Na, na Göbel

In dem Rundbrief der „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ vom Frühling 2011 lesen wir auf Seite 8 die Worte: „Angesichts der rätselhaften Tatsache, daß Naturkatastrophen zunehmen…“. Rätselhaft dürfte die Zunahme der Naturkatastrophen nur für einen Menschen sein, der die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners nicht kennt. Diese Worte stammen jedoch von Nana Göbel, die zum Vorstand der „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ gehört und sich schon lange in „anthroposophischen“ Funktionärsposten tummelt. In dieser Aussage von Frau Göbel finden wir einen weiteren Beleg, zu dem unzählige andere hinzugefügt werden können, der uns zeigt, wie wenig, wie erschreckend wenig die „Anthroposophen“ die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners kennen.

„Mit dem menschlichen Verstand sind verwandt, innerlich verwandt, die Elementarwesen des Festen, mit dem menschlichen Gefühl die Elementarwesen des Flüssigen, mit dem menschlichen Willen die Elementarwesen des luftförmigen Elementes.

Aber dieser ganze Chor von Wesenheiten, der ebenso um uns herum ist wie Steine, Pflanzen, Tiere und physische Menschen, dieser ganze Chor, der kann entweder offenbarend an uns herandringen, indem wir das Geistige heute willig aufnehmen, oder aber er kann sich unserem Bewußtsein verschließen. Wollen wir nichts wissen von der geistigen Welt, dann ist dieser ganze Chor verfallen den ahrimanischen Mächten, dann kommt das Bündnis zwischen Ahriman und den Naturgeistern zustande. Das ist heute das, was in der geistigen Welt schwebt als überragender Entschluß: das Bündnis zustande zu bringen zwischen den ahrimanischen Mächten und den Naturkräften. Es ist sozusagen der Kompromiß im Werke zwischen den ahrimanischen Mächten und den Naturgeistern, und es gibt keine andere Möglichkeit, dies zu verhindern, als dadurch, daß sich die Menschen in ihrer Erkenntnis an die geistige Welt wenden und dadurch bekannt werden mit den Naturgeistern, ebenso wie sie bekannt wurden mit Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Kalzium, Natrium und so weiter. Es muß also hingesetzt werden neben eine Wissenschaft des Sinnlichen, des Physischen, eine Wissenschaft des Geistes. Und zwar müssen wir mit dieser Wissenschaft des Geistigen absolut ernst machen. Indem wir bloß in pantheistischer Weise herum reden vom Geist, kommen wir ihm nicht nahe. Wir dürfen nicht jene Mutlosigkeit haben, die sich davor zurückhält, von konkreten geistigen Wesenheiten zu reden.“ Diese Worte Rudolf Steiners finden sich in dem Vortragsband „Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung“ GA 211, Seite 206, in der Ausgabe von1986.

Dies ist nicht die einzige Stelle, an der Rudolf Steiner auf dieses Bündnis zwischen den Naturgeistern und Ahriman hinweist. Bereits im Pelagius Heft IV findet sich ein Artikel – „Gesundheit ein geistiger Prozeß“ – in dem ich auf einen anderen Vortrag hinwies, in dem Rudolf Steiner über dieses Thema spricht, indem er sagt, die Naturgeister wollten aus der Erde etwas machen, wo der Mensch nur noch wie eine Art von Ungeziefer auf der Erde existieren könnte. Wir druckten damals diesen Vortrag von Rudolf Steiner, der den Titel trägt „Der Verfall des menschlichen Intellekts und das sich Sichwehren des Menschen gegen die Spiritualität“ in einem Sonderheft ab.*

Diesen Artikel habe ich im November 2004 geschrieben. Ich wies damals darauf hin, daß wir darauf gefasst sein müssen, einer Zeit entgegen zu gehen, in der wir viele und große Katastrophen erleben werden. Weihnachten 2004 kam dann der Tsunami, der große Teile der malaysischen Küste verheerend verwüstete. Im März dieses Jahres hatten wir die Katastrophe von Fukushima mit Folgen, die bis heute verheimlicht werden und deren zerstörerische Wirkungen noch gar nicht absehbar sind. Vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt macht es keinen großen Unterschied, daß beide Katastrophen höchstwahrscheinlich von Menschenhand herbeigeführt wurden. Ahriman, mit dem sich die Elementargeister verbündeten, ist der Geist des Todes und der Zerstörung. Nachdem die Menschheit sich nicht für das geistige Wissen öffnete, wurden dadurch die enttäuschten Naturwesen in die Arme Ahrimans getrieben. Entscheidenden Anteil daran hatte die Anthroposophische Gesellschaft und ihre Metastasen - zu denen wir auch die „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ und ihre geistfaulenden Funktionäre rechnen müssen, die von der Geisteswissenschaft und nicht für diese leben - , durch die Korrumpierung der Gesellschaft und deren gläubige Mitglieder, und damit der Wirksamkeit der Geisteswissenschaft in der Öffentlichkeit. Wenige arbeiteten bewußt an dieser Korrumpierung, viele, fast alle folgten willig und narkotisiert aus ihrer geistigen Schläfrigkeit heraus.

