Der dritte Ruf

 

Man kann gar nicht genug die Bedeutung der Anthroposophie für die Entwicklungsgeschichte der Menschheit und der Erde hervorheben. Sie stellt einen entscheidenden Einschnitt in dieser Entwicklung der Menschen dar, mit ihr wurde uns das in die eigene Verantwortung gegeben was wir brauchen, um uns in Freiheit selbst zu Menschen zu machen. „Es gibt in unseren sieben Kulturepochen [gemeint sind die Kulturepochen der nachatlantischen Zeit] drei Punkte, die entscheidend für die Fortentwickelung der Menschheit sind, das sind:

Der erste Ruf, der an diese Menschheit erscholl mit Donnerstimme herab vom Berge Sinai, als die Gebote Jehovas! [die zehn Gebote]

Der zweite Ruf in der Wüste durch den Täufer Johannes, als der Täufer zu denen sprach, die ihn hören wollten: <Ändert den Sinn, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen>!

Der dritte Ruf, meine lieben Freunde, ist der, welcher aus den geistigen Welten als Neuoffenbarung durch die Geisteswissenschaft oder Theosophie (Anthroposophie) verkündet wird!“

Das Zitat ist aus einem Vortrag, den Rudolf Steiner am 30. November 1911 in Heidenheim gehalten hat. Abgedruckt findet sich dieses in GA 127, auf der Seite 238 in der Ausgabe von 1989. Es ist wohl bis heute nur wenigen Menschen bewußt geworden, welche Bedeutung diese Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, bis 1913 sprach Rudolf Steiner von Theosophie, weil seine Lehren in der Theosophischen Gesellschaft offenbart wurden, für die Menschheit hat. Es sind also nur wenige Menschen, die den Ruf vernommen haben, obwohl das Vernehmen dieses Rufes entscheidend für die weitere Entwicklung der Menschheit ist. Diese Offenbarungen der Geisteswissenschaft fließen aus den geistigen Welten selbst und Rudolf Steiner durfte der Mittler sein dieses Flusses, der die heilenden Kräfte, die der Menschheit die Kraft zum Weiterschreiten in die Zukunft geben, den Menschen zukommen ließ. Damit ist natürlich eine große Verantwortung verbunden, denn wem die Perlen gereicht werden, der kann sie auch in den Dreck treten und dadurch schuldig werden. Damit wurde die Anthroposophie zum Nadelöhr, durch welches die Menschheit muß und der Mensch selbst bekommt dadurch einen Maßstab, an dem er bemessen wird. „Gibt sich der Mensch einem Irrtum oder einer Lüge hin, selbst wenn er sich dessen nicht in seinem gewöhnlichen Bewußtsein bewußt ist, so ist es doch im Unterbewußtsein vorhanden, wo es nicht nur für den einzelnen Menschen, sondern für die ganze Weltentwickelung als zerstörende Kraft wirkt. Ebenso wenn der Mensch sich mit den Kräften der Wahrheit verbindet, wirkt das als lebenschaffende Kraft weiter für die ganze Welt- und Menschheitsentwickelung.“ Ebenda, Seite 238. In der Vergangenheit wurde der Mensch durch die göttlichen Wesenheiten gelenkt, so daß er sich auf dem rechten Weg befand, nun ist er in die eigene Verantwortung entlassen und diese Kräfte, die der Mensch über die Erkenntnis bekommt oder in ihr Gegenteil verkehrt, in dem er sie an sich vorübergehen läßt, wirken in vollem Umfang auf ihn und die Menschheitsentwicklung zurück. Die Offenbarungen sind ja nun vorhanden und es liegt einzig und allein an ihm, ob er den Mut und die Kraft aufbringt, sich seinen Aufgaben als Mensch zu stellen und den Sinn seines Seins und seines Lebens zu ergründen. Oder ob er sich seinem Egoismus hingibt. Auch der Darwinismus und der naturwissenschaftliche Materialismus sind zu dem zu rechnen, was Rudolf Steiner im obigen Zitat mit Lüge und Irrtum meint, ganz zu schweigen von all den historischen Lügen und Unwahrheiten, mit denen wir bewußt manipuliert werden. Auch die Lügen der Lehrmedizin, der Rudolf Steiner auch den Beinamen jesuitisch gibt, fallen darunter. Für die Menschheit hängt viel davon ab, daß dieser dritte Ruf gehört wird. „So wie damals sich nur ein kleiner Teil von Menschen fand, die den zweiten Ruf hörten, so wird es auch in unserer Zeit nur ein kleiner Teil sein können, der den dritten Ruf hört. Aber, meine lieben Freunde, sollte der Ruf vorübergehen, ohne das er gehört würde, so könnte die Entwickelung der Menschheit nicht in der von den hohen geistigen Wesenheiten beabsichtigten Weise geschehen.

Als eine unendliche Gnade dürfen wir rückschauend ansehen, daß es damals Menschen gegeben hat, die den zweiten Ruf vernommen haben, und Dank sind wir diesen Seelen schuldig, daß dadurch die Menschheitsentwickelung weitergeführt werden konnte. Wer es versteht, die Zeichen der Zeit zu lesen, der weiß, was es heißt, den dritten Ruf der lebendigen Neuoffenbarung zu vernehmen oder ihn ungehört vorübergehen zu lassen. Ebenda, Seite 239. „Würde der dritte Ruf ungehört vorüberziehen, meine lieben Freunde, so würde die Entwickelung der Menschheit nicht fortschreiten können, und die Menschen, welche später auf diese Zeit zurückblicken würden, wo der Ruf von uns nicht beachtet wurde, würden die Verantwortung auf uns laden müssen. Wie wir aber dankbar zu den Menschenseelen hinschauen, die damals den Johannesruf vernommen haben, so werden die späteren Menschen dankbar zu den Seelen hinschauen, die den heutigen, dritten Ruf vernahmen, damit die Menschheit weitergeführt werde.“ Ebenda, Seite 241. Es ist schon erschütternd, wenn man durch die Straßen einer Stadt geht, die Menschen betrachtet und wahrnimmt, wie weit diese von ihren Aufgaben entfernt sind und wie wenig sie davon wissen und vor allem wissen wollen, was um sie herum vorgeht. Da stellt sich immer wieder die Frage ein: Was muß denn noch geschehen, damit die Menschen erwachen. „Aber auch der tonangebende Materialismus von heute wird weggerafft werden, und Geisteswissenschaft wird die Menschheit weiterführen dürfen, wenn der dritte Ruf gehört wird. Wer sagt Ihnen, ob nicht der eine oder andere, der hier unter uns ist, damals diesen Johannesruf vernahm? Wir alle haben auf diese oder jene Weise diesen zweiten Ruf vernommen und müssen den dritten vernehmen, um der Menschheit die Möglichkeit zu geben, weitergeführt zu werden.

Auf daß in dieser Stadt die Lehren der neuen Christus-Offenbarungen vernommen werden, haben die geistigen Mächte eine Anzahl von Menschen durch inneren Herzensdrang zusammengeführt. Diejenigen hohen, geistigen Individualitäten, welche berufen sind, an die Menschheit diesen Ruf ergehen zu lassen durch ihre Boten, sind die Führer der Menschheit.“ Ebenda, Seite 242.

 Rüdiger Keuler, Juni 2014

 



  • Wenn Sie diesen Artikel weiterempfehlen wollen, tragen Sie unten Ihren Namen und die EMailadresse des Empfängers ein. Optional können Sie der EMail auch eine Bemerkung hinzufügen.
    Ihr Name:
    EMailadresse des Empfängers:
    Bemerkung: