulen den klassenübergreifenden Unterricht. Von der ersten Klasse an werden die Kinder nicht mehr nach Altersstufen, sondern nach Leistungsgruppen zusammengefaßt und unterrichtet. Dadurch wird den Kindern der Halt genommen, sie werden orientierungs- und beziehungslos, denn der soziale Zusammenhang der Klasse ist eine wichtige Grundlage für das Lernen. Von mir selbst kann ich sagen, daß ich als Schüler niemals mit dem zurechtgekommen wäre, was sich heute als Sozialmonster Schule nennt. Dort werden die gigantischen sozialen Probleme der nächsten Zukunft gezüchtet. Die heutigen Schulen arbeiten absolut effektiv, jedoch im negativen. Wenn es so einigermaßen gut geht und es zu keinen persönlichkeitszerstörenden „Erfolgen“ bei den Schülern kommt, entsteht nichts Individuelles, sondern minderwertige Massenware.

In diesem Zusammenhang muß ganz stark die Gender-Erziehung hervorgehoben werden. Die Kinder werden vom Staat immer früher sexualisiert. Man muß kein Anhänger von Sigmund Freud sein, um zu wissen, das er recht hat, wenn er Folgendes feststellt: „Kinder, die sexuell stimuliert werden, sind nicht mehr erziehungsfähig, die Zerstörung der Scham bewirkt eine Enthemmung auf allen Gebieten, eine Brutalität und Missachtung der Persönlichkeit des Menschen.“

Den neuesten Schwachsinn, der mir aus dem Unterricht der staatlichen Schulen zugetragen wurde, will ich ihnen auch nicht vorenthalten. Die Kinder schreiben einen Test in deutscher Grammatik. Dieser wird von dem Lehrer korrigiert, sie können zu Hause üben. An einem der folgenden Tage wird der Test wiederholt und das Kind darf dabei den von dem Lehrer korrigierten Test vorliegen haben. Früher nannte man das abschreiben, mogeln, heute ist das ein Unterrichtsverfahren, ausgedacht an einer Universität fern der Wirklichkeit. In der Zukunft wird es dann nur noch Doktorarbeiten à la Koch-Mehrin oder von und zu Guttenberg geben. Berechtigt ist dann, den Doktortitel zu führen, wer die Fähigkeit nachgewiesen hat, abschreiben zu können.

Es sind ja nicht alle Kinder so veranlagt, daß sie dann an einer solchen Psycho-Pathologie erkranken, für die man in der Vergangenheit den Begriff Dementia praecox verwendete. Aber in einer abgeschwächten Form betrifft es heute alle Schüler, alle Menschen. „Es wird ja nicht immer in dieser radikalen Weise auftreten, aber es tritt in unserer Zeit noch öfter auf in dem, was heute so häufig ist: in unzufriedenen Seelenstimmungen, in der Hoffnungslosigkeit, in dem Nichtwissen, was man mit sich anfangen soll, insbesondere in den Zeiten vom 14., 15. bis zum 21. Jahre. Dann bleibt es und ist für das Leben nicht mehr gutzumachen. Dann bleibt es eine innere Stimmung von Hoffnungslosigkeit, Ziellosigkeit, Pessimismus und Unbefriedigtheit. Und in dieser gelinden Form würde es immer mehr und mehr, häufiger und häufiger auftreten, wenn nicht durch eine spirituelle, geisteswissenschaftliche Weltanschauung die Menschheit auf andere Bahnen kommen würde, als sie bis heute gekommen ist dadurch, daß immer mehr und mehr bis in die tiefsten Gedanken und Empfindungen der Menschen hinein sich das materialistische Denken aufgeprägt hat.