Auch Frau Göbel gehört zu diesen geistigen Narkoleptikern. Wer daran zweifelt kann sich ja den besagten Rundbrief vornehmen. Er wird dort nur seichtes Geträller finden und ein unentwegtes sich selbst, ob der „Erfolge“ auf der Ebene des äußeren Scheins, auf die Schulter klopfen. Dort können wir erfahren, daß auf Initiative der „Freunde“ an den Waldorfschulen inzwischen der WOW Day gefeiert wird, um die Schüler dazu zu animieren, Spenden für ärmere Schulen einzutreiben. Die Abkürzung bedeutet Waldorf-One-World. Nicht einmal ein Mensch, der berechtigt ist die drei schwarzen Punkt am Arm zu tragen, kann sich dazu versteigen einen solchen Begriff Kindern gegenüber zu gebrauchen. Gerade deren Zukunft wird eine der schwärzesten sein, die die Menschheit jemals erlebt hat, wenn die sich durchsetzen, die uns langsam aber scheinbar unaufhaltsam in die Globaldiktatur One-World führen wollen. Wem dient Frau Göbel denn, wenn sie eine solche, einen schwarzen Begriff verharmlosende Aktion startet? Ich möchte Frau Göbel kein solches Wirken unterstellen welches ihr bewußt ist, dazu ist sie zu arglos und nicht wach genug, das ändert jedoch nichts an den Tatsachen. Frau Göbel meint bestimmt zu den Anhängern Rudolf Steiner zu gehören, zu welchen jedoch? „Wenn der Geheimwissenschafter Furcht haben könnte, so könnte man vielleicht die groteske, aber wahre Behauptung aufstellen, daß er heute noch mehr Furcht haben müßte vor einer großen Zahl seiner Anhänger als vor seinen Gegnern.“ GA 56, Seite 11, in der Ausgabe von 1985. Die anthroposophische Gesellschaft und ihre Ableger besteht zum überwiegensten Teil aus solchen Anhängern, die eine Gegnerschaft längst überflüssig gemacht haben.

Der ganze Duktus des Rundbriefes, den die „Freunde“, oben genannte Anhänger, der Erziehungskunst Rudolf Steiners herausbringen erinnert mich an ein Erlebnis, welches ich vor vielen Jahren hatte. Ich war zu einem Verbandstreffen der Heilpädagogen von NRW im Windrather Tal eingeladen worden. Ich fand jedoch den Weg nicht gleich zwischen den verstreut liegenden Gehöften und Häusern dieses Tales und kam zu spät. Ich setzte mich möglichst unauffällig auf einen freien Platz, um die Veranstaltung, die schon begonnen hatte nicht zu stören und lauschte den Ausführungen. Und da wurde mir dann ganz heiß. Ich meinte auf einer Versammlung von Menschen gestrandet zu sein die nichts mit der Geisteswissenschaft zu tun haben. In dieser Gegend gab es auch, wie ich auf der Fahrt bemerkte, eine katholische Tagungsstätte und ich glaubte nun dort aus Versehen gelandet zu sein. Nichts in den Physiognomien der Anwesenden, nicht in den Wortmeldungen erinnerte mich an die Geisteswissenschaft. Auch äußere Attribute wie die Kleidung gaben mir keinen Anhaltspunkt und ich begann schon etwas nervös zu überlegen, wie ich möglichst unauffällig das Weite suchen könnte. Da fiel kurz vor der Pause ein Wort aus der in anthroposophischen Kreisen üblichen Terminologie, ich war also doch am „richtigen“ Ort angekommen. Der weitere Verlauf des Treffens bestätigte den ersten Eindruck, diese Menschen hatten, wie in „anthroposophischen“ Kreisen üblich, bestenfalls ein dekoratives Verhältnis zur Geisteswissenschaft. Ich unterzog mich auch nie mehr einer solchen sinnlosen Pflichtübung, einem solchen Verbandstreffen beizuwohnen. Denselben Eindruck hatte ich beim Studium dieses Rundbriefes: werden einige Worte aus der entsprechenden Terminologie entfernt und einige der garnierenden Bilder, so ist auch der Schein des Geistigen völlig verduftet. Geisteswissenschaft ist aber niemals Schein, sondern immer Sein.

Dem ganzen Heft die Krone setzt ein Bericht von Bernd Ruf auf. Ein Bericht über einen neuen Begriff, der von den „Freunden“ ins Leben gerufen wurde. Der Begriff der Notfallpädagogik. Die Ausführungen handelten von einem Einsatz eines 14köpfigen Teams von Pädagogen, Therapeuten, einer Psychologin und einer Ärztin in Kirgisistan. Anlaß zu diesem Einsatz war ein Pogrom an der usbekischen Bevölkerung des Landes. Durch die verschiedenen Elemente der Waldorfpädagogik sollten den traumatisierten Schülern neue Lebenszuversicht vermittelt werden. Das klingt ersteinmal gut. Wenn man jedoch bedenkt, daß diese „Krisenintervention“ innerhalb von zwölf Tagen 1400 Schülern zuteil wurde, können schon ernsthafte Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer solchen Aktion aufkommen. In vier Schulen wurden jeweils 350 Schüler an drei Tagen betreut. Was liegt einem solchen Verhalten für eine Menschenkenntnis zugrunde, wenn man glaubt, einem posttraumatischen Belastungssyndrom auf eine solche darüberhuschende Art begegnen zu können? Reklame für die Waldorfbewegung und vor allem in eigener Sache? Man hat sich in Anbetracht der Kürze der Zeit nicht einmal auf eine Schule konzentriert, sondern gleich vier Schulen besucht. Nimmt man noch die Tatsache dazu, daß die Waldorfpädagogik längst mit der tatkräftigen Hilfe der „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ in eine fade Wassersuppe verwandelt wurde, die man auf diesem Wege den hungernden Völkern, ihren Hunger nur noch mehr vergrößernd, verabreicht, so kann man die ganze Reise nur als populistischen Aktionismus bezeichnen, der unter geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkten an Sinnlosigkeit schwer zu überbieten ist. Dies läßt sich im Zeitalter der Medienkultur, des äußeren inhaltslosen Scheins und der der Verwechslung der Phrase mit der Wirkung jedoch gut verkaufen. So fand das ganze Spektakel seinen Abschluß in einer einstündigen Pressekonferenz, an der neben zwanzig Journalisten, drei Fernsehsender teilnahmen. Also im Sinne der „Freunde“ eine gelungene Aktion. Welche Frivolität jenem Geistesimpuls gegenüber, der eine entwicklungsgeschichtlich entscheidende Rolle für die Menschheit spielen muß, offenbart sich an einer solchen Vorführung. Welch hohen Preis ist der Mensch bereit für seine Selbstgefälligkeit zu bezahlen.

Bernd Ruf wurde, zur bessern Kenntlichkeit, bereits vom Staat, dem verbissenen Verfechter des unfreien Geisteslebens, stigmatisiert. Heute nennt man das ja, aus einer Schläfrigkeit des Bewußtseins heraus, geehrt. Christian Wolff lud ihn, ob seiner Verdienste, zu seiner Party ein, die er zur Einführung seiner volks- und kulturzerstörenden Herrschaft gab und zu der 5000 „verdienstvolle“ Menschen des Landes geladen waren. Aber wen zeichnet dieser Staat schon aus? Die, die mit ihm an einem Strang ziehen.

Es wird Zeit, daß sich die Spreu vom Weizen trennt. Vielleicht gibt es innerhalb der anthroposophischen Pädagogik auch noch genügend Weizen, um die Inhalte dieser Pädagogik für die Kultur zu retten? Ganz ausschließen läßt sich das, trotz des eindeutigen äußeren Erscheinungsbildes, nicht.

 

Rüdiger Keuler, August 2011

 

 

* Restbestände dieses wichtigen Vortrages können noch für 5 € bezogen werden.



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