Wenn man das so hört, was jetzt eben gesagt worden ist, dann muß man sich als Geistesforscher sagen: Geisteswissenschaft, wenn man nur ein wenig von ihr begriffen hat, muß einem erscheinen als etwas, was man nicht betreibt zu seiner Liebhaberei, weil es einem gefällt, weil man durch sie eine subjektive Befriedigung, Beseligung findet, sondern man muß, wenn man ein wenig herangetreten ist an ihre tieferen Seiten, Geisteswissenschaft treiben als Pflicht, als Pflicht gegen die ganze Menschheit. – Denn diejenigen Weltanschauungen, die heute die herrschenden sind, sie führen dazu, das Leben immer weniger und weniger zu verstehen. Man wird das Nichtleben immer besser verstehen. Und um das Nichtleben immer besser zu verstehen, ist ja der Materialismus eine Zeitlang notwendig gewesen.“ Ebenda, Seite 60. Wir können nicht davon sprechen, daß wir unsere Kinder lieben, solange wir nicht alles tun, was in unserer Macht liegt, um eine spirituelle Pädagogik möglich zu machen. Das beginnt schon dort, wo wir dem Waldorflehrer unserer Kinder entgegentreten und von ihm Waldorfpädagogik einfordern, statt der Fastfood Pädagogik mit staatspädagogischen Zusatzstoffen, die heute an den Waldorfschulen den Kindern in die Seele geschmiert wird. Die karmischen Folgen solcher Pädagogik kann von keinem solchen Pädagogen getragen werden, das muß man versuchen ihm klarzumachen. Die wirkliche Liebe zu unseren Kindern muß sich auch darin zeigen, daß wir alles daran setzten, dem Staat endlich die Aufsicht über das Geistesleben, vor allem in der Pädagogik zu entziehen, denn niemand kann und will es schlechter machen als er. Auch wenn unsere Stimme vielleicht im Geschrei der Gedankenfreien untergeht, so wird sie doch von hierarchischen Wesen gehört und ein ausgesprochenes Wort wirkt und zählt mehr als ein bloß gedachtes. „Jeder, der das Leben heute betrachtet, wird wissen, daß es gegenwärtig außerordentlich viele gebrochene Menschennaturen gibt, die mit dem Leben nicht fertig werden. Und warum werden sie nicht mit dem Leben fertig? Weil sie nicht, wie ich es geschildert habe, zurückblicken können in Erlebnisse, die sie hätten haben sollen in der Erziehung, in ihrer Kindheit. Gewisse Kräfte können nur in der Kindheit entwickelt werden. Werden sie dann entwickelt, so bleiben sie durch das Leben vorhanden, man hat sie, und man ist dann dem Leben gewachsen. Hat man sie nicht, so ist man dem Leben nicht gewachsen. In dieser Weise ist das Verantwortlichkeitsgefühl aufzufassen, das man sich heute gegenüber allem Erziehungswesen erwerben sollte.“ Aus „Der Innere Aspekt des sozialen Rätsels – Luziferische Vergangenheit, ahrimanische Zukunft“ GA 193, Seite 144 ff, in der Ausgabe von 1989. Wir sind es unseren Kinder schuldig aufzustehen, um für ihre und damit auch für unsere Zukunft zu kämpfen.

Aber dieser Teufel ist schon dasjenige Wesen, das der Träger der Kultur der Zukunft sein wird und sein muß. Es ist eine herbe, aber eine wichtige Wahrheit. Diese Wahrheit hängt innig zusammen damit, daß sich in diesem Kulturgang in die Zukunft hinein zerstörerische Kräfte mischen müssen. Insbesondere – und davon werde ich morgen reden – müssen sich zerstörerische Kräfte, wenn die Sache nicht in weiser Art geleitet wird, in alles Erziehungswesen, namentlich in die Kindererziehung mischen. Aber auch in das ganze soziale Zusammenleben der Menschen, werden sich immer mehr und mehr wegen der allgemeinen Kultur, wegen der Usancen, wegen der Emotionen der Menschen zerstörende Kräfte mischen, Kräfte, welche vor allen Dingen die Verhältnisse unter den Menschen selber immer mehr zerstören werden.“ Dieses Zitat von Rudolf Steiner findet sich in „Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt – Der Sturz der Geister der Finsternis“ GA 177, Seite 78, in der Ausgabe von 1999. Es ist richtig, dieses Wirken des Ahrimans bildet die Kultur der Zukunft, diese Kräfte braucht der Mensch, da er an den Wesen des Widerstandes, der Finsternis, sein Ich zum Leuchten bringen kann. Was wäre der Mensch ohne den Widerstand seiner Knochen? Wo bliebe die menschliche Aufrichte ohne den Widerstand der festen Erde, wo könnte das Licht scheinen, wenn nicht in der Finsternis? Aber nur dann, wenn der Mensch die Kraft in sich erwirbt, um dem Wirken des Teufels ein Gleichgewicht zu schaffen, wird er Mensch bleiben können und nicht zurückfallen zum Tier, tiefer als das Tier.

 

Rüdiger Keuler, Juni 2011



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